Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Leiningerland: Mit dem Fahrrad durch die Eckbachdörfer

Auf dem Eckbach-Mühlenwanderweg zwischen Bissersheim und Großkarlbach steht dieses schöne Gemäuer.  Foto: Werdelis
Auf dem Eckbach-Mühlenwanderweg zwischen Bissersheim und Großkarlbach steht dieses schöne Gemäuer.

Die zweite Tour unserer kleinen Serie übers Fahrradfahren im Frankenthaler Umland führt in die südöstliche Ecke des Leiningerlandes. Auf zwei Rädern gibt es ganz neue Eindrücke von der Region. Viele Angebote locken am Wegesrand . Zumeist geht es am Eckbach entlang – von Kirchheim über Großkarlbach, nach Laumersheim und Dirmstein. Und dort kommt’s leider anders als geplant.

Das südöstliche Eck des Leiningerlandes will ich beradeln, denn dort liegen vier Dörfer eng beisammen. Mit dem Zug geht es an einem schönen Sommervormittag nach Kirchheim, und auf der Landstraße – schnell, schnell – ins kleine Bissersheim, denn dort kann ich beim Weingut Mussler auf den in Hertlingshausen beginnenden Eckbach-Mühlenwanderweg einsteigen.

Dass ich bald schon auf Großkarlbacher Gemarkung bin, merke ich an einer hohen Sandsteinmauer, hinter der sich ein Streuobstgarten befindet. Das scheinbar unendlich lange Grundstück gehört zur Mühle am Weiher. Deren Eingang befindet sich in der Kändelgasse, das heißt, ich komme gleich im Herzen von Großkarlbach raus: an der Alten Dorfmühle, die Museum, Gemeindesälchen und an diesem Tag Kulisse für das Dorffest am Eckbach ist.

Der Platz ist gut gefüllt mit Großkarlbachern, deren Küche an diesem Sonntagmittag kalt bleibt. Rindfleisch mit Meerrettich und Saumagenburger: Wer kann dazu schon Nein sagen? Und wo kann man einkehren, wenn kein Dorffest ist? In dem Sieben-Mühlen-Dorf mit Gastronomie von Vinothek über Café, Vereinsgaststätte bis Restaurant der gehobenen Küche dürfte das kein Problem sein.

Von Großkarlbach bis Laumersheim ist es nur ein Katzensprung

In der Hauptstraße macht mich ein geöffneter malerischer Hof neugierig. Palatina Werkstatt heißt das historische Anwesen, in dem (auch am Wochenende) Gartenkeramik, Kunsthandwerk und Aufschnittmaschinen für Profis verkauft werden. Die großen Amphoren sehen toll aus, aber mit dem Fahrrad … Ich muss ein andermal wiederkommen.

Jetzt geht’s nach Laumersheim, und zwar auf dem Weg neben der L 455, vorbei an jenem Regenrückhaltebecken nahe der Autobahn, aus dem immer mal wieder Brombeerhecken durch den Zaun wachsen und die Spaziergänger und Radfahrer behindern. Die RHEINPFALZ hat darüber berichtet. Diesmal ist der Weg zum Glück dornenfrei.

Nach dem Weingut Philipp Kuhn biege ich rechts ab in den Ortskern. Ich möchte mir die neu gestaltete Hauptstraße anschauen. Sie ist schön geworden, und der Abschnitt zwischen evangelischer Kirche und Weingut Knipser wirkt viel freundlicher – aber trotzdem wie ausgestorben. Nein, stimmt nicht, durch das gekippte Fenster des Lokals Zum weißen Lamm hört man Stimmen. Hier hätte ich auch einkehren können. Auf der Speisekarte steht zum Beispiel Kaninchenbraten mit gefüllten Couscous-Auberginen.

Zu den Sehenswürdigkeiten gehören Sonnenblumen und Zwetschgenbäume

Niemand beachtet mich, als ich mit offenem Mund das Haus an der Ecke Haupt-/Mühlstraße anstarre, das auf Geheiß der Denkmalschützer längst einen zurückhaltenderen Anstrich haben müsste, jedoch immer noch in grellem Dunkelpink leuchtet. Tage darauf erfahre ich von der Kreisverwaltung, dass die Eigentümerin eine Fristverlängerung bekommen hat, weil sie während des Hauptstraßenausbaus kein Gerüst stellen konnte.

Dem Wasserschloss ein paar Meter weiter täte mehr als ein neuer Anstrich gut, doch so genau kann man das gar nicht erkennen, denn die Fassade ist komplett zugewachsen. Wer wissen will, wie der ehemalige Sitz der Herren von Flörsheim vor der feindlichen Übernahme durch zwei Bäume ausgesehen hat, guckt sich am besten die touristische Infotafel vor dem Schloss an. Sie erzählt von diesem und weiteren historischen Gebäuden in Laumersheim.

Ich beschließe spontan, den Ort auf seiner östlichen Seite auf Feldwegen zu umrunden, erfreue mich an Sonnenblumen und Zwetschgenplantagen, bis mir der von den Wegen aufgezwungene Zickzackkurs Sorgen macht. Ein freundlicher Hundehalter erklärt mir, wie ich auf einen besseren Weg nach Dirmstein komme, nämlich – wen wundert’s? – auf den Eckbach-Mühlenweg. Laumersheimer Bürger haben 2015 am Ende der Goethestraße einen Steg über den Bach gebaut und damit eine Lücke in dem Wanderweg geschlossen.

Bei der Weinrast am Pavillon in Dirmstein schlägt das Wetter um

In Dirmstein, wo der 23 Kilometer lange Eckbachweg an der Spormühle endet, steuere ich den Schlossplatz an, wo Sonntagnachmittags am Pavillon eine „Weinrast“ angeboten wird. Diesmal hat der Tennisclub Ausschankdienst. Viele Gäste sind nicht da, denn der von meiner Wetter-App angekündigte Regen hat – ich wollte es einfach nicht glauben – tatsächlich eingesetzt. Weil ich nicht aus Zucker bin, setze ich mich mit einer kleinen Weinschorle unters Rebendach der Pergola. Doch am Tresen schüttelt so mancher den Kopf beim Blick auf seine App, und, tja, dann kriege auch ich die entsprechende Katwarn-Meldung auf mein Handy.

Das freundliche Ausschankpersonal beruhigt mich: „Wir haben hier das Hotel Kempf.“ Nettes Angebot, aber übernachten möchte ich nun doch nicht auf dieser Radtour. Ich fühle, dass sich das Gewitter in eine andere Richtung verzieht und steige trotz Regens aufs Rad, um in der Seniorenresidenz in der Gerolsheimer Straße Asyl zu beantragen. Die Heimleitung hat mir kürzlich versichert, dass Gäste in der Cafeteria willkommen sind. Tatsächlich: Niemand guckt mich schief an, als ich mir dort am Automaten einen Kaffee kaufe und mit den Heimbewohnern plaudere.

Mittlerweile regnet es stark, und der Himmel versichert mir: Das wird heute nichts mehr mit Sonnenschein. Deswegen beschließe ich schweren Herzens, das Dorf Gerolsheim nur noch zu streifen und auf der K 24 hinunter nach Lambsheim zu sausen, um die Veranstalter der Weintage am Türmchen wegen des Wetters zu bedauern und nach einem Imbiss in den Zug nach Hause zu steigen. Ich bin pitschnass, aber zufrieden mit meinem etwa sechsstündigen Ausflug. Ich habe das gute Gefühl, die Region auf dem Fahrradsattel noch mal ganz anders wahrgenommen zu haben.

Saumagenburger auf dem Großkarlbacher Dorffest: Wer kann dazu schon Nein sagen? Foto: BOLTE
Saumagenburger auf dem Großkarlbacher Dorffest: Wer kann dazu schon Nein sagen?
Am Rand von Laumersheim erfreut ein Feld mit Sonnenblumen das Auge.  Foto: Werdelis
Am Rand von Laumersheim erfreut ein Feld mit Sonnenblumen das Auge.
Entlang des Eckbachs Richtung Dirmstein verheißen dunkle Wolken nichts Gutes für Radler. Foto: Werdelis
Entlang des Eckbachs Richtung Dirmstein verheißen dunkle Wolken nichts Gutes für Radler.
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