Schifferstadt
Leute im Landkreis: Diana Raff backt süße Glücklichmacher
Die kleine rosa Praline schmeckt nach Sommer. Süße weiße Schokolade mit einer Füllung aus fruchtiger Himbeercreme. Einfach auf der Zunge zergehen lassen, rät Diana Raff. „Nicht schlingen. Ich möchte, dass man das genießt.“ Deshalb sind ihre Pralinen ein wenig kleiner als die meisten handelsüblichen. Zwei Zentimeter Umfang haben zum Beispiel die Kugeln, die mit Kokos, Passionsfrucht oder Haselnuss gefüllt sein können. Aber es geht auch außergewöhnlicher: „Ich liebe weiße Schokotrüffel mit einer Creme mit grünem Pfeffer und Amarena-Kirschen.“
Die 38-jährige Schifferstadterin ist Konditormeisterin und Patissière. „Ich habe schon als Kind viel mit meiner Mutter gebacken“, erzählt sie. „Und damals habe ich schon gesagt, dass ich Konditorin werden will.“ Gelernt hat sie bei Heinz Kuhn in Schifferstadt – „dem besten Ausbilder der Welt“, sagt sie. Das Bäckerhandwerk hat sie sich von Manfred Kästel in Speyer beibringen lassen.
Besondere Techniken in London gelernt
Doch die Pfalz allein war ihr bei aller Heimatliebe nicht genug. „Eigentlich wollte ich immer in die USA“, erzählt Diana Raff. Aber 2004 wurde es dann für fast zwei Jahre Großbritannien. „Meine Eltern haben mich mit dem Wohnmobil hingefahren“, erinnert sie sich. Anfangs sei sie alles andere als begeistert gewesen, aber als sie aus ihrem winzigen Appartement in eine Mädels-WG gezogen war, blieb sie länger in London als geplant. „Die Techniken dort sind besonders“, erzählt Diana Raff. „Ich habe von dort auch meine verrückten Tortenideen.“ Und mit denen im Kopf ging’s zurück nach Deutschland – in eine oberbayerische Patisserie. Es folgten die Konditormeisterprüfung – und der erste Kontakt mit professionellen Desserts.
Eigentlich wollte Diana Raff schon damals, Ende 2008, zurück in die Pfalz. „Aber hier haben sie mir gesagt, dass ich als Konditorin keine Patissière sein kann.“ Sprich: Buttercreme-Torten und mit Sahne-Nougat oder fruchtiger Himbeercreme gefüllte Pralinen gehen nicht zusammen. Die junge Frau entschied sich gegen die Heimat. Und für einen Job bei Do&Co in der BMW-Welt in München. „Ich habe als Demi-Patissière angefangen und mich schnell hochgearbeitet zur Chef-Patissière.“ Und in den Urlauben ging es mit zur Formel 1. In Bahrain, Silverstone und Hockenheim hat sie auch die Fahrer mit Gebäck und Desserts versorgt. „Das war supertoll, sonst wäre ich nicht so oft mitgefahren.“
Alles auf eine Karte gesetzt
Ihre Arbeit, sagt sie, sei ein „Knochenjob“ – vor allem während der Zeit in München. „Man muss den Beruf mögen. Man hat keinen Acht-Stunden-Tag. Man muss dahinterstehen oder es sein lassen.“ Und Diana Raff steht dahinter. „Ich kann mir keine schönere Arbeit vorstellen“, sagt sie. „Der Job macht mich glücklich.“
Aber zum Glück gehört für sie auch die Heimat dazu. 2012 kam sie zurück in die Pfalz – machte Station im Weinhaus Henninger in Kallstadt und im Deidesheimer Hof. Und nach drei Jahren auf der Burg Reichenstein in Trechtingshausen im Mittelrheintal – „ich konnte nicht widerstehen, auf einer Burg zu arbeiten“ – ging es zurück ins Elternhaus.
Der Traum: ein eigenes Café
„Ich habe mir immer gesagt, dass ich mal mein eigenes Ding machen werde und dann habe ich alles auf eine Karte gesetzt. Ich bin dankbar, dass meine Eltern und meine Geschwister hinter mir stehen, sonst würde das nicht gehen“, erzählt die 38-Jährige. Ihr Traum: ein eigenes Café. „Das muss unbedingt in Schifferstadt sein, das habe ich schon immer gesagt.“ Und nun rückt die Erfüllung immer mehr in die Nähe. „Ich habe schon was im Auge“, erzählt sie.
Bis klar ist, wo „Raffiniert“ – so soll die Konditorei und Patisserie heißen – ihren Standort haben wird, verkauft Diana Raff ihre Kuchen und Pralinen wochenends von 12.30 bis 17 Uhr im Schifferstadter Vogelpark. Dort gibt es eine große Küche aus Edelstahl, in der sie ungestört backen kann. Von der hat sie durch ihre Schwester erfahren, die im Park ehrenamtlich hilft. Beim Vereinsvorsitzenden Peter Tiesler sei sie glücklicherweise auf offene Ohren gestoßen und die Abnahme durch das Gesundheitsamt sei auch kein Problem gewesen.
Rezepte müssen sie überzeugen
Angefangen hat sie dort mit drei Kuchen. Doch die reichen längst nicht mehr aus. „Ich bin bei 30 – und es könnten noch mehr sein. Oft bin ich um 15 Uhr ausverkauft.“ Was angeboten wird, macht die 38-Jährige mit Unterstützung von ihrer Mutter und Schwester selbst. Von den Torten über die Pralinen bis hin zur Verzierung. „Die Kuchenstücke müssen perfekt aussehen“, sagt sie. Ästhetik sei ihr sehr wichtig. Deshalb haben ihre Torten einen Durchmesser von 22 Zentimetern statt den üblichen 26 oder 28 Zentimetern. „Das ist filigraner. Ich finde die großen zu plump.“
Sie ist begeistert, wie gut ihre kunstvoll verzierten Kreationen angenommen werden: die Vollmilch-Buttercreme-Torte mit Marzipan, Granola und karamellisierten Walnüssen zum Beispiel, oder die Grand-Marnier-Röllchen. „Ich verwende nur Rezepte, hinter denen ich auch stehe. Sie müssen mich überzeugen, ich bin sehr selbstkritisch.“ Aber auch etwas verrückt und experimentierfreudig, wie Sauerampfer- und Olivenöl-Mousse- oder die Passionsfrucht-Buttercreme-Torte mit Curry und karamellisierter Ananas zeigen. Aber die 38-Jährige mag auch Klassiker: Frankfurter Kranz, Hefezopf, Käsekuchen nach dem Rezept ihrer Mutter und Marmorkuchen-Igelchen für die kleinen Gäste. „Und ohne Granatsplitter traue ich mich nicht mehr in den Vogelpark“, sagt sie und lacht. In kurzer Zeit hat sie Stammkunden gefunden, die sie auch ermutigen weiterzumachen. „Keiner lässt mich im Regen stehen, sie kommen bei Wind und Wetter“, erzählt Diana Raff. „Und wenn ich sehe, dass die Leute zufrieden sind, ist das für mich wie Urlaub.“