Rhein-Pfalz Kreis „Man bekommt Anerkennung“
«Bobenheim-Roxheim.»Seit 22 Jahren führt er den Landesverband Rheinland-Pfalz des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB), und Anfang Juni ist er in Speyer wiedergewählt worden. Oswald Fechner (65) widmet seine Freizeit gern dem 1888 gegründeten Wohlfahrtsverband, dessen Arbeitsfelder vom Rettungsdienst und Katastrophenschutz über Kranken- und Altenpflege bis zur Kinder- und Jugendhilfe reicht. Wir haben mit dem sozialdemokratischen Mitglied des Bobenheim-Roxheimer Gemeinderats darüber gesprochen.
Ich bin 1974 als Zivildienstleistender zum ASB Worms gekommen und habe zwei Jahre später mit der Vorstandsarbeit begonnen, zunächst mehr als 20 Jahre im Kreisverband, später im Landesverband. Deshalb habe ich eine starke Bindung an den ASB. Wir haben in dem kleinen Verband in Worms damals viele neue Dienste aufgebaut, zum Beispiel Essen auf Rädern oder Fahrdienste für Behinderte und Kinder. Es macht einfach Freude, sich Lösungen für einen erkannten Bedarf zu überlegen und sie umzusetzen. Man sammelt dadurch Erfahrungen in der Projektarbeit und bekommt auch jede Menge Anerkennung. Wenn die Betroffenen sagen, „das hilft uns wirklich“, dann ist das ein gutes Gefühl. Worin unterscheidet sich der ASB von anderen Wohlfahrtsverbänden wie Rotes Kreuz, Johanniter oder Caritas? Wie würden Sie das Profil beschreiben? Da gibt es natürlich die Wurzeln in der Arbeiterbewegung und der Sozialdemokratie, aber heute sind in unserem Landesvorstand auch Politiker anderer Parteien aktiv. Nur für die AfD werden wir uns, solange ich diese Funktion habe, nicht öffnen. Ich würde unser heutiges Profil so benennen: Wir packen Dinge zum Teil anders an, gehen Risiken ein, um Neues auszuprobieren. Zum Beispiel war der ASB ein Vorreiter beim Modell der Hausgemeinschaften in Pflegeheimen. Und im Moment testen wir in Mainz die fünfte Generation des Seniorenheims: das Wohnen mit eigener Haustür und Klingel, um so viel Individualität wie möglich bieten zu können. Ein weiteres Beispiel ist der vor einem Jahr eingeführte Wünschewagen, mit dem Menschen in ihrer letzten Lebensphase kostenlos der Wunsch erfüllt wird, noch mal an einen bestimmten Ort fahren zu können. Das Spezialfahrzeug hat 160.000 Euro gekostet und erfordert jährlich einen Aufwand von weit über 100.000 Euro. 40 eigens dafür ausgebildete Ehrenamtliche übernehmen auf den teils mehrtägigen Fahrten die Betreuung. Das finanzieren wir aus Spenden, aber wenn die nicht reichen, auch aus den Mitgliedsbeiträgen. Das machen andere Verbände eher nicht, da werden die Beiträge für den laufenden Geschäftsbetrieb verwendet. Welche Aufgaben und Herausforderungen sehen Sie auf den Arbeiter-Samariter-Bund beziehungsweise unsere Gesellschaft zukommen? Mittelfristig sehe ich den Fachkräftemangel in der Pflege als großes Problem, das habe ich kürzlich gegenüber der Landesregierung noch mal deutlich gemacht. Viele Heime haben noch freie Plätze, können die aber nicht belegen, weil Pflegekräfte fehlen. Der Beruf gilt als wenig attraktiv, und es ist auch nicht jeder in der Lage, diese Ausbildung zu machen. Die Durchfallquote ist relativ hoch. Wir vom ASB fragen deshalb, ob die Fachkräfte wirklich alle selbst die Pflege erbringen müssen, oder ob ihr Arbeitsschwerpunkt nicht auch die Pflegeplanung und -überwachung sein könnte. Auch sehen wir einen Bedarf bei der Entlastung von pflegenden Angehörigen. Es war der ASB, der deutschlandweit die erste Nachtpflege eröffnet hat. Für Menschen, die tagsüber ihre Angehörigen betreuen, aber nicht daran kaputt gehen dürfen, dass sie nachts keine Ruhe bekommen. | Interview: Waltraud Werdelis