Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Maria Fackendahl wird 100: Fit im Kopf dank Kreuzworträtseln

Versorgt sich im hohen Alter noch selbst: Maria Fackendahl.
Versorgt sich im hohen Alter noch selbst: Maria Fackendahl.

Maria Fackendahl ist gern unter Leuten und verbringt viel Zeit mit ihrer Familie. Dass die Bewohnerin der Pro Seniore-Residenz in Mutterstadt am Samstag schon ihren 100. Geburtstag feiert, sieht man ihr nicht an. Zum Feiern zieht es die Seniorin in ihre alte Heimat.

„Für die Urenkel bin ich nur die Tick-Tack“, erzählt Maria Fackendahl und lacht. Ein Foto ihres jüngsten Urenkels Noah steht auf dem Couchtisch direkt vor ihr. Und sie ist froh, dass sie vor gut drei Jahren vom Niederrhein nach Mutterstadt gezogen ist, um in der Nähe ihrer Familie zu sein. Doch weil ihr Lebensmittelpunkt bis Oktober 2019 noch ihre Geburtsstadt Kempen gewesen ist, feiert sie ihren 100. Geburtstag heute in der alten Heimat.

Dort wurde Maria Fackendahl, die mit Mädchennamen Keltjens hieß, als jüngstes von drei Geschwistern geboren. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt, da er zehn Tage vor ihrer Geburt gestorben ist. Und auch ihre älteren Geschwister starben jung – ihre Schwester im Alter von neun Jahren, der Bruder fiel als 22-Jähriger im Zweiten Weltkrieg.

An die Zeit zwischen 1939 und 1945 kann sich Maria Fackendahl noch lebhaft erinnern. Auch in Kempen seien Bomben gefallen. „Wir haben viel im Keller gesessen“, sagt die 100-Jährige und fügt hinzu: „Wir hatten auch Tote.“ Noch vor Kriegsausbruch hatte sie eine Ausbildung zur Schererin begonnen und gelernt, Webgarne herzustellen. In diesem Beruf arbeitete sie bis zu ihrer Hochzeit im Jahr 1943.

Ihren späteren Mann kannte sie schon seit Kindertagen. „Er lag damals zusammen mit meinem Bruder im Krankenhaus“, erzählt Maria Fackendahl. Bis zum Krieg seien sie in Kontakt geblieben. Und als er schwer verwundet wiederkam, begegneten sie sich auf der Beerdigung eines Freundes wieder. 1943 wurde geheiratet. Das Paar, das eine Tochter und einen Sohn bekam, genoss vor allem die jährlichen Reisen ins österreichische Zillertal, das fast zur zweiten Heimat wurde. „Er wanderte gerne in den Bergen“, erinnert sich die Jubilarin an ihren Mann, der 1997 starb.

Drei Enkelkinder und drei Urenkel hat Maria Fackendahl, und vor allem der zweijährige Noah hält sie auf Trab. „Er zieht mich immer. Er weiß ja nicht, dass ich nicht schnell laufen kann“, sagt sie schmunzelnd. „Und er weiß genau, im Rollator habe ich immer ein Stückchen Schokolade für ihn.“ Regelmäßig nimmt ihr Enkel, der sie jeden Abend besucht, die Großmutter mit zur Familie.

Aber auch in der Residenz beteiligt sich Maria Fackendahl gerne am Gemeinschaftsleben. Sie fühlt sich wohl in ihrem Appartement, in dem sie sich noch selbst versorgt. Die 100-Jährige kocht gerne und achtet dabei auf eine gesunde Ernährung. „Es ist immer Gemüse dabei – und Kartoffeln“, berichtet sie. Auch sonst lebt sie gesund. „Ich habe nie mehr als mal einen Schluck Alkohol getrunken“, sagt die Seniorin. Und mit dem Rauchen habe sie schon vor rund 50 Jahren aufgehört. Vielleicht liegt das hohe Alter aber auch in den Genen, denn auch ihre Mutter wurde 95 Jahre alt.

Geistig hält sich Maria Fackendahl am liebsten mit Kreuzworträtseln fit. „So bleibt der Kopf in Bewegung“, ist sie überzeugt. Lediglich ihr Kurzzeitgedächtnis sei nicht immer das beste, bemängelt sie. Doch an ihre Kindheit, Jugend und die Zeit mit ihrem Mann erinnert sie sich gut und gerne. Und an die Freunde in Kempen, die zu ihrem Geburtstag kommen und diesen besonderen Tag mit ihr feiern wollen.

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