Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Mit Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen durchs Studium

Das waren noch Zeiten, als Erstsemester an der Universität Koblenz-Landau im großen Hörsaal begrüßt wurden.
Das waren noch Zeiten, als Erstsemester an der Universität Koblenz-Landau im großen Hörsaal begrüßt wurden.

Videokonferenz statt Hörsaal, Kinderzimmer statt Studentenwohnheim und digitale Spieleabende statt WG-Partys. Die Universitäten befinden sich bereits im dritten Online-Semester. Wie sich das für Studierende anfühlt, was fehlt und was Chancen bietet, darüber hat sich Lea Knies mit den Studentinnen Paula Meinke und Verena Henn aus Bobenheim-Roxheim unterhalten.

Wie fühlt sich studieren in der Corona-Pandemie an?
Verena Henn: Ich bin zwiegespalten. Auf der einen Seite ist es eine gute Erfahrung, zu merken, dass alles online gut funktioniert. Das habe ich mir nicht vorstellen können. Auf der anderen Seite fehlen soziale Kontakte und die Atmosphäre, mit anderen Studenten in einem Raum zu sitzen.

Paula Meinke: Ich habe ja noch gar nicht so erlebt, wie das Unileben vor Corona ablief. Ich hoffe, dass ich diese Erfahrung noch machen werde.

Der Kontakt zu Kommilitonen aufzubauen ist auf dem Bildschirm sicher nicht so einfach wie vor Ort. Ist es Ihnen trotzdem gelungen, Freundschaften zu knüpfen? Und wie halten Sie in dieser Ausnahmesituation den Kontakt?
Paula Meinke: Ich glaube, mir ist es gelungen. Aufgrund des dualen Studiums kommen viele aus derselben Firma. Das verbindet. Über die Hochschule habe ich ebenfalls bereits neue Leute kennengelernt. Wer introvertiert ist, dem kann der Kontaktaufbau im Online-Studium jedoch schwerfallen. Man ist dazu gezwungen, offen auf Leute zuzugehen.

Verena Henn: Ich war überrascht, dass es online funktioniert, neue Freunde zu finden. Im ersten Semester haben wir uns nicht gesehen. Jetzt gehen wir ab und zu mal zu zweit spazieren oder kochen etwas, in Gruppen geht das leider nicht.

Wie oft sind Sie auf dem Campus?
Verena Henn: Ich habe meinen Bachelor in Mainz gemacht, deshalb war ich schon an der Uni. Im Master ist das komplizierter. Bisher war ich nur für die Klausuren auf dem Campus.

Paula Meinke: Mein Studium hat im Oktober 2020 begonnen. Da hatten wir noch Veranstaltungen vor Ort und konnten Dozenten und Kommilitonen kennenlernen. Im zweiten Semester ist alles digital – sogar die Prüfungen.

Hat das Online-Semester Einfluss auf Ihre Wohnsituation?
Paula Meinke: Ich wohne zu Hause. Ich bin erst im zweiten Semester und wollte mich reinfinden. Durch Corona verbringe ich jetzt den ganzen Tag zu Hause. Das sorgt für Konflikte. Auch besteht der Wunsch, einmal eine andere Umgebung zu sehen.

Verena Henn: Ich wollte zum ersten Mastersemester letzten Sommer umziehen, habe es aber dann noch nicht gemacht. Ich dachte, wegen Corona lohnt es sich nicht, eine eigene Wohnung zu haben. Im Oktober bin ich dann aber doch in eine Wohngemeinschaft gezogen. Seitdem studiere ich größtenteils von dort. Die Atmosphäre in Mainz macht viel aus, egal ob man an der Uni ist oder nicht.

Oft hört man von großen technischen Problemen bei Online-Veranstaltungen. Haben Sie damit zu kämpfen?
Paula Meinke: Probleme gibt’s oft bei der Internetverbindung. Vor allem, wenn daheim die Eltern im Homeoffice arbeiten oder Geschwister Homeschooling haben.

Verena Henn: Technische Probleme gibt’s immer – mal mit dem Ton, dann mit dem Bild. Von Studierenden wird einfach erwartet, dass man da mitkommt. Einen Laptop braucht man für das Studium während Corona definitiv, sonst kann man gar nicht an den Veranstaltungen teilnehmen.

Wie kommen Sie mit dieser Veränderung zum Selbst-Studium klar?
Paula Meinke: Ich komme gut damit klar. Ab und zu fehlt die Motivation, dann ist es schon schwierig, sich aufzuraffen. Wenn man nicht selbst darauf achtet, am Ball zu bleiben, ist das belastend. Man sitzt eben den ganzen Tag am Schreibtisch vorm Bildschirm. Kopfschmerzen bleiben da nicht aus. Besonders Videokonferenzen oder das gemeinsame Bearbeiten von Vorlesungen in der Gruppe helfen jedoch.

Verena Henn: Ich habe weniger Probleme, mich selbst zu motivieren. Ich merke aber bei vielen Kommilitonen, dass sie die Motivation verlieren oder keine Lust mehr aufs Studium haben. In meinem Studiengang, Internationales Sportmanagement, liegt der Mehrwert in einem Auslandsaufenthalt. Das fällt aktuell weg. Wir haben dafür Online-Veranstaltungen mit Experten aus der ganzen Welt. Das ist aber kein gleichwertiger Ersatz. Ich habe jedoch schon von einigen gehört, die psychisch sehr zu kämpfen haben. Das schlägt sich dann auf die Noten nieder. Einige, die im Bachelor sehr gut waren, hinken jetzt hinterher.

Gibt es noch andere Probleme oder Einschränkungen?
Verena Henn: Selbst wenn man einen Praktikumsplatz bekommt, läuft auch da vieles über die digitale Schiene. Wenn überhaupt, kommt man nur ein-, zweimal in das Unternehmen oder den Verband. Gerade im Sportmanagement werden Veranstaltungen abgesagt. Da kommt dann die Frage für die Zukunft auf, ob ich wirklich in diesem Bereich sein will, oder ob ich mir einen anderen Job suche, der sicherer ist.

Haben Sie Zukunftsängste oder fürchten Sie, dass eure Karriere unter den Folgen der Corona-Pandemie leiden könnte?
Verena Henn: Wenn man auf die aktuellen Impfzahlen schaut, habe ich die Hoffnung, dass bald die Marke der Herdenimmunität erreicht wird, vielleicht schon zum Wintersemester. Aber ich habe auf jeden Fall Angst, dass mein Job unter der Pandemie dauerhaft leiden wird. Viele meiner Kommilitonen haben Bedenken, keinen Job mehr zu finden, weil da gerade so viele wegbrechen.

Paula Meinke: Zukunftsängste habe ich im dualen Studium keine. Die Praxisphasen, die wir normalerweise im Unternehmen selbst haben, sind zwar alle online, und man lernt den Betreuer und die Kollegen nur so kennen. Trotzdem merke ich, dass das ein sicherer Job ist. Selbst wenn die Situation nicht perfekt ist, ist es immer noch toll, auf die Art während des Studiums in die Arbeitswelt reinschnuppern zu können.

Könntet Sie sich vorstellen, manche Angebote auch nach der Pandemie noch zu nutzen?
Paula Meinke: Ja. Ich fände eine Hybrid-Version eine gute Lösung. Wenn man nicht direkt in der Stadt der Universität wohnt, fallen Fahrten weg. Es lässt sich so Zeit gewinnen. Ich wünsche mir aber trotzdem oft, dass ich Vorlesungen live erleben werde.

Verena Henn: Ich finde die Videovorlesungen gut, weil jeder sie in seinem Tempo hören kann. Das Mitschreiben ist einfacher. Ich bin sowieso kein Fan von Vorlesungen im Hörsaal. Klar ist ein Mehrwert des Studierens das Zusammensein, aber von der Vorlesung nimmt man zu Hause mehr mit.

Zur Person

Paula Meinke, 20 Jahre, aus Bobenheim-Roxheim studiert im zweiten Semester International Business Administration dual an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen. Die Praxisphasen absolviert sie in der BASF.

Verena Henn, 24 Jahre, aus Bobenheim-Roxheim hat an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz einen Bachelor in Sport und Sportwissenschaft absolviert. Nun studiert sie im dritten Semester Internationales Sportmanagement.

Absolvieren wegen Corona unfreiwillig ein „Fernstudium“: Paula Meinke (links) und Verena Henn
Absolvieren wegen Corona unfreiwillig ein »Fernstudium«: Paula Meinke (links) und Verena Henn
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