Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Kreismusikschul-Konzert: Bratschen auf dem Vormarsch

Souverän und harmonisch: die Bratschenensembles der Musikschule des Rhein-Pfalz-Kreises.
Souverän und harmonisch: die Bratschenensembles der Musikschule des Rhein-Pfalz-Kreises.

„Bratschen gelten häufig als Nischeninstrumente, rücken aber immer mehr in den Vordergrund“ – Was Hiltrud Wies über die Instrumente ihrer Schützlinge sagte, umschrieb perfekt, was die beiden Bratschenensembles der Musikschule des Rhein-Pfalz-Kreises beim Konzert in der Mutterstadter Kirche St. Medardus am Sonntag boten. Und das nicht nur mit einer Uraufführung.

Ausschließlich Musik für Bratschen wurde in dem von der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) organisierten Konzert in der für Corona-Zeiten mit 90 Zuhörern voll besetzten Kirche gespielt. Angefangen vom Barock mit einem Bourrée von Johann Sebastian Bach über Klassik und Romantik bis zu zeitgenössischen Kompositionen reichte das Programm, das die beiden Bratschenensembles der Bratschenklasse von Hiltrud Wies präsentierten.

2019 gründete sich das Bratschentrio Pia Buch, Maren Allgeier und Lisa Johanna Zink. Es zeigte sein Können mit einem „Divertimento“ von James Hook, einem „Canon“ von Anton Reiche sowie der „Abendstimmung von Manfred Ammer. Die drei 13- und 14-Jährigen haben im Januar beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ den ersten Platz errungen und sich für den Landeswettbewerb qualifiziert. Auf etliche erste Preise bei „Jugend musiziert“, zum Beispiel in diesem Jahr beim Regionalwettbewerb mit Qualifikation für den Bundeswettbewerb, kann das 2012 gegründete Bratschenquartett um Kathrin Kaufmann, Lisa-Marie Köppl, Lara Katharina May und Constantin Sold zurückblicken. Die vier 18-Jährigen boten mit „Jason und Medea“ eine Uraufführung der russischen Komponistin und Pianistin Olga Magidenko.

Die hat das Stück speziell für das Bratschenquartett komponiert und war beim Konzert dabei. Bei den vielseitigen, zwischen nachdenklich und dramatisch wechselnden Szenen konnten die vier jungen Musiker die ganze Bandbreite ihres technischen Könnens bis hin zu perkussiven Elementen demonstrieren. Nach Verklingen des letzten Tons herrschte in der Kirche fast Stille, bevor die Musiker mit dem Senken des Bogens die Spannung auflösten. Besonders deutlich zeigte sich die innerhalb des Quartetts bestehende Harmonie, die sich in exakten Einsätzen und Synchronität zeigte.

Wie Pech und Schwefel

Diese Uraufführung war zugleich eine Generalprobe für das kommende Wochenende. Dann wird das Quartett das Werk bei „Wespe – Wochenende der Sonderpreise“ von „Jugend musiziert“ in Freiburg aufführen, denn für diese Veranstaltung entstand das Stück auch. „Wir waren auf der Suche nach einem Werk für den Wettbewerb und sind durch Zufall in Kontakt mit Olga Magidenko gekommen“, berichtete Hiltrud Wies. Seit Juli hat das Ensemble das anspruchsvolle Stück einstudiert. Dass alles so harmonisch wirkte, überraschte die Bratschenlehrerin nicht, seien doch beide Ensembles „großartig und hielten zusammen wie Pech und Schwefel“.

Auch mit seinen anderen Stücken konnte das Bratschenquartett seine ganze stilistische Bandbreite und Souveränität zeigen. Darüber hinaus bewies Lara Katharina May, begleitet von Dagmar Sold am Klavier und Constantin Sold, mit je einem Musikstück ihre solistischen Fähigkeiten. „Das heutige Konzert ist etwas Besonderes und Kostbares in dieser Zeit“, sagte Martina Englmann, Leiterin der KEB Mutterstadt. Bestätigt durch den Seufzer: „Schön, dass es mal wieder etwas live gibt“, vom Leiter der Kreismusikschule, Christoph Utz. Es war nicht nur nach langer Corona-Pause wieder einmal ein Konzert vor Publikum, sondern das erste von der KEB organisierte Konzert. Es soll der Grundstein für eine Konzertreihe werden, mit der die KEB die Türen der Kirche für Laien und Profis weit und einladend öffnen möchte.

x