Mutterstadt
Lesesommer-Tipp: Rotkäppchen ist erwachsen
Die Leseliebe von Charlotte Fuß begann in den ersten beiden Grundschuljahren. Beim Lesenlernen wollte sie schnell weiterkommen, und seit sie es beherrscht, nutzt sie jede Gelegenheit dazu. „Charlotte kommt bereits mit Buch zum Frühstückstisch“, erzählt ihre Mutter Juliane lächelnd. Dann hat sie natürlich in der Schule immer ein Bankbuch dabei, das sie unter der Bank hervorholen darf, sobald sie mit ihren Aufgaben fertig ist. „Die mache ich schnell, weil ich lesen will“, beschreibt die Zehnjährige ihre Taktik. Dann gibt es „Ausruhzeiten“, in denen sie ihrer kleinen Schwester Matilda (6) auch mal etwas vorliest, und abends ein festes Ritual: Lesen vor dem Schlafengehen. Wie lange sie dann noch schmökert, weiß sie nicht so genau, denn beim Lesen vergisst sie schon einmal die Zeit.
1020 Seiten in fünf Tagen
Die Zehnjährige liest nicht nur viel – um die 400 Bücher seien es schon gewesen – sondern auch flott. „Eine Seite schaffe ich in 30 Sekunden“, sagt sie, in fünf Tagen bringt sie es locker auf 1020 Seiten. Ihr Opa Heinz, der um die Leseleidenschaft seiner Enkelin weiß und mit dem sie gelegentlich um die Wette liest, hat ihr vergangenes Jahr „Die Suche nach dem Wunschzauber“, den ersten Band aus der Serie „Land of Stories“ (Das magische Land) von Chris Colfer aus der Ludwigshafener Stadtbücherei mitgebracht. Den hat sie verschlungen. Am Ende angelangt, war ihr klar: „Ich brauche sofort ein neues Buch.“ Mittlerweile ist die Viertklässlerin der Mutterstadter Pestalozzischule mit dem sechsten und letzten Band „Der Kampf der Welten“ durch und gibt eine klare Empfehlung: Spannend, märchen- und zauberhaft sei die Reihe. „Man kann darin versinken“, sagt sie.
Toll findet sie, dass Charaktere vorkommen, die man kennt, wie Rotkäppchen, Cinderella, Jack (Hans) und die Bohnenranke, Schneewittchen, Goldlöckchen oder Peter Pan. Nur hätten sie sich eben verändert. Rotkäppchen sei erwachsen geworden, Cinderella habe einen Mann und Goldlöckchen ein Baby bekommen. Diese Märchenhelden erleben mit den Protagonisten Alex und Connor Bailey aufregende Abenteuer, nachdem die beiden von ihrer Großmutter ein Buch geschenkt bekommen haben, auf das ein spezielles Elixier geträufelt wurde und das somit zum Portal für ein magisches Reich wird. „Sie sind reingefallen ins Buch“, sagt Charlotte über die Zwillinge, die nun erfahren müssen, dass es nicht nur gute Feen gibt, sondern auch ein böses Wolfsrudel und eine noch viel bösere Königin.
Im letzten Band dann das große Finale. Connor, den Charlotte als jemanden charakterisiert, der die Schule für den besten Platz für ein Nickerchen hält, muss mit seinen Freuden durch die „Anderswelt“ reisen, um seine entführte und mit einem Fluch belegte Schwester Alex, die eher der Typ Streberin sei, zu suchen. Mit den Feinden, die auch die Märchenwelt verlassen haben, kommt es in New York zu einem erbitterten Kampf um die Herrschaft aller Welten. Wie es ausgeht, will Charlotte selbstverständlich nicht verraten.
Immer zuerst das Buch
Von Magie ist sie fasziniert. Klasse fände sie, wenn es sie wirklich gäbe. Für den Alltag ohne Magie hat sie ein Rezept: „Als Trostpreis lese ich“, sagt sie und lacht. Dabei experimentiert sie auch mal gerne. Einband und Klappentext sind Entscheidungskriterien für die Buchwahl. Besonders gefallen hat ihr auch die Jugendbuch-Reihe „Alea Aquarius“ von Tanya Stewner, deren zentrales Thema die Zerstörung und Verschmutzung der Ozeane durch den Menschen ist. Die magische Harry-Potter-Welt kennt sie aus Buch (von Autorin J.K. Rowling) und Film. Sie rät aber jedem, immer erst einmal das entsprechende Buch zu lesen. „Wenn Magie nachgemacht wird, geht manchmal etwas dabei verloren“, sagt sie.
Für den Sommer braucht sie unbedingt einen Lesevorrat, so fünf bis sechs Bücher sollten es schon sein. Die nimmt sie direkt in der Mutterstadter Gemeindebücherei mit. „Wenn ich eh schon einmal hier bin“, sagt Charlotte und verschwindet zwischen den Regalen.
Lesezeichen
Buchreihe „Land of Stories“ (Das magische Land) von Chris Colfer, Band 1 bis 6, erschienen im Fischer-Verlag, Lesealter: acht bis zwölf Jahre, Band 1, „Die Suche nach dem Wunschzauber“, ist in der Gemeindebibliothek Mutterstadt vorrätig.