Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Leiningerland: Deutsche Glasfaser will Breitbandausbau schon im März beginnen

 In wenigen Wochen soll in der östlichen Hälfte der Verbandsgemeinde der Bau des Glasfasernetzes beginnen.
In wenigen Wochen soll in der östlichen Hälfte der Verbandsgemeinde der Bau des Glasfasernetzes beginnen.

Im November noch hieß es, man könne erst 2021 beginnen, jetzt soll es plötzlich in Rekordgeschwindigkeit passieren. Das Unternehmen Deutsche Glasfaser hat am Freitagvormittag verkündet, schon im nächsten Monat mit dem Breitbandausbau im Leiningerland zu beginnen. Und zwar in zehn statt der bislang ausgewählten sechs Ortsgemeinden.

Jahrelang hatten viele Kommunen in der Pfalz kaum eine Chance, dass Ortsgebiete mit geringen Bandbreiten und Kupferkabel auf der sogenannten letzten Meile schnelles Internet bekommen. „Lohnt sich nicht“ hieß es meistens, wenn Bürgermeister bei Netzbetreibern vorstellig wurden. In den vergangenen zwei Jahren hat sich das geändert, auch weil Bund, Länder und Kommunen Geld in die Hand genommen haben, um die Branche zum Netzausbau zu animieren.

Die Verbandsgemeinde Leiningerland gibt nach Angaben ihres Bürgermeisters Frank Rüttger (CDU) 1,5 Millionen Euro für das Projekt „Kreiscluster“ mit dem Partner Inexio aus, bei dem Internetanschlüsse mit Datenübertragungsraten von unter 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) auf den aktuellsten Stand der Technik gebracht werden. Das sei viel Geld für relativ wenige Nutzer, sagte Rüttger am Freitag im Dirmsteiner Rathaus, wo Mirko Tanjsek von Deutsche Glasfaser verkündete: Außer Bissersheim, Dirmstein, Gerolsheim, Großkarlbach, Kirchheim und Laumersheim sind in einer zweiten Bauphase nun auch Obersülzen, Obrigheim, Bockenheim und Kindenheim für einen Glasfaserausbau bis hinein in die Wohnungen vorgesehen – mit Bandbreiten von 300 bis 1000 Mbit/s und komplett ohne öffentliche Zuschüsse.

Firma verzichtet auf Quote

Die eigentliche Sensation ist aber: Das Unternehmen weicht laut Tanjsek erstmals von seiner Vorgabe ab, dass mindestens 40 Prozent der anschlussfähigen Haushalte und Firmen einen Vorvertrag mit Deutsche Glasfaser abschließen müssen, bevor der Ausbau beginnen kann. Es im Leiningerland ohne die übliche Nachfragebündelung zu probieren, sei „ein Pilotprojekt“, sagte der Diplom-Betriebswirt vor den Vertretern der VG und der betreffenden Ortsgemeinden.

Richtig in die Karten gucken ließ er sich nicht, aber man darf vermuten, dass die Entscheidung damit zu tun hat, dass es für Deutsche Glasfaser aus Wettbewerbsgründen schnell gehen soll und eine Nachfragebündelung zu viel Zeit kosten würde. Inexio, der aktuelle Konkurrent im Leiningerland, hat seine mindestens zu erreichende Anschlussquote dem Vernehmen nach auf 20 Prozent gesenkt.

Wie schnell es jetzt geht, stellten den sichtlich erstaunten Ortsbürgermeistern weitere Glasfaser-Vertreter und deren Tiefbaupartner Connect-Energie aus Neuss dar. „Am liebsten schon am 1. März“ soll es mit der Verlegung der Lichtleiter losgehen: ab Gerolsheim beziehungsweise der Autobahn über Großkarlbach, Bissersheim, Kirchheim und Laumersheim bis Dirmstein.

Bis zu 150 Bauarbeiter gleichzeitig aktiv

Ziel sei es, vier bis sechs Wochen, nachdem der Bagger in einem Gebiet angerollt sei, die dortigen Kunden an das wachsende Netz anzuschließen. Ab November kümmerten sich laut Connect-Energie bis zu 150 Bauarbeiter gleichzeitig um Obersülzen, Obrigheim, Bockenheim und Kindenheim mit dem ehrgeizigen Ziel, noch in diesem Jahr fertig zu werden. Dazu sind die beiden Firmen auf die Hilfe der VG und der zehn Kommunen als ihre Kooperationspartner angewiesen, denn es werden viele Genehmigungen und kleine Grundstücke für Verteilerstationen benötigt.

Das Netz werde übrigens unter dem Stichwort „Open Access“ gebaut, das heißt, es steht anderen Dienstleistern offen. Gegen Geld versteht sich. Im nordrhein-westfälischen Lüdinghausen etwa kooperiert die Deutsche Telekom seit Kurzem mit Deutsche Glasfaser, um deren Netz für die Vermarktung eigener Anschlüsse und Dienste zu nutzen.

Ab nächster Woche Infoabende

Innerörtlich sollen Doppelstrukturen vermieden werden, betonte Mirko Tanjsek. Straßen und Straßenseiten, in denen Inexio schon im Rahmen des Kreisclusters aktiv werde, seien für sein Unternehmen tabu. „Wir bauen nicht Glas auf Glas“, so Tanjsek. Auch wenn keine Mindestanschlussquote mehr nötig ist: Wer sich bis 30. März auf Deutsche Glasfaser als Vertragspartner festlege, spare die Hausanschlusskosten von 750 Euro, so Tanjsek. Ab 11. Februar findet in jedem der sechs Dörfer der ersten Bauphase ein Infoabend statt.

Bürgermeister Rüttger bezeichnete diesen eigenwirtschaftlichen Breitbandausbau als Riesenerfolg und künftigen Standortvorteil für die zehn Dörfer. „Ich bin begeistert“, sagte er. Offen blieb am Freitag die Frage, ob und wann die restlichen elf Ortsgemeinden der VG in Sachen Internet vorangebracht werden. Das Interesse daran sei bei Deutsche Glasfaser sicher gegeben, so Rüttger, aber es müssten erst einmal Erfahrungen mit dem aktuellen Pilotprojekt gemacht werden.

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