Dannstadt-Schauernheim / Mannheim
Messerattacke: Sertac Bilgin fordert konsequentes Abschieben
Sertac Bilgin und seine Frau waren am vergangenen Freitag in unmittelbarer Nähe, als sich auf dem Mannheimer Marktplatz unfassbare Szenen abspielten. Ein 25 Jahre alter Afghane, der als gut integriert galt, attackiert mit einem Messer mehrere Personen an einem Stand der islamkritischen Bürgerbewegung Pax Europa (BPE), verletzt unter anderem ein Vorstandsmitglied. Ein 29 Jahre alter Polizist will helfen. Auch ihn greift der Afghane an und tötet ihn.
„Wir waren vor dem Kaufhof am Paradeplatz. Meine Frau hat einen Schuss gehört und noch gemeint, ob wohl ein Ballon geplatzt sei“, berichtet Sertac Bilgin. Dann hätten die beiden Geschrei gehört. Innerhalb kurzer Zeit sei viel Polizei vor Ort gewesen. Er habe sich mit seiner Ehefrau auf den Heimweg gemacht. Zu Hause habe er in den Nachrichten gehört, was auf dem Marktplatz in Mannheim wirklich geschehen sei.
„Entsetzt und erschüttert“
Seine erste Reaktion beschreibt der Dialogbeauftragte der rheinland-pfälzischen CDU so: „Ich war entsetzt und erschüttert.“ Über die Sozialen Medien habe er das Video zu der Tat gesehen. „Ich war frustriert und traurig, dass sowas überhaupt bei uns passieren kann.“ Ja, in Großstädten wie Berlin, München oder Hamburg habe er sowas eher vermutet, bekennt er.
Als Konsequenz habe er alle Termine abgesagt. „Ich war mit meiner Familie am Esstisch gesessen. Meine Frau hat geweint, meine Tochter auch. Es hat mich ebenfalls bedrückt, dass meine Familie darunter dermaßen leidet“, sagt Bilgin. Er habe Tausende Nachrichten bekommen. Bilgin, selbst nach eigenem Bekunden gläubiger Muslim, berichtet von „fassungslosen Muslimen. Die Handlung des Mannes widerspricht komplett unserem Glauben.“
Frust über Tiktok-Imame
Als Dialogbeauftragter der Christdemokraten im Land ist der Dannstadt-Schauernheimer jetzt gefordert. Und er bezieht klar Stellung: Er fordert Landes- und Bundesregierung auf, endlich zu handeln, Menschen, die kein Bleiberecht haben oder sich strafbar gemacht haben, abzuschieben.
Und er appelliert an die Strafverfolgungsbehörden, sich genauer in den Sozialen Medien umzuschauen. „Ich bin frustriert über die Tiktok-Imame. Die haben teilweise noch nicht mal eine entsprechende Ausbildung, verbreiten aber dort ihre Parolen, heißen solche Aktionen wie in Mannheim gut. Auch wer das likt oder da applaudiert, sollte von der Justiz verfolgt werden“, meint er. „Wo soll das alles noch enden? Ein Unschuldiger hat sein Leben verloren. Da ist es mit schönen Worten nicht mehr getan. Wir müssen endlich handeln.“
„Klare Signale setzen“
Laut Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hält sich der Afghane rechtmäßig in Deutschland auf, hat einen gültigen Aufenthaltstitel. Doch Sertac Bilgin befeuert noch mal die Diskussion um Abschiebungen von Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus. „Die Leute lachen sich doch kaputt. Da muss man konsequent sein und nicht immer noch ein Auge zudrücken.“ Jetzt müssten klare Signale gesetzt werden. „Das sind wir dem Polizisten und der ganzen Blaulichtfamilie schuldig“, untermauert er seine Forderungen.
Im Visier hat er da vor allem auch diejenigen, die sich auf Demonstrationen für die Ausrufung von Kalifaten stark machen. Sie sollten „die eiserne Faust des Rechtsstaats zu spüren bekommen. Da dürfen wir nicht immer nur beobachten.“ Die Demokratie sei für die Gesellschaft in Deutschland das Wichtigste. Denjenigen, die diese offenbar ablehnten, müsse man klar machen, dass sie hier als Gast im Land seien. „Und wer sich nicht an unsere Rechtsordnung halten will, der muss eben gehen.“ Selbstverständlich dürfe man nicht alle über einen Kamm scheren. „Aber es gibt Menschen hier, die demonstrieren für das Kalifat, lehnen also die Rechtsform der Bundesrepublik ab. Gleichzeitig kassieren sie aber Sozialhilfe vom Staat. Das passt nun mal nicht zusammen.“
Seine Aufgabe als Dialogbeauftragter, also als Bindeglied zu den Muslimen im Land, sei nach der Messerattacke nicht schwieriger geworden, meint Sertac Bilgin. Die Vorsitzenden der muslimischen Dachverbände riefen bei ihm an und distanzierten sich vehement von dem Angriff auf den Polizisten. „Die suchen den Kontakt. Und sie trauern auch.“
Die Attacke des Afghanen habe auch die muslimische Gemeinschaft tief getroffen. „Millionen friedliebender Muslime leben in Deutschland und bringen sich in die Gesellschaft ein. Und dann kommt so eine Aktion. Die hilft nur denjenigen, die am rechten Rand des Politikspektrums sitzen.“
Klare Botschaft
Aber Sertac Bilgin sagt ganz klar: Die Zeit der schönen Rhetorik sei vorbei. „Wer abwartet und nichts tut, der ist eh falsch in der Politik. Es wurde lange genug weggeschaut.“ Seine klare Botschaft in Richtung Mainz: „Wenn die Landesregierung sagt, sie kann das nicht, dann soll sie beiseitetreten. Wir machen das.“
Während des Telefonats mit Sertac Bilgin laufen bei dem Dannstadter Dutzende weitere Nachrichten ein. Auch in diesen gehe es hauptsächlich um den Vorfall auf dem Mannheimer Marktplatz. „Ich versuche, jede zu beantworten“, sagt Bilgin. „Viele trauern. Und die Leute haben Angst, in eine bestimmte Schublade gesteckt zu werden.“