Beindersheim / Speyer
Mittelständler übernimmt Agrarservice
Der Vertrag sei am Dienstag unterzeichnet worden, sagte am Donnerstag Vorstandsmitglied Till Meßmer, der in der VVR Bank für die Beindersheimer Warenabteilung zuständig ist. Zuvor seien alle Mitarbeiter und die Landwirte, die Kartoffeln und Zwiebeln liefern, informiert worden. Im Grunde werde sich nichts ändern, wenn der Betrieb am 15. Oktober an die Helma Südwest GmbH übergeben werde. Die Bank werde Minderheitsgesellschafter, sagte Meßmer, doch mit wie viel Prozent wollte er im Gespräch mit der RHEINPFALZ nicht verraten.
Die Mehrheit der Anteile wird die Helma Kartoffelvertriebsgesellschaft halten, ein Familienunternehmen aus Sittensen, das rund 130 Mitarbeiter beschäftigt und seit über 20 Jahren Partner des Beindersheimer Betriebs ist. Beide Firmen helfen sich gegenseitig aus, wenn in der Pfalz die Frühkartoffeln beziehungsweise im Norden Deutschlands die später geernteten Kartoffeln vermarktet werden müssen. Till Meßmer möchte den Namen des Hauptabnehmers nicht nennen, aber es ist ein offenes Geheimnis, dass es sich um Lidl handelt.
Partner hat großen Fuhrpark
„Die Abnehmerseite hat darum gebeten, dass wir in strategisch geänderter Form in die Zukunft gehen“, sagt Meßmer zum Grund der Fusion. Konzentrationsprozesse in Landwirtschaft und Einzelhandel, Digitalisierung, künstliche Intelligenz und moderne Logistik unter dem Stichwort Nachhaltigkeit – all das nennt der Vorstand als Herausforderungen, die der Beindersheimer Betrieb im Gewerbegebiet Im Wörtchen zu meistern habe und zusammen mit Helma meistern könne. „An dieser Einheit kommt der Lebensmitteleinzelhandel dann nicht mehr vorbei“, so Meßmer. Im Gegensatz zum Agrarservice verfüge der niedersächsische Partner über einen eigenen Fuhrpark mit 30 Zugmaschinen.
Das Warengeschäft war vor dem Zusammenschluss zur VVR Bank der Stolz der in Lambsheim ansässigen RV Bank Rhein-Haardt und ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit mit ihren Kunden aus der Landwirtschaft. Mit dem Vertrieb von jährlich 124.000 Tonnen Kartoffeln und Zwiebeln wurde laut Vorstand ein Umsatz von 60 Millionen Euro gemacht. In Zeiten sinkender Erträge regionaler Genossenschaftsbanken „ein Erfolgsmodell“, wie das frühere RV- und heutige VVR-Vorstandsmitglied Thomas Sold sagt.
Allerdings sei zuletzt kein Wachstum mehr in Aussicht gewesen. Deshalb sei die Übergabe des Agrarservice nicht als Abschied, sondern als eine Stärkung dieses Geschäfts und des Beindersheimer Standorts zu verstehen. „Als Verpflichtung, das Geschäft hier so aufzustellen, dass es erhalten bleibt und zukunftsfähig ist.“ Für die Landwirte ändere sich nichts, so Sold. Am 30. September könnten sie die Helma-Chefs Jan und Jochen Heldberg bei einem Landwirtschaftsabend persönlich kennenlernen.
Standortgarantie vereinbart
Auch für die 41 Beindersheimer Mitarbeiter soll sich so wenig wie möglich ändern. Ihr langjähriger Chef Martin Roffhack wird laut Meßmer gemeinsam mit den Heldbergs die Geschäfte der GmbH führen, und alle Beschäftigen könnten ihre Arbeitsverträge behalten. In den seit Herbst 2020 laufenden Gesprächen mit Helma sei eine dreijährige Standort- und Beschäftigungsgarantie vereinbart worden. „Normal ist in so einem Fall nur ein Jahr“, sagt Till Meßmer. Sowohl der Aufsichtsrat der in Speyer ansässigen Vereinigten VR Bank als auch ihr Betriebsrat hätten der Fusion zugestimmt.
Und wie hat es die Kommunalpolitik aufgenommen? „Uns ist wichtig, dass der Firmensitz in Beindersheim ist und dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben“, sagt auf Anfrage Ortsbürgermeister Ken Stutzmann (SPD). Der Gemeinderat müsse der Fusion am Dienstag noch zustimmen, denn das Gelände sei im Erbbaurecht an die Bank verpachtet.
Dazu gehört laut Stutzmann der ehemalige Wertstoffhof, der vor wenigen Jahren nicht nur wegen der Konflikte zwischen Kartoffellaster- und Privatverkehr nach Heßheim verlegt wurde. Das Areal ist schon lange als Erweiterungsfläche für den Agrarservice vorgesehen. Wird daraus jetzt noch was? „Die Option der Betriebserweiterung liegt immer noch auf dem Tisch“, sagt Till Meßmer. Aber das entscheide die Firma Helma.