Rhein-Pfalz Kreis
Kritik am K-22-Plan bei Dannstadt-Schauernheim: Von Leitungen und Lerchen
Eigentlich sollte die Kreisstraße 22 auf eine Trasse beim Münchhof verlegt werden und so den Ortsteil Dannstadt vom Verkehr entlasten. Laut dem Verein Bürgerwille ist dieses Vorhaben aber in weite Ferne gerückt. Stattdessen solle „nur“ der vorhandene Wirtschaftsweg ausgebaut werden. Ein Blick auf den Sachstand.
Die Anwohner der Hauptverkehrsadern, allen voran der Hauptstraße, fordern seit Jahren Ausweichstrecken für die Lastwagen und Traktorgespanne, die täglich durch das Dorf rollen. Dafür setzt sich auch der Verein Bürgerwille ein. Der ursprüngliche Plan der Gemeinde: Eine Ortsrandstraße von der Riedstraße im Osten bis zum Münchhof im Süden bauen, mit der auch gleich die neuen Gewerbeflächen in Dannstadt-Ost erschlossen werden. Der erste Abschnitt dieser zweiten Verkehrsachse wird seit Mai 2019 gebaut. Sie ist aber nur ein Teil des Konzepts. Der andere Teil sieht vor, den Abschnitt der Kreisstraße von dem Pumpwerk am Münchhofweg bis zur Einmündung der Böhler in die Hauptstraße auf die Münchhofweg-Trasse zu verlegen.
Die Probleme
In der Praxis gestaltet sich die Teilverlegung als kompliziert. Für eine Kreisstraße wäre eine etwa 17 Meter breite Trasse erforderlich. Der Münchhofweg ist aber in seiner jetzigen Grundstücksbreite von fünf Metern – die Fahrbahnbreite reicht von drei bis vier Metern – eng bemessen und passt gerade so eben zwischen den landwirtschaftlichen Betrieben beiderseits hindurch. Deren Eigentümer müssten auf Teile ihrer Grundstücke verzichten. Ein heikles Thema. Ebenso heikel ist das Vorkommen der Haubenlerche, einer geschützten Vogelart. Sie müsste umgesiedelt werden, was mit strengen Auflagen verbunden ist.
Die größte Schwierigkeit stellen die Leitungen des Beregnungsverbands Vorderpfalz dar. Auf der Nordseite verläuft parallel zum Münchhofweg eine Leitung mit zehn Zentimetern Durchmesser, auf der Südseite eine mit 50 Zentimetern. Direkt am Pumpwerk, an dem die Kreisstraße in geringem Abstand vorbeiführen müsste, liegt die Hauptberegnungsleitung des Verbands mit einem Durchmesser von 160 Zentimetern. Sie versorgt das komplette nördliche Verbandsgebiet bis nach Hessheim. Die Leitungen – eventuell mit Ausnahme der kleinsten – müssten für das K-22-Vorhaben verlegt werden, was vor allem bei der Hauptleitung mit enormem Aufwand verbunden wäre. Die ursprünglich erwarteten Kosten würden sich dadurch von 1,4 auf 3,6 Millionen Euro erhöhen. Das halten die Behörden für unverhältnismäßig teuer.
Die Alternative
Die Verbands- und die Ortsgemeinde Dannstadt-Schauernheim sowie der Rhein-Pfalz-Kreis erwägen deshalb, zunächst einmal den Münchhofweg auf 6,50 Meter zu verbreitern und so zu befestigen, dass Traktoren und Lkw sich problemlos darauf bewegen und begegnen können. Ihr Argument: Das wäre günstiger und schneller machbar und würde vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum bezuschusst.
Die Kritik
„Die Leitungen müssten auch verlegt werden, wenn lediglich der Wirtschaftsweg ausgebaut wird“, sagen die Bürgerwille-Vorsitzenden Volker Bolz und Günter Defren. Sie könnten aber auch entsprechend abgesichert und dann problemlos überbaut werden. Bei einem Gespräch mit Landrat Clemens Körner, Bürgermeister Stefan Veth und Ortsbürgermeisterin Manuela Winkelmann (alle CDU) habe sich nun jedoch herausgestellt, dass trotzdem der reine Wirtschaftsweg-Ausbau verfolgt werde und die K-22-Teilverlegung frühestens in 20 bis 25 Jahren vielleicht wieder aufgegriffen werde. Wieso beim Wegebau der Schutz der Haubenlerche keine Rolle spiele, erschließe sich ihnen ebenso wenig.
Ein zusätzliches Problem habe noch niemand bedacht: Wie sollen aus Hochdorf-Assenheim über die westlichen Wirtschaftswege in die Böhler Straße kommende Traktoren um den Ort gelotst werden? Die würden sicher nicht den Umweg über den Münchhof in Kauf nehmen. „Wir vermissen ein schlüssiges Konzept“, erklären die Vereinsvertreter. Zumal durch das geplante Neubaugebiet zwischen Böhler und Hauptstraße sowie der Pfalzmarkt-Erweiterung noch mehr Verkehr entstehe.
Dabei sei die Belastung der Anwohner jetzt schon enorm. Zum Beweis hat der Verein bereits eigene Abgas-Untersuchungen vornehmen lassen – das Resultat: hohe Stickstoff-Werte in der Luft – und jetzt mit einem eigens angeschafften Gerät den Lärmpegel gemessen. Den Spitzenwert von 98 Dezibel habe ein Traktorgespann bei der nächtlichen Fahrt durch den Ort geliefert. „Das Gesetz erlaubt in Mischgebieten tagsüber maximal 60 Dezibel, nachts 45“, ordnen Bolz und Defren das Ergebnis ein. Den Verantwortlichen sei das aber egal.
Die Leitungsexperten
Wie sieht das mit den Beregnungsrohren wirklich aus? Wir fragen beim Beregnungsverband nach. Prinzipiell sei technisch alles machbar. „Es ist aber immer eine Frage des Aufwands und der Kosten“, erklärt der technische Leiter Ralf Lippmann. Für die Teilverlegung der K 22 müssten ihm zufolge tatsächlich alle Leitungen getrennt, umgelegt und die Schutzrohre verlängert werden – einzig die 100er-Leitung sei inzwischen unter Umständen verzichtbar. Für den Zugang zu den Leitungen müssten zudem neue Anschlüsse hergestellt und im schlimmsten Fall sogar ein neues Pumpwerk an anderer Stelle errichtet werden.
Da in der Hauptleitung Steuerungskabel verlaufen, an denen sämtliche Pumpwerke des Verbands hängen, erhöhe sich der Aufwand noch. Allein das Verlegen der Hauptleitung könne so leicht eine Million Euro verschlingen, der Bau eines neuen Pumpwerks eine weitere Million. „Und dann sind weder die andere Leitung verlegt noch die Straße gebaut“, verdeutlicht er das finanzielle Ausmaß.
Eine Kreisstraße auf der Münchhof-Trasse hält Verbandsvorsteher Wolfgang Renner auch aus Verkehrssicht für fragwürdig: „Unsere Landwirte bestellen die Felder auf beiden Seiten und müssten bei beschränkten Sichtverhältnissen dort mit ihren Traktoren direkt auf die Kreisstraße fahren, wo Autos mit 100 oder mindestens 70 Stundenkilometern angerauscht kommen. Das wäre für alle Beteiligten gefährlich“.
Die Leitungen zu überbauen, sei nicht sinnvoll, da der Verband direkten Zugang dazu brauche. „Sonst müssten wir bei Arbeiten immer die Kreisstraße für den Verkehr sperren, und zwar manchmal tage- oder wochenlang“, erklärt er. Da zum Beispiel ein Leck nicht immer sofort auffalle, könnte im ungünstigsten Fall sogar unbemerkt die Straße unterspült werden. Ein weiterer vermeidbarer Risikofaktor.
Aus diesem Grund empfehle der Verband, den Wirtschaftsweg nach Norden hin auszubauen und nördlich des Pumpwerks eine Einmündung auf die Kreisstraße zu schaffen. „Das für diese Anbindung nötige Grundstück gehört uns, und wir würden es an die Gemeinde abgeben“, signalisiert Renner Kompromissbereitschaft. Außerdem müsste die 500er-Leitung südlich des Wegs nicht verlegt werden, was auch Kosten spare.
Die Politiker
Landrat Körner weist daraufhin, „dass unklar ist, wer das Verlegen der Beregnungsleitungen bezahlen soll“. Der Ausbau des Wirtschaftswegs sei am schnellsten und einfachsten umzusetzen. Dass die K-22-Teilverlegung erst mal zurückgestellt wird, ist für ihn kein Problem. „Sie wäre ja ohnehin erst sinnvoll, sobald die Ortsrandstraße und der beim Münchhof geplante Verkehrskreisel fertig sind.“
Bürgermeister Veth bekräftigt, dass die Kommune die K-22-Pläne nicht aufgibt. „Wir wollen jetzt aber zunächst versuchen, mit dem Ausbau des Münchhofwegs eine Verbesserung zu erreichen.“ Die Grundstücksgespräche seien bereits im Gange. Da hier lediglich ein vorhandener Weg etwas verbreitert und saniert werde, seien die Auflagen bezüglich der Haubenlerche auch nicht ganz so streng wie beim Bau einer Kreisstraße, merkt er an.