Maxdorf Kunst am LMG: Mehr als nur Malen

Die Schülerinnen des Leistungskurses Kunst von Christian Kornmann (links) organisierten die Ausstellung in Maxdorf: Caroline (zw
Die Schülerinnen des Leistungskurses Kunst von Christian Kornmann (links) organisierten die Ausstellung in Maxdorf: Caroline (zweite von rechts) und Frederike (vierte von links) erzählen von ihren Erfahrungen.

Wer Kunst als Leistungsfach fürs Abitur wählt, der will es sich doch nur leicht machen. Von wegen. Drei Schülerinnen des Lise-Meitner-Gymnasiums berichten aus dem Kunstsaal.

Ja, diese Sprüche kennen Johanna, ihre Schwester Frederike und Caroline nur allzu gut: In Kunst bekommt man doch praktisch nie eine Sechs. Wer so denkt, unterschätzt dieses Fach bei Weitem, sagen die drei Oberstufen-Schülerinnen. Am Wochenende stellten die Elftklässlerinnen mit ihren Mitschülern ihre Werke in einer öffentlichen Ausstellung im Maxdorfer Carl-Bosch-Haus aus. Und das schon mal vorweg: Die Ausstellung sei ein großer Erfolg gewesen, lobt ihr Lehrer Christian Kornmann.

Mit Sicherheit ist das nicht das erste Lob des Kunstpädagogen, das die drei 16-Jährigen zu hören bekamen. Alle drei seien sehr talentiert. Das Zeichnen und Malen auch eine große Rolle in ihrem Leben spielen könnte, das hat sich bei den Schülerinnen abgezeichnet. Johanna erzählt, dass es etliche Bücher voll mit Kinderzeichnungen von ihr und ihrer Schwester Frederike gebe. „Unsere Mutter kann auch sehr gut zeichnen, ich denke, das haben wir von ihr“, sagt sie. Mit Buntstiften und Wasserfarben haben sie erste künstlerische Schritte gemacht. Doch schnell sei es vielfältiger geworden. Die Neugier, anderes auszuprobieren, sei groß gewesen. Schon bald experimentierten die Geschwister aus Lambsheim mit verschiedenen Medien – mit Acryl, Aquarell, Gouache und Feinliner. Nichts blieb unversucht.

Urban Sketching war eine Herausforderung

Besonders Frederike liebt es, zu experimentieren – etwa mit verschiedenen Materialien. Das Gymnasium bietet etliche Arbeitsgemeinschaften. „Ich war in Töpfern“, erzählt die Oberstufenschülerin, das habe ihr viel Spaß gemacht. Für sie stand von Anfang an fest, Kunst in der Oberstufe zum Leistungsfach zu wählen. Johanna haderte, wechselte aber dann doch.

Carolines Bilder zum Thema Urban Sketching.
Carolines Bilder zum Thema Urban Sketching.

Die Schwestern sind sehr produktiv, erzählen sie und gewähren einen Blick in ihre persönlichen Zeichenblöcke – mit beeindruckenden Werken. Eines von Frederike zeigt zum Beispiel eine Schlange, die den Kopf eines Vogels umwickelt. Bild-Idee, Proportionen und Umsetzung – alles ist auf hohem Niveau. Derzeit bevorzugt sie Feinliner. Die kamen auch bei den Bildern für die Ausstellung zum Einsatz. Urban Sketching war das Thema, drei Motive aus der Umgebung der Schule oder von Maxdorf sollten sie zu Papier bringen. Beim Zeichenstil Urban Sketching wird skizzenhaft mit Finelinern oder Tintenfüller gezeichnet und mit Alkoholmarkern oder Aquarellfarben koloriert. Besonders das Skizzenhafte sei Johanna erst schwergefallen. „Ich mag eigentlich lieber vollständige Bilder“, erzählt sie. Ähnlich sei es Caroline gegangen. Sie sei bei ihren Zeichnungen – meist Porträts – oft sehr perfektionistisch. „Aber es hat mir Spaß gemacht, mich dieser neuen Herausforderung zu stellen“, erzählt die 16-Jährige. Auch sie kann schon mit einer beeindruckenden Vielfalt an Werken aufwarten. Es sind vor allem Menschen gemalt im naturalistischen Stil. Ihre künstlerische Ader hat sie vor allem durch die Corona-Zeit gebracht, erzählt sie. Seit dieser Zeit zeichne sie sehr viel – am liebsten mit Acryl und seit Neuestem mit Öl.

Carolines „Dame mit Ohrring“, eines ihrer ersten Bilder in Öl.
Carolines »Dame mit Ohrring«, eines ihrer ersten Bilder in Öl.

Inspiration von Pinterest

Inspirationen für ihre Bilder holen sich die Mädchen auf verschiedene Arten – es können Zeitschriften sein, aber auch Internetseiten wie Pinterest. Sich daran auszuprobieren, „das ist für mich total entspannend“, erzählt Johanna, ihre Schwester stimmt ihr zu. Sie höre dabei oft Hörbücher, dann könne sie alles um sich herum vergessen. Ähnlich geht es Caroline. Sie genießt die praktische Arbeit im Kunstunterricht – es sei ein guter Gegenpart zu den anderen Fächern.

„Manchmal fühlt es sich wie eine Pause an“, sagt Johanna, das sei toll. Doch gerade weil es für sie ein Ausgleich ist, sind sich die Schülerinnen noch nicht sicher, ob die Kunst für sie auch ihr berufliches Leben bestimmen sollte. „Jetzt ist es Spaß, aber dann wird es vielleicht zur Pflicht, kreativ zu sein“, sagt Caroline. Auch aus diesem Grund hatte sie sogar zunächst Bedenken, Kunst als Leistungsfach zu wählen. „Ich dachte, vielleicht bin ich nicht kreativ genug, weil ich noch viel nach Vorlagen zeichne.“ Doch die Angst war unbegründet – die ersten Kursarbeiten liefen gut, erzählt sie und zeigt ihre Dokumentationsmappe zur Ausstellung Papiergeflüster aus dem vergangenen Jahr. Allein die Gestaltung der Mappe zeigt, wie begabt sie ist.

Talente wie sie gebe es einige in den Kunst-Leistungskursen des Maxdorfer Gymnasiums, berichtet Christian Kornmann. Oft merke man schon früh, ob ein Kind Interesse und Talent für den Kunstunterricht hat, erzählt er. „Diese Kinder kommen dann schon mit überdurchschnittlichen Fähigkeiten in dem Bereich ans Gymnasium.“ Aber es gebe auch Schüler, die in den späteren Klassen das Interesse entwickeln und dann große Sprünge machen.

Ein Werk aus dem persönlichen Sketchbook von Frederike.
Ein Werk aus dem persönlichen Sketchbook von Frederike.

Viel Praxis im Unterricht

Mit Farben zu zeichnen, mit Materialien etwas zu erschaffen und sich mit Bildern auseinanderzusetzen, sei ein gutes Gegengewicht zur heutigen Informations- und Medienflut, sagt er. Es fördere die Konzentration und schule das Sehen. Am Gymnasium werde großer Wert auf den praktischen Anteil im Unterricht gelegt, sagt er.

Und so haben die Schüler aller Klassenstufen viele, viele Kunstwerke im Schuljahr geschaffen, die in der Ausstellung zu sehen waren. Es ist die dritte dieser Art und die bisher am besten besuchte, erzählt Kornmann. Bis zu 300 Interessierte seien gekommen, die Resonanz sei durchweg positiv gewesen.

Kunst muss auch präsentiert werden

Ermöglicht hat Christian Kornmann die Ausstellung gemeinsam mit seinen Kollegen Irmhild Pfeifer-Schulz und Jürgen Hatzenbühler, ebenfalls Kunstlehrer. Sie hatten die Federführung, die Schüler organisierten mit. Das sei Teil des Kunst-Leistungskurses. „Die Planung, Konzeption und Durchführung einer Ausstellung in externen Räumlichkeiten ist eine wichtige Erfahrung für die Schüler“, erklärt Christian Kornmann. Die Schüler mussten rechtzeitig die Kunstwerke fertig bekommen, die Werke auswählen, entscheiden, in welcher Reihenfolge die Bilder aufgehängt werden, den Ausstellungsraum herrichten und sich um die Gäste kümmern. „Gerade in künstlerischen Berufsfeldern ist die Präsentation von eigenen Arbeiten sehr wichtig“, sagt der Lehrer. Etwa im Bereich Produkt- oder Grafikdesign, Mode oder Architektur. Berufsfelder, in denen sich Johanna, Frederike und Caroline durchaus eine Zukunft vorstellen könnten.

Kommt es zum Kuss? In Frederikes Zeichnung bleibt es der Fantasie überlassen.
Kommt es zum Kuss? In Frederikes Zeichnung bleibt es der Fantasie überlassen.
Caroline hat sich von Claude Montes Seerosenteich-Bilder inspirieren lassen.
Caroline hat sich von Claude Montes Seerosenteich-Bilder inspirieren lassen.
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