Rhein-Pfalz Kreis Mit Müllgirlande fing alles an
Zeitungsteile wehen über den Spielplatz in der Fontanestraße in Bobenheim-Roxheim, ein Trinkpäckchen hat sich im Gebüsch verfangen, eine Bäckertüte samt Brezel liegt auf der Anhöhe vor der Rutsche. Dass die Kinder der protestantischen Kita Regenbogen Jagd auf solche Hinterlassenschaften machen, ist Teil eines pädagogischen Projekts.
„Ich hab’ noch was gefunden!“, ruft die fünfjährige Elena und reckt begeistert ihre Müllzange in die Luft. Damit befördert sie ein altes Taschentuch in Richtung Mülltüte, die ihre Erzieherin Antje Bruckert bereithält. Was Eltern und Kindern sonst zornig macht, sorgt an diesem Tag für die jungen Nutzer der Kindertagesstätte für Begeisterung. Mit Bollerwagen, Warnwesten und Greifzangen ausgestattet ist eine Gruppe losgezogen, um den Spielplatz in der Nachbarschaft von Müll zu befreien. Die Aufräumaktion markiert das Ende eines fast einjährigen Projekts, das die Kinder und ihren Umgang mit Müll grundlegend verändert hat. Davon ist Antje Bruckert überzeugt, die ihr letztes Ausbildungsjahr in der Kita absolviert und das Projekt initiiert hat. Seit Monaten gibt es für die Kinder aus der Projektgruppe nur noch ein Thema. Sie vergraben unterschiedliche Müllsorten im Garten – Plastik, Papier, Obst- und Gemüsereste – und prüfen Monate später, was daraus geworden ist. Sie basteln aus vermeintlichem Abfall eine Kugelbahn, besuchen die Müllabfuhr in Frankenthal und sehen in einem Film, wie sehr Müll im Meer die Lebewesen bedroht. „Die Kinder waren so ergriffen, dass sie sofort einen Aufruf an die Eltern gestartet haben, an Geburtstagen keine Trinkpäckchen und Strohhalme mehr mitzugeben“, berichtet Bruckert. Im Alltag erleben die Eltern, dass ihr Nachwuchs viel sensibler auf Müll reagiert. „Wenn ich mit Leon einkaufen gehe, dürfen die Tomaten nicht mehr in eine Plastiktüte“, erzählt zum Beispiel Marina Zeller. „Es ist enorm wichtig, dass wir unser Konsumverhalten überdenken“, sagt Antje Bruckert. Die 25-Jährige hält es für wichtig, Kinder schon früh über das Müllproblem aufzuklären und ihnen zu zeigen, dass Ressourcen begrenzt sind und man sorgsam mit ihnen umgehen muss. Aufgebracht haben das Thema allerdings die Kinder selbst. Auf einem Wanderausflug im Spätsommer entdeckten zwei Jungs illegal abgeladenen Müll. Kurzentschlossen packten Bruckert und ihre Kolleginnen den Abfall ein, um ihn korrekt zu entsorgen. Zuvor bastelte Antje Bruckert daraus noch eine Girlande, die sie im Turnraum aufhing, und sprach mit Kindern darüber, was sie dort am Wegesrand gefunden haben und was das Problem daran ist. So fing alles an. Auf dem Spielplatz in der Fontanestraße ist der Müllsack inzwischen gut gefüllt, die Mission der Kinder erledigt. „Was macht ihr, wenn ihr jemanden seht, der Müll auf den Boden wirft?“, fragt Antje Bruckert zum Abschluss. „Wir zeigen ihm, wo der nächste Mülleimer ist“, erschallt es vielstimmig im Chor.