Rhein-Pfalz Kreis Mitmachangebot ohne Nachfrage
Die Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim muss einen Flächennutzungsplan erstellen und will bis Mitte 2017 ein Klimaschutzkonzept erarbeiten. Ganz vorbildlich will die Verwaltung außerdem in beide Projekte ihre Bürger einbinden. Doch das Interesse an einer Einwohnerversammlung dazu war am Mittwochabend im Heßheimer Bürgerhaus – sagen wir überschaubar. Rund 50 Vertreter aus Verwaltung, Politik und der mit dem Klimaschutzkonzept beauftragten Firma sowie einige Gewerbetreibende waren gekommen. Dazu noch höchstens zehn Bürger, die sich über das regelmäßige Wahlkreuzchen und den Steuerpfennig hinaus beteiligen wollen. Der Rest der 14.000 Einwohner ab 16 Jahren hat Folgendes verpasst. Die Organisatoren der Veranstaltung hatten sich mächtig angestrengt, die sehr theoretischen Referate in Behördensprache so kurz wie möglich zu halten. Dennoch suchten einige Zuhörer noch vor Beginn des Themas Klimaschutz das Weite. Vielleicht lag es daran, dass nicht alle mit ihrem Mikrofon umgehen konnten, sodass Lautstärke und Deutlichkeit zum Teil sehr zu wünschen übrig ließen. Zum Ausgleich gab es zu jedem Themenkomplex eine mittels Beamer gut lesbare Zusammenfassung. Wodurch ein trockenes Thema zwar nicht unbedingt spannender wird, aber man kann als Zuhörer noch leichter abschalten. Trotzdem gab es Wortmeldungen: neben Verständnisfragen zum Beispiel der Einwurf des Großniedesheimer Bürgermeisters, dass Verwaltung und Klimakonzeptfirma bei der Bestandsaufnahme der CO2-Emissionen die vier neuen Windräder in Groß- und Kleinniedesheim außer Acht gelassen hätten. Rechtzeitig vor den ersten Schnarchtönen wurde das Publikum zum Mitmachen aktiviert. Da waren es nur noch 15, die in den Genuss moderner Beteiligungsmethoden wie dem „World Café“ kommen wollten. Was wiederum die Idee, jeweils bis zu zehn Menschen an fünf Thementische zu verteilen und nach 15 Minuten wechseln zu lassen, schwierig machte. Also wurden kurzerhand Themen zusammengefasst, zum Beispiel die Möglichkeiten der Energieeffizienz in Kommunen, Gewerbe und Privathaushalten. Stark engagiert bei diesem Austauschprozess waren (verständlicherweise) ein Energieberater, ein Windradbauer, ein Mitglied der Grünen. Nach einer weiteren Pause wurden die Ergebnisse vorgestellt. Da waren es nur noch elf Zuhörer und Mitmacher. Was bleibt von der Veranstaltung? Vor allem wohl die Erkenntnis, dass der Bürger so richtig aktiv nur dort wird, wo man ihm auf die Pelle rückt oder wo seine ureigenen Interessen berührt sind. Konzepte für die Verbandsgemeinde, die für die nächsten Jahrzehnte gelten und ohnehin am Ende öffentlich ausgelegt werden, gehören eher nicht dazu. Wer weiß schon, was bis dahin alles passiert, ob es vielleicht sogar eine Wende von der Klimawende gibt. Die Erfahrung lehrt allerdings, dass sich die VG Lambsheim-Heßheim so leicht nicht entmutigen lässt. Mit regelmäßigen Einladungen zum Mitmachen und Stromsparen darf der Bürger rechnen.