Rhein-Pfalz Kreis Musik aus dem Blaulichtmilieu

NEUHOFEN. Zum dritten Mal hat das Polizeiorchester Rheinland-Pfalz an einem Neujahrsempfang in Neuhofen gespielt. Dass die Polizisten nicht nur „Tatü-tata“ können, muss sich herumgesprochen haben: Das Bürgerhaus war voll besetzt. Vom alten Europa bis nach Lateinamerika nahmen die Beamten die Besucher mit – nicht in der „Grünen Minna“, sondern musikalisch.
Es war zwar keine Hundertschaft, aber ein großes Orchester, mit dem die Polizisten anrückten. Eingeladen hatten der Heimat- und Kulturkreis und die Ortsgemeinde Neuhofen. Mit einem großen Satz an Blech- und Holzbläsern konnten die Polizisten schon ordentlich Wind machen, mit dabei waren auch Schlagwerker, Kontrabässe und gelegentlich Klavier. Dieses Mal kamen wieder Spezialkräfte dazu: Irina Prodan und Thomas Siessegger sangen Sopran- und Tenor-Stücke aus Opern und Operetten. Mit ordentlich Wumms ging es los: Der Auftakt des Komponisten Julius Fucik verlangte präzise Schlagkraft, denn nur dann sitzen die Akkorde richtig. In seinem mehrteiligen Stück „Marinella“ wird es zwischendurch ruhiger, dann folgt ein Walzer. Da war das Publikum auch schon in guter Stimmung. Seit September schwingt Stefan Grefig den Taktstock. Zur Freude der Zuhörer präsentierte er sich als waschechter Pfälzer, als er später die unbedingt geforderten Zugaben ankündigte. Irina Prodan sang mit beeindruckender Stimme und machte in jeder Hinsicht eine gute Figur. Als sie im zweiten Teil zu ihrer Carmen-Arie im leuchtend roten Flamenco-Kleid auf die Bühne kam, gab es auch dafür einige anerkennende „Ahs“ und „Ohs“ zu hören. Das Paradestück für Thomas Siessegger war „Granada“. Das Stück, 1932 von dem Mexikaner Agustin Lara geschrieben, wurde schon von jedem bekannten Tenor gesungen und löste auch in Neuhofen wieder Jubel aus. Sehr gelungen waren auch die Duette der beiden Sänger. Das Trinklied aus „La Traviata“ ist fast schon ein Schunkler, dagegen klang „Tonight“ aus der „West Side Story“ nach lateinamerikanischem Einfluss. Das galt natürlich erst recht für den Mambo aus demselben Musical. Offenbar haben die Polizisten nicht nur Pfefferspray im Gürtel, sondern auch ordentlich Pfeffer im Hintern, es fetzte ganz schön heftig. Auch ohne Martinshorn können die uniformierten Musiker ziemlich schnell unterwegs sein. Der Cachucha-Galopp von Johann Strauß Vater sauste nur so dahin und bei der Polka „Unter Donner und Blitz“, von Strauß Junior geschrieben, lässt es das Orchester ordentlich krachen. Die Musiker aus dem Blaulichtmilieu sind echte Könner. Sie müssen auch nicht als Streifenhörnchen im Schichtdienst unterwegs sein, sondern können sich ausschließlich der Kunst widmen. Alle sind studierte Musiker. Als Orchester sind sie eine Art Vorzeigeprojekt: Sie zeigen, dass Polizisten keine Spaßbremsen sind und sind auf kreative Art als Freund und Helfer unterwegs. Wie Moderator Christian Küchenmeister erklärte, habe das Orchester 100 Auftritte im Jahr und spiele grundsätzlich nur Benefizkonzerte für soziale Projekte und Einrichtungen. Nach 2011 und 2013 war dies das dritte Neujahrskonzert des Polizeiorchesters in Neuhofen, und wieder war das Publikum sehr begeistert. (ghx)