Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Leute im Landkreis: Benjamin Rader sucht Spuren der Vorfahren

Ben Rader im Museum in Mutterstadt an der Liste der Auswanderer, in der auch sein Vorfahr Johann Adam Röder aufgelistet ist.
Ben Rader im Museum in Mutterstadt an der Liste der Auswanderer, in der auch sein Vorfahr Johann Adam Röder aufgelistet ist. Foto: acl

Benjamin Rader ist auf Spurensuche. Fast 300 Jahre nachdem seine Vorfahren nach Pennsylvania ausgewandert sind, ist er nach Deutschland geflogen und in der Pfalz unterwegs. Mutterstadt spielt dabei eine besondere Rolle. Benjamin Rader guckt sich aber nicht nur um. Der 35-Jährige hat selbst etwas zum Anschauen mitgebracht. Und etwas zum Zuhören.

Es war das Jahr 1724, in dem Johann Adam Röder aus Mutterstadt über die Niederlande und England nach Montgomery/Pennsylvania auswanderte. Fast 300 Jahre später begibt sich sein Nachfahre Benjamin Rader, der Ben genannt wird, auf Spurensuche. Er kommt aus dem Ort Reeders. In alten Dokumenten seiner Familie war er dort auf deren Ursprungsort Mutterstadt gekommen, wo er bereits bei einem ersten Besuch 2015 im Museum im Alten Rathaus auf der Auswandererliste den Namen seines Vorfahren fand.

Dieses Mal ist Ben Rader auf Einladung des Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreises und der pennsylvanischen Zeitung „Hiwwe wie Driwwe“ in die Pfalz gekommen. Neben vier Auftritten bei der „Hiwwe wie Driwwe Palatinate Tour“ in Nieder-Olm, Oberlaben, Bockenheim und Worms steht natürlich auch wieder ein Besuch in Mutterstadt auf den Spuren seiner Vorfahren auf dem Programm. Der Gast wird von Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) persönlich empfangen.

Sprache der Ahnen richtig gelernt

Auftritte? Ja, Ben Rader macht Musik. Er malt. Und er spricht die „Sproch“ seiner Vorfahren. Durch seine Großeltern ist er schon als Kind immer wieder mit pennsylvaniadeutschen Sprachelementen in Berührung gekommen, hat sie als normale Umgangssprache wahrgenommen. Als er dann in die Schule kam, wurde ihm zunehmend die Besonderheit dieser Sprache bewusst, die in Pennsylvania noch von den Nachkommen der aus dem „Alde Land“ eingewanderten Pfälzer gesprochen wird. Mit etwa 16 wollte Ben Rader unbedingt die Sprache seiner Vorfahren richtig lernen. Außerdem begann er, Sprache und Kultur „Pennsylforniens“ in einem eigenen künstlerischen Stil auszudrücken. Seine Bilder zeigen traditionelle Symbole der Pennsylvaniadeutschen, das sind zum Beispiel Scheunensterne, aber auch Natur- und bäuerliche Motive. „Die Menschen sehen die Motive und kommen darüber ins Gespräch“, sagt der 35-Jährige. „Das bietet die Möglichkeit Sprache, Kunst und Kultur der Pennsylvaniadeutschen weiterzuvermitteln.“

Bei den Auftritten in der Pfalz präsentiert sich Ben Rader nicht nur mit seinen Bildern im Stil der Heimatkunst, sondern auch mit seiner Musik. Er schreibt Lieder, spielt Bass und Gitarre und singt, natürlich in der „Sproch“ seiner Vorfahren. „Die Einladung von Michael Werner von ,Hiwwe und Driwwe‘ zu diesen Veranstaltungen war der Anlass wieder mehr Musik zu machen“, sagt Ben Rader. „Irgendwann musste ich mich entscheiden, ob ich Musik mache oder male, und da ich mit Malen Geld verdienen konnte, habe ich mich dafür entschieden.“ Darüber hinaus arbeitet Ben Rader in einem Familienbetrieb, der in den Pocono Bergen ein Resort mit rund 40 Blockhäusern betreibt.

Aus der Stadt zurück in die Natur

Gemalt wird nachts, wenn Ehefrau Sonja und die beiden Söhne Wolfgang und Hendrik schlafen gegangen sind, in der Werkstatt des Familienbetriebs. „Da lehne ich die Bilder an ein Fenster und male“, erzählt Ben Rader. So entstehen zwischen fünf und zwölf Bilder pro Jahr. Gemalt hat er schon als Kind mit seiner Großmutter, die selbst Künstlerin war.

Bevor er in den Familienbetrieb einstieg, hat Ben Rader zwei Jahre in New York gelebt und dort in Kunstgalerien gearbeitet. „Aber die Stadt war nichts für mich, ich sehnte mich nach Wald und Natur.“ Während einer „Auszeit“ in Deutschland 2010/11, die er in Freiburg am Goethe-Institut verbrachte, lernte er dann auch seine Ehefrau Sonja kennen, die aus dem Schwäbischen stammt.

Im Gegensatz zu ihm hatten seine beiden jüngeren Schwestern und sein älterer Bruder kein Interesse an der Sprache und Kultur ihrer Vorfahren. Dabei sei Sprache einer der Hauptkulturträger. So wünscht sich Ben Rader, dass seine beiden Söhne auch die Sprache ihrer Vorfahren sprechen und sich deren Kultur aneignen. „Aber sie müssen es selbst wollen.“

Termine

  • Ben Rader, Pennsylvanisch-Deitsche Musik und Volkskunst, Samstag, 19. Oktober, ab 14 Uhr beim Mundartwettbewerb Bockenheim sowie Sonntag, 20. Oktober, beim 14. Deutsch-Pennsylvanischen Tag, ab 14 Uhr in Worms, Lincoln-Theater, Obermarkt 10.
  • Im Kino wird derzeit noch der Dokumentarfilm „Hiwwe wie Driwwe“ von Benjamin Wagener und Christian Schega gezeigt, etwa am Sonntagabend um 19.30 Uhr im Rex-Kino-Center, Zeppelinstraße 6, in Schifferstadt.

Zur Sache: Pennsylvania Dutch

Pennsylvania Dutch, Pennsylvaniadeutsch, ist eine auf pfälzisch/kurpfälzischen Dialekten aufbauende Sprachvariante der deutschen Sprache in Nordamerika. Sie wird heute noch von zirka 350.000 bis 400.000 Nachfahren der Pennsylvaniadeutschen, Einwanderern aus der Pfalz nach Pennsylvania, gesprochen. Gepflegt wird die Sprache hauptsächlich noch in Pennsylvania, Ohio, Indiana und New York, vor allem von den Amischen und Mennoniten. 2003 wurde in Ober-Olm in Rheinhessen der Deutsch-Pennsylvanische Arbeitskreis gegründet, der den sprachlich-kulturellen Austausch zwischen deutschem und pennsylvaniadeutschem Sprachraum fördert.

Gruppenbild mit Bürgermeister (von rechts nach links): Hans-Dieter Schneider, Sonja Rader, Ben Rader mit Sohn Hendrik auf dem Ar
Gruppenbild mit Bürgermeister (von rechts nach links): Hans-Dieter Schneider, Sonja Rader, Ben Rader mit Sohn Hendrik auf dem Arm, Wolfgang Rader, Schwägerin und Schwiegereltern von Ben Rader sowie Gunther Holzwarth von der Gemeinderverwaltung. Foto: acl
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