Rhein-Pfalz Kreis Mit Rico und Oskar zum Sieg
Mutterstadt. Siegreich sind sie allesamt bereits gewesen. An ihrer jeweiligen Schule konnten sie sich beim Vorlesewettbewerb den ersten Platz sichern. An der Integrierten Gesamtschule Mutterstadt (IGS) haben sich gestern nun fünf Schulsieger aus dem Rhein-Pfalz-Kreis – drei mussten krankheitsbedingt absagen – auf der nächsten Ebene, beim Kreisentscheid, gemessen.
Auf dem Hof wird um 11.15 Uhr Fußball gespielt oder ausgelassen geplaudert. Der übliche Pausenlärm ist auch in der Schulbibliothek zu hören. Dort sitzen bereits die fünf Teilnehmer des Vorlesewettbewerbs, die in Begleitung eines Elternteils oder der Großeltern nach Mutterstadt gekommen sind. Sie warten geduldig auf den Beginn des Kreisentscheids. Immer wieder müssen Schüler, die die Zeit bis zur nächsten Unterrichtsstunde gern in der Bibliothek verbringen möchten, nach draußen geschickt werden, denn dieser Bereich ist für den Wettbewerb reserviert. „Versucht, nicht aufgeregt zu sein. Wichtig ist die Atmung“, sagt Jörg Klees, Stufenleiter der fünften und sechsten Klassen an der IGS und einer der sechs Juroren, die den Vortrag der Schüler bewerten. Nervös wirkt keiner der jungen Schüler. Typische Anzeichen – auf dem Stuhl hin- und herrutschen, an den Fingernägel kauen oder Schweißausbrüche – sind nicht zu erkennen. Stattdessen halten sie ihr Buch, aus dem sie vorlesen wollen, ruhig in der Hand. Während Pascal Dech von der Realschule plus Schifferstadt zum Tisch läuft und darauf „Gregs Tagebuch 8 – Echt übel“ legt, gehen die Rollos an der Fensterfront plötzlich runter. „Es ist zu sonnig“, meint Klees lachend. Von Sonnenstrahlen kann der Zwölfjährige aus Neuhofen nun nicht mehr geblendet werden und sich daher ganz auf seinen Text konzentrieren. Pointiert liest er Zeile für Zeile und bringt mit dem Bericht über die Ersatzäffchen, die Gregs Mutter besorgt hat, damit im Falle eines Verlusts dafür gesorgt ist, dass Greg nicht auf sein favorisiertes Plüschtier verzichten muss, sogar die Zuhörer zum Lachen. Nach drei Minuten unterbricht ihn der Alarmton der Stoppuhr. „War ok, oder?“, fragt Klees den Schüler, der mit einem „Ja“ antwortet und den Platz für Evin Nayir frei macht. Die Elfjährige, die die Realschule plus Bobenheim-Roxheim besucht, hat ein „fremdes Buch“ ausgewählt, dessen Inhalt sie nicht genau kennt: „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ von Thomas Brussig. Das Kapitel „Die Verdonnerten“ trägt sie trotzdem sehr souverän vor – wenn auch etwas schnell, sodass sie zumindest das Rennen mit der Stoppuhr um einige Sekunden gewinnt. Nicht ganz drei Minuten braucht auch Nils Rohrbacher aus Maxdorf, der den Charakteren aus „Harry Potter und der Stein der Weisen“ unterschiedliche Stimmen verleiht. So lässt der elfjährige Schüler des Gymnasiums Maxdorf den bärtigen Halbriesen Hagrid mit tiefer Stimme sprechen und sogar ein plötzlich klingelndes Handy kann ihn nicht aus der Fassung bringen. Ruhig und gelassen präsentiert die zwölfjährige Fabienne Schäfer ihre Passage aus „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ von Andreas Steinhöfel. Gespannt folgen die Anwesenden dem klaren und deutlichen Vortrag der Schülerin des Paul-von-Denis-Gymnasiums in Schifferstadt. In einem angenehmen Erzähltempo trägt Ian Stütz aus Waldsee dann den Anfang des ersten Bands der „Warrior Cats“-Reihe von Erin Hunter vor. Der 13-Jährige, der die Realschule plus Dudenhofen/Römerberg besucht, schlägt sich auch in der zweiten Runde, in der es einen fremden Text zu bewältigen gilt, gut. Klees hat „Geh, zähme den Berg“ von Joan Aiken ausgesucht – ein Buch, das mit spanischen Wörtern als Stolperfallen aufwartet. Versprecher werden aber nicht bewertet, wie Klees versichert. Vielmehr werde auf die Lesetechnik und die Interpretation geachtet. Die zweiminütige Lesezeit meistern die Schüler mit Bravour. Wenn überhaupt, sind nur marginale Unterschiede erkennbar, die der Jury die Entscheidung nicht einfach machen. Letztendlich kommt diese zu dem Entschluss, dass Fabienne Schäfer ihre Sache etwas besser gemacht hat als ihre Mitstreiter. Die Schifferstadterin, die nun für den Bezirksentscheid im April qualifiziert ist, ist überrascht. Mit einem Sieg „habe ich nicht gerechnet“, meint sie, während sie stolz ihre Urkunde entgegennimmt.