Rhein-Pfalz Kreis „Man muss noch weiter denken“

Placeholder-Image

Obrigheim. Der Fußweg führt über Euro-Paletten zum neuen Haus der Maurers. „Bei uns ist einiges noch recht provisorisch“, entschuldigt sich die Hausherrin. Das bebaute Grundstück haben sie erst vor zwei Jahren gekauft. „Anfangs hofften wir, dass wir aus dem alten Gemäuer unser neues Domizil würden bauen können. Aber dann wurde klar, dass ein Abriss notwendig ist“, erinnert sich Maurer daran, dass ein Neubau ursprünglich nicht geplant war. Improvisieren war angesagt. Das gilt auch für die von der Redaktion gewünschten „Fotos von ihrem Lebensweg“. „Von mir gibt es merkwürdigerweise gar nicht so viele Fotos. Kinderfotos schon gar nicht, wahrscheinlich weil sich mein größerer Bruder immer vorgedrängelt hat“, sagt die 45-Jährige schmunzelnd. Soll heißen: Als Mädchen oder Frau hat man’s doch nicht so leicht wie als Junge oder Mann. Auch wegen der Konzepte zum Thema „Frauen in Politik und Gesellschaft“ ist die Angestellte eines Frankenthaler Steuerberatungsbüros bei den Grünen gelandet. Ein Kinderfoto findet sich dann doch: von ihrer Einschulung im Haßloch. Dort ist sie groß geworden und hat ihren Realschulabschluss gemacht. Bereits mit 19 Jahren kam die großes Zäsur ihres Lebens: Sie lernte den damals in Kirchheim lebenden Klaus Maurer kennen. Das 24 Jahre alte Hochzeitsfoto präsentiert sie denn auch mit etwas trotzigem Stolz: „Damals haben viele, viele gezweifelt, ob das mit uns gut geht. Schließlich waren wir im Vergleich zu anderen Hochzeitspaaren noch sehr jung und auch erst seit drei Jahren zusammen.“ Es ist gut gegangen: Im nächsten Jahr feiern die beiden silberne Hochzeit. Dass Annette Maurer die erste Direktkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen für das Bürgermeisteramt einer Verbandsgemeinde in der Region ist, hat Ehemann Klaus mitzuverantworten. Von der politischen Gesinnung her zwar schon immer den Grundzügen der Grünen zugetan, wurde sie erst 2008 „richtiges“ Parteimitglied: auf Initiative ihres Mannes, der schon länger im Grünen-Kreisverband Leiningerland tätig war. Damals wohnten sie noch in Tiefenthal. „Unser Kreisverband umfasst aber schon immer die Ortschaften der nun neu entstehenden Verbandsgemeinde – plus die Stadt. Wir als Partei sind da der realen Politik mal wieder ein, zwei Schritte voraus gewesen“, sagt sie lachend. Für ihre Kandidatur selbst habe nicht ihr Mann, sondern der Grünen-Frontmann Pirmin Magez die entscheidende Rolle gespielt. Seine Anregung und der Zuspruch vieler Menschen aus ihrem Umfeld hätten sie dazu ermutigt, diesen Schritt zu tun. Auch wenn Maurer bislang „nur“ (seit 2004) im Kreistag politische Erfahrung in kommunalen Gremien gesammelt hat. Beim Blick auf das Foto von ihr und der 17-jährigen Tochter Sophie (und den Hunden Anton und Sandy) wird noch eine weitere Motivation deutlich. „Ich hatte auch das Gefühl, dass ich mich selbst mehr für die Umwelt und die Zukunft unserer Kinder engagieren sollte“, sagt die Kandidatin. Mit Projekten direkt vor Ort soll ehrenamtliches Engagement von möglichst vielen Bürgern gefördert werden. Und mit Blick auf ihre Tochter sinniert sie, dass „Sophie wohl einen ganzen Tag unterwegs wäre“, wenn sie mit dem derzeitigen Angebot im Personennahverkehr von ihrem neuen Wohnort Mühlheim zu Bekannten in ihrer alten Heimat Tiefenthal will. Mit dem einen Elektroauto und dem Bürgerbus habe die Verbandsgemeinde Grünstadt-Land zwar schon einiges erreicht, „aber da muss man noch weiter denken“, sagt Annette Maurer und meint damit zum Beispiel zusätzliche umweltfreundliche Bürgerbusse oder auch E-Bikes, die Einwohnern und Touristen zur Verfügung gestellt werden könnten. Nun sind zu ihren Freizeitaktivitäten – Leiterin von Wirbelsäulengymnastikkursen in Eisenberg, Gassigehen und Klavierspielen „für den Hausgebrauch“ – die Beschäftigung mit den Ortsgemeinden im Leiningerland hinzugekommen. Da nur in einer Ortsgemeinde eine Frau auf dem Chefsessel sitzt, sieht Maurer die Zeit gekommen, dass auf VG-Ebene eine Frau das Steuer übernimmt. Die Chancen, bei der Bürgermeisterwahl am 7. Mai bestehen zu können, beurteilt sie „als richtig gut – als einzig echte Alternative“. Termin RHEINPFALZ-Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten Reinhold Niederhöfer (SPD), Frank Rüttger (CDU), Uwe Martin (Einzelbewerber) und Annette Maurer (Grüne) am Dienstag, 4. April, ab 19 Uhr, in der Emichsburg in Bockenheim.

x