Neuhofen / Limburgerhof RHEINPFALZ Plus Artikel Leute im Landkreis: Werner Häckel – ein Macher mit Künstlerblut

Ditscher, wohin man blickt: Im Esszimmer von Ulrike Menzel-Häckel und Werner Häckel hängen die Bilder von Otto Ditschers Eltern,
Ditscher, wohin man blickt: Im Esszimmer von Ulrike Menzel-Häckel und Werner Häckel hängen die Bilder von Otto Ditschers Eltern, dem Zigarrenmacher Daniel und seiner Frau Katharina.

Werner Häckel kennen viele als ehemaligen Inhaber mehrerer Küchenstudios. Tatsächlich besitzt er nicht nur Geschäftssinn, sondern auch Kreativität. Gestohlen hat er’s nicht – ist er doch ein Neffe des Neuhofener Kunstmalers und Bildhauers Otto Ditscher. Überhaupt waren und sind in der Familie auffallend viele künstlerisch begabte und schöpferische Menschen zu finden.

„Otto Ditscher und seine Frau Jo haben mich sehr geprägt“, berichtet Werner Häckel und zeigt ein Porträt in seinem Haus in Limburgerhof, auf dem Ditscher den damals etwa achtjährigen Werner verewigt hat. Bereits in diesem Alter zeigte Häckel literarische Ambitionen und schrieb Gedichte. Sein Traumberuf: Journalist. „In unserer Familie mit fünf Buben war es leider nicht möglich, Abitur zu machen; es war einfach zu kostspielig“, sagt Häckel, Jahrgang 1948. Doch der junge Mann hatte Ehrgeiz. Und Ideen.

Zunächst machte er eine Lehre als Schriftsetzer. Durch eine glückliche Fügung erhielt er einen Gasthörerplatz an einer Berliner Werbefachschule. Berlin! Schon immer aufregend für junge, kreative und aufgeweckte Menschen, saugte Häckel so viel Wissen wie möglich auf. Um Geld zu verdienen, arbeitete er als Filmkomparse und als Schriftsetzer. Nach anderthalb Jahren war Schluss: „Mein Vater verstarb, ich war der älteste Sohn, also musste ich zurück.“

Musisch begabter Vater

Werner Häckels Vater: Dieser entdeckte, als er nach dem Krieg heimkehrte, die Wirtstochter Ruth Weber im Gasthaus zum Karpfen (heute Medenheimer Stube) in Neuhofen. Sie spielte Klavier zur Unterhaltung der Gäste. Der junge Walter verliebte sich in sie, schrieb ihr ein Lied („Liebe kleine Ruth“), nahm sie zur Frau und bestritt den Lebensunterhalt für die Familie als Laborant. Doch auch in ihm pochte die kreative Ader: In seiner Freizeit sang er beim Orchester Otto Schwöbel aus Dannstadt, schrieb Liedtexte, die Schwöbel vertonte, und Theaterstücke, die in der ganzen Vorderpfalz zur Aufführung kamen.

Werner Häckel indessen hatte seine Pläne nicht begraben – vielmehr bewarb er sich als Werbeassistent bei der Bosch-Niederlassung in Mannheim und überzeugte trotz des fehlenden höheren Schulabschlusses durch Persönlichkeit, Eloquenz und den unbedingten Willen, den Job zu bekommen. Den bekam er, und die Ausbildung zum Werbeleiter obendrein – er durfte sie auf der Werbeakademie in München absolvieren.

In die Küchenbranche kam er eher unfreiwillig und zufällig durch seine erste Frau Christa. „Der Abschied von Bosch und meinen geliebten Aufgaben ist mir schwergefallen“, bekennt Häckel. „und Küchen vermessen oder verkaufen war damals nicht mein Ziel gewesen.“ Häckel war nun mal ein Vollblutwerber – also machte er das erste Küchenstudio, das er 1976 in Ludwigshafen übernahm, durch Kochabende bekannt. Frühes Eventmarketing gewissermaßen.

Letztlich erfüllen sich alle Wünsche

Der Erfolg gab ihm recht; mit der Zeit besaß er zwei Küchenstudios in Ludwigshafen sowie jeweils eins in Speyer und Mannheim. Als einer der großen Player in der Ludwigshafener Innenstadt, die damals von Fachgeschäften und Lebendigkeit geprägt war, wurde er Pressesprecher der Leistungsgemeinschaft Ludwigshafen. So kam es tatsächlich noch zu einer engen Zusammenarbeit mit der Presse und der Veröffentlichung eigener Artikel. Und „ganz nebenbei“ leitete er eine auf die Küchenbranche spezialisierte Werbeagentur in Pforzheim und fungierte als Gastdozent an Fachhochschulen.

Letztlich haben sich alle seine Wünsche in irgendeiner Form erfüllt. Rückschläge gab es allerdings auch. Die erste Ehe mit Christa, aus der eine seiner zwei erwachsenen Töchter stammt, ging in die Brüche, und auch das Küchengeschäft köchelte Anfang der 2000-er nur noch auf kleiner Flamme. Werner Häckel machte auch daraus eine Erfolgsgeschichte: Er verkaufte die Filialen, tat sich mit Michael Enders zusammen, der ein Rosenthal-Studio in den Mannheimer Planken betrieben hatte, und gemeinsam eröffneten sie in Häckels Mannheimer Küchenstudio in den C-Quadraten die „1. Mannheimer Kochschule“.

Über Monate ausgebucht

Das war 2002, und mit einem solchen Konzept waren sie die ersten in der Region. Sternekoch Willi Blass leitete die Kurse, und so erreichte das junge Unternehmen bald Kultstatus. „Wir haben dort so gut wie jeden Tag eine Veranstaltung, und in unserem „KochGut Pfalz“ in Friedelsheim, wo wir 2009 das ehemalige Weingut Bonnet übernommen haben, sind wir für die Wochenenden über Monate ausgebucht“, sagt Häckel stolz.

Momentan läuft natürlich hüben wie drüben gar nichts. „Durch die Solidarität unser Kunden und den staatlichen Hilfen bleiben wir wirtschaftlich stabil“, ist Werner Häckel optimistisch und freut sich auf die große „Küchenparty“ im November, „unser tollstes und größtes Event, bei dem acht Köche vor den Augen der 140 Gäste die gewünschten Speisen zubereiten.“ Die Partymusik dazu kommt von Häckels Neffen Timo Maneri, der die kreative Familientradition fortsetzt. Und immer wieder sorgt Werner Häckel mit ausgefallenen Kochworkshops dafür, dass in Mannheim und in Friedelsheim keine Langeweile aufkommt. Er kann es eben nicht lassen. So denkt er natürlich in keiner Weise ans Aufhören: „Irgendwann muss ich doch auch noch das Buch über die Familien Häckel und Weber von Neuhofen schreiben!“

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