Bobenheim-Roxheim
Mit Palmwedel und Rost: Bobenheimer Gerichtssiegel vor 300 Jahren eingeführt
Das Dorf Bobenheim erhielt im Oktober 1725 ein eigenes Gerichtssiegel. Das hat das Wormser Heimatkundler-Lehrerehepaars Willi und Erika Kuchen ermittelt. Vom Mittelalter bis zum Frieden von Campo Formio mit der französischen Republik 1797 oblagen Verwaltung und Gerichtsbarkeit der Rheindörfer dem Wormser Bischof beziehungsweise dessen Lehensträgern. Für die Einhaltung der Rechte wurden ein Schultheiß und mehrere Schöffen eingesetzt. 1507 erhielten Roxheim und Bobenheim ein gemeinsames Gerichtssiegel. Innerhalb der amtlichen Umschrift stellte es die Kirchenpatronin Maria Mägdlein, zeitweise aber auch die Heilige Mutter Gottes dar.
Bobenheims eigenes Gerichtssiegel deutet einen Mann an, der Palmwedel und Rost in den Händen hält. Allerdings war Bobenheim bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Filiale der Roxheimer Pfarrei St. Maria Magdalena. Die Gottesdienste fanden ein halbes Jahrtausend lang in einer dem Märtyrer Mauritius geweihten Kapelle beziehungsweise Kirche nahe der Dammstraße statt. Er ist aber nicht auf dem Siegel dargestellt. Gemäß der christlichen Ikonographie bezeichnet die Palme einen Märtyrer und der Rost ist das Attribut des römischen Diakons Laurentius. Auf einen solchen wurde er laut der Legende lebendigen Leibes über ein Feuer gebunden. Beim Höhepunkt seiner Qualen habe er gerufen, er sei nun auf einer Seite gar, man möge ihn umwenden – ein Hinweis auf den Humor des Heiligen, der in Wirklichkeit wohl enthauptet wurde, wie es das Gesetz für Delinquenten mit römischem Bürgerrecht vorsah.
Offizielles Wappen ab 1928
Mit dem einstigen Kirchenpatron des später untergegangenen Dorfs Littersheim hat es eine eigene Bewandtnis: Als im Ungarnsturm 955 Augsburg belagert wurde, zeigte sich erstmals eine Art deutsches Zusammengehörigkeitsgefühls. Unter Konrad dem Roten, dem Wormser Gaugrafen, entschied das fränkische Kontingent am 10. August, dem Tag des heiligen Laurentius, auf dem Lechfeld die Schlacht für sich. Auch der siegreiche Graf verlor sein Leben. Letztlich ihm zu Ehren wurden in der Folge neue Kirchen dem heiligen Laurentius geweiht.
Das Bobenheimer Laurentius-Siegel avancierte 1928 sogar zum offiziellen Wappen, auf dem der Heilige nun deutlicher zu erkennen war. Seit der Zusammenlegung 1969 gilt aber das vorherige Roxheimer Wappen für beide Gemeindeteile. Begründet wurde das mit den dort für die Wormser Rheindörfer stehenden Kreuzchen. Sie beinhalten auch Bobenheim – samt Laurentius, der als Kirchenpatron übrigens Ende des 19. Jahrhunderts von Littersheim nach Bobenheim wechselte.