Altrip RHEINPFALZ Plus Artikel Lüftungsgeräte in Schulen: „Null-Risiko gibt es nicht“

Klassensäle mit Fenstern kamen erst spät auf die Zuschussliste für Lüftungsgeräte. Denn hier kann man ja Stoßlüften.
Klassensäle mit Fenstern kamen erst spät auf die Zuschussliste für Lüftungsgeräte. Denn hier kann man ja Stoßlüften.

Wie andere Kommunen im Rhein-Pfalz-Kreis möchte Altrip seine Grundschüler und deren Lehrer mit Lüftungsanlagen besser vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen. Verläuft alles nach Plan, sollen die Anlagen im Frühjahr eingebaut werden.

Ohne Fördermittel könnten sich Gemeinden den kostspieligen Einbau der Anlagen nicht leisten. Die Pandemie dauert hierzulande seit März 2020 an, zunächst war jedoch regelmäßiges Stoßlüften – auch im Winter – das Mittel der Wahl, um die Virenlast in der Raumluft und damit die Ansteckungsgefahr möglichst gering zu halten. Als deutlich effizienter gelten inzwischen Lüftungs- oder Luftfilteranlagen. Den Einbau in öffentlichen Gebäuden fördert der Gesetzgeber allerdings erst seit Juni 2021.

Um Mittel aus diesem Fördertopf zu bekommen, muss eine Kommune unter anderem eine Machbarkeitsstudie anfertigen lassen. Die Nachfrage bei geeigneten Fachbüros ist seitdem groß, die Bearbeitungsdauer entsprechend lang. Doch den Förderantrag darf eine Gemeinde erst stellen, wenn die Studie vorliegt. Deswegen erhalten viele Schulen und Kitas erst zwei Jahre nach Ausbruch der Pandemie den verbesserten Schutz gegen die Virenlast in den Räumen.

Mobile Geräte haben Nachteile

In der Albert-Schweitzer-Grundschule in Altrip sollen 18 solcher Anlagen nachgerüstet werden. Nach Angaben von Bauabteilungsleiter Frank Juchem von der Verwaltung der Verbandsgemeinde Rheinauen verteilen sie sich auf 16 Klassensäle, das Lehrerzimmer und den Mehrzweckraum. Die Kosten hierfür schätzen die Experten auf rund 561.000 Euro. Abzüglich der Fördermittel von 80 Prozent bleibt damit für die Ortsgemeinde ein Eigenanteil von rund 112.000 Euro übrig.

Maurice Kuhn (Grüne) bezeichnete die Entscheidung des Altriper Rats als gute Sache. „Der Einbau stationärer Geräte entspricht meinen Vorstellungen“, sagte er. Auf seine Frage, was gegen mobile Exemplare spreche, verwies Bauabteilungsleiter Juchem auf die unterschiedliche Technik. Beim Einsatz mobiler Luftreinigungsgeräte müsse weiter gelüftet werden, zudem seien diese lauter. Stationäre Anlagen lieferten konstant frische Luft von außen und würden aus der Abluft, die zurück ins Freie befördert wird, die Wärme abziehen, sodass diese anders als beim Lüften nicht verloren gehe.

Infektion ist nicht völlig zu verhindern

Peter Bärenz (SPD) hob hervor, dass die Lüftungsanlagen die Belastung der Kinder erheblich verringern können, betonte zugleich aber: „Ein Null-Risiko gibt es nicht.“ Denn eine Schmier- oder Tröpfcheninfektion auf kurze Distanz könnten die Geräte nicht verhindern.

Auf Nachfrage bestätigte Ortsbürgermeister Volker Mansky (parteilos), Auslöser für den Einbau sei zwar Corona, die Anlagen seien aber auch nach Ende der Pandemie noch sinnvoll, da sie ebenfalls andere Erreger und gar Pollen wegbeförderten. Deshalb würden sie auch später weiter genutzt und seien bei Neubauten wie der geplanten Kita mittlerweile Standard. Sein Fazit: „Alles ist besser als keine Lüftungsanlagen.“

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