Rhein-Pfalz Kreis Land und Leute:

Kein Zaunkrieg in Neuhofen. Ein Ratsentscheid, über den wir auch nach einer Woche noch nachdenken: Denn ist es nicht so, dass er in Zeiten von Krieg und Schrecken Bedeutung für den Weltfrieden erlangen kann? Zur Erinnerung: Diejenigen Neuhofener, die ihr Sandsteinmäuerlein oder ihren Jägerzaun auf einen ganzen Meter hochgezogen haben, dürfen es dabei belassen. Obwohl die Gemeinde eigentlich nur 80 Zentimeter erlaubt. Das heißt, in Neuhofen wird nicht gestritten und gekämpft, da werden die Grenzen anerkannt, wie sie sind. Bei noch längerem Nachdenken stellen sich jedoch Zweifel ein – vielleicht sind, was den Weltfrieden anbelangt, gar nicht die Zäune, sondern die Gartenzwerge dahinter das eigentliche Problem: Tragen sie Bart oder nicht? Glatze, Kufiya oder Kippa? Schauen sie in Richtung Westen oder nach Osten? Haben sie Boxhandschuhe an den Händen oder Schlittschuhe unter den Füßen? Und ihr Schneewittchen – ist das blond, brünett oder gar verhüllt? Insofern kann die Mauerhöhe natürlich doch Bedeutung haben: Ob nun 80 Zentimeter oder ein Meter – wenn Grenzen nicht zu hoch gezogen werden, besteht die Möglichkeit, rüber zu linsen. Und Gartenzwergvielfalt zu genießen. (btw) Der Beratung im Schifferstadter Kulturausschuss konnte der aufmerksame Zuhörer wichtige Erkenntnisse entnehmen. Zum Beispiel, dass die kleine Weltmetropole nicht nur eine Hoch-, sondern auch eine eigene Friedhofskultur hervorgebracht hat, die es nun behutsam an moderne Entwicklungen wie die Urnenbestattung anzupassen gilt. Zudem hat Roswitha Leydecker (FWG) darauf hingewiesen, dass Menschen nicht nur das Recht besitzen, sozial gerecht zu leben, sondern auch sozial gerecht zu sterben, Pardon, beerdigt zu werden. Zu diesem Zweck solle bei Urnenbegräbnissen auch auf das Äußere geachtet werden. Dass die oft angeführten inneren Werte nicht immer eine bedeutende Rolle spielen, wie in diesem Fall, fand auch Hans Pruschina (CDU). Denn: „Der Inhalt ist ja immer der gleiche.“ (mamü) Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen. Mit diesem simplen Reim wird kleinen Kindern schon früh im Leben beigebracht, dass eine Zusage auch eingehalten werden soll. Politiker – so ganz im Allgemeinen – haben damit ja bisweilen ihre Schwierigkeiten. Nicht jedoch der Landrat des Rhein-Pfalz-Kreises. Zugegeben, es ging jetzt nicht um die Sanierung oder den Ausbau einer Straße oder ein leckes Dach einer Schule. Nein, es war sogar noch pikanter. Beim Bauernmarkt in Limburgerhof am Pfingstsamstag wollte Clemens Körner unbedingt ein Foto von sich und RHEINPFALZ-Maskottchen Nils Nager. Im Gegenzug versprach er, dass er in den Nils-Nager-Club eintritt. Jetzt hätte er hinterher sagen können, dass das ja ein Club „nur“ für Kinder ist. Und er ja eigentlich schon zu alt und gar keine Zeit und zu viele Verpflichtungen und überhaupt. Aber nein: Der Christdemokrat zog’s durch und unterschrieb am Mittwoch den Mitgliedsantrag – und gab damit in Sachen Versprechen halten gleich mal ein gutes Beispiel. Für all die rund 8600 Kinder im Nils-Nager-Club und seine Politikerkollegen von Flensburg bis Garmisch. (tc)