Rhein-Pfalz Kreis
Leute im Landkreis: Ein Ire ist den Pfälzer Ahnen auf der Spur
Ein alter Assenheimer Balken hat einen Platz in einem irischen Museum. Er erinnert an die Heimat vieler Auswanderer. 40 ihrer Nachfahren besuchen 2020 die Pfalz. Austin Bovenizer von der „Irish Palatine Association“ hat sich in Assenheim um die Feinplanung gekümmert.
13.000 Pfälzer machten sich vor 309 Jahren auf, ihre Heimat in Richtung Amerika zu verlassen. Viele strandeten in England, da es an Transportmöglichkeiten mangelte. 821 Familien wurden in einem Aussiedlungsprojekt nach Irland geschickt und wurden dort sesshaft. Zumindest vorerst. Denn im Zuge der Auswandererwellen aus Irland verschlug es doch noch etliche der Nachkommen der ersten Pfälzer Irland-Siedler in englische Kolonien wie Australien, Kanada, Neuseeland oder die Vereinigten Staaten.
1989 wurde die „Irish Palatine Association“ gegründet. Sie bemüht sich, die Irisch-Pfälzische Kultur zu bewahren und eine gemeinsame Identität zwischen den „Irish Palatine“-Familien in aller Welt und der Pfalz herzustellen. So fanden bislang Treffen der „Irish Palatines“ nicht nur in der Pfalz, sondern auch in Kanada und den USA statt. In Irland gab es bereits drei große Treffen, darunter eines zur 300-jährigen Wiederkehr der Auswanderung im Jahr 2009. Auf der Insel gibt es in Rathkeale – etwa 30 Kilometer südwestlich von Limerick – auch ein eigenes Auswanderer-Museum, in dem sogar ein Original-Balken aus einem alten Assenheimer Haus seinen Platz gefunden hat.
Ein umfangreiches Programm ist geplant
Nun wird vom 5. bis 13. September 2020 die Pfalz wieder Treffpunkt der „Irish Palatines“ sein. Bereits 1994 und 2004 fanden Treffen in der Region statt. Die 40 Gäste werden von Limburgerhof aus in einem umfangreichen Programm viele Facetten der Pfalz, von Land, Leuten und Geschichte der Region kennenlernen. In vielen kleinen Orten wird es denn auch Fotostopps geben, damit die Gäste die Heimatdörfer ihrer Vorfahren bildlich festhalten können. Zum Beispiel in Undenheim (Landkreis Mainz-Bingen). Dort hat Austin Bovenizer, Vorsitzender der „Irish Palatine Association“, das Haus seiner Vorfahren gefunden. Außerdem stehen Assenheim, Heidelberg, Speyer, die Westpfalz und Neustadt auf dem Reiseprogramm, das zum Beispiel mit einem Besuch beim Winzer und dem Pfalzmarkt auch viele regionaltypische Elemente enthält.
„Viele von den Teilnehmern haben enge Bindungen an Landwirtschaft und interessieren sich daher besonders auch für die Landwirtschaft hier in der Pfalz“, sagt Bovenizer, der in einem kleinen Ort in der Nähe von Rathkeale lebt. Interessant sind natürlich auch die Dörfer, aus denen die Vorfahren einst ausgewandert sind und die Suche nach Häusern, in denen sie einmal gelebt haben. So sind Austin Bovenizer bei seinen inzwischen zahlreichen Besuchen in der Pfalz schon einige Parallelen zu seiner Heimat Irland aufgefallen, die zeigen, was die Pfälzer Auswanderer damals an Wissen, Technik, Gebräuchen und Pflanzen mitgenommen haben. Ein wesentlicher Unterschied fällt ihm auch immer wieder auf: „In Irland würde man keine Frauen auf den Feldern sehen.“
Typisch Pfälzer Essen ist Ehrensache
„Wir sind bei unseren Reisen immer auf die Hilfe vor Ort angewiesen“, sagt Austin Bovenizer und freut sich, mit Doris Spychalski eine Bekannte in Assenheim zu haben, die ihn nach Kräften unterstützt und bei der Vortour alle wesentlichen Stationen mit ihm abfährt. Ebenso seien Roland Paul, der frühere Direktor des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde, und die Abteilungsleiterin Pfälzische Volkskunde und stellvertretende Direktorin, Barbara Schuttpelz, bei der Planung beratend tätig und eine große Hilfe. „Wir brauchen einfach Leute vor Ort, die sich in der Geografie auskennen und Ideen für interessante Orte haben.“
Paul und Schuttpelz werden sich auch während der Reise an verschiedenen Stellen einbringen. „Das ist aber gerade noch genau in Planung“, sagt Doris Spychalski. So habe Roland Paul den eng getakteten Zeitplan entzerrt und noch viele nützliche Tipps gegeben, und er wird die Gäste auch bei ihrem Besuch in der Westpfalz bei sich typisch pfälzisch bewirten.