Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Kunst-Aktion in Mutterstadter Auktionshaus: Ein toller Käfer

Ausstellung und Verkauf von Keils Bildern war schon lange geplant, sagt Ralf Häge vom Henry’s-Vorstand. Die Idee mit dem Auto ka
Ausstellung und Verkauf von Keils Bildern war schon lange geplant, sagt Ralf Häge vom Henry’s-Vorstand. Die Idee mit dem Auto kam später. Foto: KUNZ

Ein ungewöhnliches Atelier für ein ungewöhnliches Projekt: Der Maler Peter Robert Keil hat im August seinen Tisch mit Farben und Pinsel in Haus drei von Henry’s Auktionshaus in Mutterstadt aufgestellt. Dort bemalte er ein Auto, das nun, ebenso wie andere seiner Werke, einen neuen Besitzer finden soll. Die Verkaufsausstellung ist ab sofort geöffnet.

Großformatige Bilder mit betonter Malweise, gezielte Formlosigkeit, schwungvolle Pinselstriche, kräftige Farben, Graffiti-Elemente. Das sind einige der Stilmittel, derer sich die „Neuen Wilden“ bedienen. Das sind die Künstler, die in den 80er-Jahren mit unbekümmerter und lebensbejahender Malerei an die Öffentlichkeit traten. Zu dieser Generation gehört der Maler Peter Robert Keil. Viele seiner Werke sind davon geprägt. Doch das war nicht immer so. „Meine ersten handwerklichen Fertigkeiten und Maltechniken erlernte ich ab meinem zwölften Lebensjahr bei Otto Nagel, einem aus Ost-Berlin stammenden Maler“, sagt er. „Damals habe ich realistisch gemalt, auch später noch manchmal“, ergänzt der Künstler. Einige wenige Bilder davon haben es in die Ausstellung geschafft, die am Samstag in Henry’s Auktionshaus in Mutterstadt eröffnet wurde. Ins Auge fallen schemenhaft skizzierte Bilder: Porträts, menschliche, meist weibliche Körper, Großstadtszenen oder Landschaften, mit farbigen Punkten oder anderen geometrischen Figuren als Untergrund oder vollständig mit intensiven Farben bemalt.

„Als Teenager lernte ich Joan Miró kennen“, sagt Keil. Es habe sich eine Freundschaft entwickelt, jedoch konnte er mit Mirós abstraktem Symbolismus erst später etwas anfangen. „Während meines Studiums an der Hochschule der Künste in Berlin kam ich mit vielen weiteren Künstlern in Kontakt, die mich und meine Generation geprägt haben“, erinnert er sich. Auch ein Aufenthalt in Paris und das Abtauchen in das dortige Nachtleben habe zu einer Veränderung und Weiterentwicklung seines Stils beigetragen. Immer weiter entfernte er sich von seiner realistischen Auffassung. Sein Malstil wurde neoexpressionistisch, spontaner und dynamischer, entwickelte sich immer mehr in Richtung der „Neuen Wilden“.

Ein Künstler durch und durch

Dass die Wirkung der einzelnen Bilder in der Menge der in der Ausstellung gezeigten Werke etwas verloren geht, bedauert Ralf Häge, Vorstandsvorsitzender des Auktionshauses. „Man muss solch ein Gemälde an einer weißen Wand sehen, dann kann man sich etwas vorstellen, etwas damit verbinden“, sagt er. Er selbst besitze ein Bild von Keil, das immer wieder den Blick auf sich lenke.

Peter Robert Keil ist durch und durch Künstler, er lebt vom Erlös seiner Werke. Schon sehr lange hat er deshalb Kontakt zu Henry’s Auktionshaus, woraus zwischenzeitlich eine freundschaftliche Verbundenheit entstanden ist. „Eine Ausstellung der Bilder sowie von Keramik für den freien Verkauf haben wir schon lange geplant“, erzählt Ralf Häge. Die Idee, diese mit einem bemalten Fahrzeug zu etwas Besonderem zu machen, kam später dazu. Und so staunte Anfang August so mancher Kunde von Henry’s nicht schlecht über das, was er in Haus drei zwischen Oldtimern, Kutschen, Lifestyle und Gartenskulpturen antraf: ein ganz in Weiß gekleideter, bescheiden wirkender Künstler, der mit Pinsel und leuchtenden Farben einen hellgrau grundierten „Kugelporsche“, einen VW-Käfer, in ein Kunstwerk verwandelte.

Richtwert des Käfers beträgt 25.000 Euro

Bilder und Keramik werden während der Ausstellung im Sofortverkauf angeboten, der VW-Käfer gegen Gebot. „Den Richtwert haben wir bei 25.000 Euro angesetzt, hoffen jedoch, dass es mehr wird“, verrät der Sohn des Vorstandsvorsitzenden, Nico Häge. Er ist Ansprechpartner, wenn es um Oldtimer und klassische Fahrzeuge geht.

Die Schauspielerin Sibylle Nicolai wollte den Künstler persönlich treffen und kam deshalb aus Frankfurt zur Vernissage. Sie habe Peter Robert Keil bei einem Kunstflohmarkt in Wiesbaden kennengelernt. „Er war schon beim Einpacken, als wir ihm voller Begeisterung aus dem Kofferraum heraus zwei Bilder abgekauft haben“, erzählt sie. Die habe jedoch zu ihrem Leidwesen ihr damaliger Partner nach der Trennung mitgenommen. Erst über Umwege konnte sie Keil ausfindig machen und mit neuen Bildern die Lücke wieder schließen.

Auch die Kunstsammler Sascha und Anja Rissel aus Worms wollten Keil persönlich treffen. „Wir haben seit vielen Jahren einige Werke von ihm und lernten ihn bei der Keil Collection in Heidelberg kennen“, erzählen die beiden. Dort könne man die Bilder durch ihn auch verifizieren und in ein Werksverzeichnis eintragen lassen.

Noch Fragen?

Verkaufsausstellung bis 21. Dezember 2019 in Henry’s Auktionshaus, Galerie Haus 2, An der Fohlenweide 12-14, Mutterstadt. Geöffnet Montag bis Freitag 9 bis 19 Uhr, Samstag 9 bis 17 Uhr, www.henrys.de

Leuchtende Farben auf einem hellgrau grundierten Porsche – seit August war Peter Robert Keil am Werk. Der Richtpreis für das Aut
Leuchtende Farben auf einem hellgrau grundierten Porsche – seit August war Peter Robert Keil am Werk. Der Richtpreis für das Auto liegt bei 25.000 Euro. Foto: srä
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