Böhl-iggelheim
La Signora bei Dorfart: Bezahlen mit dem bösen Blick
„Sie ist eine Tochter Italiens und kommt aus der schönsten Stadt Deutschlands: Oberhausen“, kündigt Dorfart-Kassiererin Katja Friedrich den Höhepunkt des Abends an: Carmela De Feo, Künstlername La Signora. „Die Schwarze Witwe der Volksbelustigung“ mit dem „Popstaraufmerksamkeitsdefizitsyndrom“ rauscht energisch auf die Bühne und legt sofort los. „Ich gehe diesmal nicht ins Publikum. Wegen der Seuche – ich spucke. Das ist nicht kompatibel“, sagt sie und wird wehmütig: „Früher standen die Leute vorne mit Flacons und sammelten die Spucke ein. Die hat heilende Kräfte – ja, wirklich – gegen Neurodermitis und Nacktschnecken.“
Wegen der Seuche – Corona eben – müsse man sich gerade ständig motivieren. „Habt ihr hier Internet? Ich habe Tikitok entdeckt. Tikitok ist so etwas wie Fazebuk und Inschtagramm. Dort gibt es einen Sing-Song-Reiter.“ Ob das Publikum weiß, was das ist, fragt sie und gibt die Antwort selbst: „Das ist ein Liedermacher wie Ralf Siegel oder Rolf Zuckowski. Das ist kein Deutscher, sondern ein Irrer – aus Irland. Ich habe euch das Lied übersetzt, denn nicht jeder ist des Irren mächtig.“ La Signora natürlich schon, und so folgt die erste irre Gesangseinlage des Abends. Das Publikum in der Iggelheimer VfB-Halle ist schon jetzt aus dem Häuschen.
Bei freier Wahl Syphilis
Die Figur La Signora hat De Feo mithilfe ihrer Zuschauer entwickelt, erzählt sie. „Was gefällt den Leuten? Das habe ich mir aufgeschrieben.“ Die Rolle entwickelt sich so immer weiter. Auch das Interagieren mit dem Publikum gehört dazu. „Das mögen die Leute. Sie wollen mitmachen.“ Corona habe sie wegen ihres guten Standings gut überstanden. Sie sei sogar froh über eine kleine Pause gewesen. Die Zeit habe sie genutzt, um Hilfsorganisationen für Frauen zu unterstützen und vor Altersheimen und in Autokinos Akkordeon zu spielen.
Doch zurück zur Seuche auf der Bühne in Iggelheim. Wenn La Signora sich eine hätte aussuchen können, „dann eine, die zu mir und zu euch passt: Syphilis. Denkt an die Rückverfolgung! Die wäre bei einigen im Saal interessant“. Ansonsten lässt sich Corona nur mit Alkohol ertragen, was die 49-Jährige sofort mit einem weiteren Lied beweist. Torkelnd besingt La Signora schlüpfrig die Auswirkungen des Feucht-Fröhlichen – was natürlich sofort als Dauerbrenner im Netz landet.
Frauenklo als Wellness-Oase
Aber Corona hat noch Auswirkungen ganz anderer Art. Da sitzt frau plötzlich zu Hause mit dem eigenen Haushalt und fragt sich: „Das hast du dir ausgesucht?“ Ganz zu schweigen von dem Fettsack neben ihr im Bett. Aber eigentlich seien es die Männer, die leiden, meint die Schwarze Witwe mit geheucheltem Mitleid. „Dann musst du ständig mit ihr reden und musst zuhören, denn plötzlich stellt sie Fragen!“ Männer dagegen wollten sich doch nur mit ihresgleichen treffen und trinken. „Da wird nicht viel geredet“, ist die Kabarettistin überzeugt.
Dafür redet La Signora viel und noch mehr über die Ruhezonen für Stars wie sie – die Damentoilette. Kühle Fliesen an der Wand, notfalls auch auf dem Boden, brächten die nötige Entspannung ganz ohne Yoga. Auch die Fugen haben es in sich, wenn man drüberkratzt. „Die Rakete steigt auf’m Damenklo“, singt sie und hüpft enthusiastisch zu 70er-Jahre-Disco-Rhythmen quer über die Bühne, bevor sie schnell auf besagtem Erholungsort verschwindet.
Frisch gekühlt für die zweite Runde des Abends betont sie die ihr eigene Fraulichkeit. Denn die Schwarze Witwe mag weder Geld, Gold noch Schmuck – ihr Zahnstein reicht ihr. Und das Schwarzgeld, denn „ich zahle mit dem bösen Blick. Da bleiben keine Rechnungen offen“.