Rhein-Pfalz Kreis Kopf über Herz
So richtig mit der Sprache will Landrat Clemens Körner noch nicht herausrücken, wo er sich ein neues Kreishaus vorstellen könnte. Aber: Es gibt 16 potenzielle Grundstücke für das neue Verwaltungsgebäude. Zehn davon liegen in der Stadt Ludwigshafen, sechs im Rhein-Pfalz-Kreis. Die Flächen sollen nun geprüft werden. Damit niemand Körner vorwerfen kann, eine Bauchentscheidung zu treffen.
Es ist ein kleiner Passus in der Beschlussvorlage der Kreisverwaltung, der womöglich doch tiefer blicken lässt. „Aus der Mitte“ des Kreises seien sechs Standorte mitgeteilt worden, heißt es da, die für einen möglichen Neubau des Kreishauses infrage kämen. Ob es sich bei dieser Mitte um die geografische Mitte des Rhein-Pfalz-Kreises handelt oder eher um die Gemeinschaft der Kreis-Kommunen, bleibt in der Sitzung des Kreisausschusses am Montag offen. Auch auf Nachfrage gestern Nachmittag hält sich Landrat Clemens Körner (CDU) weiter relativ bedeckt. „Es ist nicht Bobenheim-Roxheim“, sagt er nur, „und auch nicht Römerberg.“ Was als Idee in einer Sitzung des Bauausschusses begann – ein kompletter Neubau als Alternative zur Sanierung des bisherigen Gebäudes –, nimmt inzwischen konkretere Formen an (wir berichteten mehrfach). Doch Körner geht bei der Suche nach einem neuen Standort für das Kreishaus mit Bedacht vor. Er möchte keine Entscheidung treffen, für die er keine stichhaltige Argumentation liefern könnte, sagt er: „Wir dürfen den strengen Pfad der Abhandlung von Vorschlägen nicht verlassen.“ Zumal auch die Stadt Ludwigshafen aktiv wurde – und die Kreisverwaltung durchaus zum Bleiben motivieren möchte. Wenn schon nicht am Europaplatz, dann doch zumindest auf dem Stadtgebiet. Mittlerweile hat die Verwaltung zehn mögliche Grundstücke vorgeschlagen. Geht es nach Körner, sollen diese 16 Flächen nun von einem Architekturbüro geprüft werden. Hintergrund ist die DIN-Norm 18205, die sich mit der Bedarfsplanung im Bauwesen beschäftigt und Bewertungskriterien vorgibt. Dazu zählen etwa städtebauliche Vorgaben, Grundstücksbedingungen, die Wirtschaftlichkeit und die Finanzierung. Wenn das Büro alle 16 Möglichkeiten prüft, rechnet die Verwaltung mit Kosten von etwa 123.000 Euro. „Es gibt für alles eine DIN“, sagt Körner. „Aber 18205 ist besser als 08/15.“ Um welche Grundstücke in Ludwigshafen es sich handelt, sagt Körner nicht. „Darüber haben wir Stillschweigen vereinbart“, sagt er. Zum einen, weil es größtenteils private Grundstücke sind. Und zum anderen, weil es den Kaufpreis womöglich in die Höhe treiben könnte, wenn der Eigentümer weiß, dass sein Grundstück in Betracht gezogen und geprüft wird. Die Liste der Stadt-Flächen sei jedoch noch nicht final, sagt Körner. Am 8. November trifft er sich erneut mit Ludwigshafens Baudezernenten Klaus Dillinger, um zu verhandeln. Der Kreisausschuss ist derweil einverstanden, ein Architekturbüro mit der Prüfung der Flächen zu beauftragen. Bei der Frage, ob die Beurteilung bei allen 16 Optionen wirklich nötig ist, sind sich die Mitglieder uneins. „Würde es nicht reichen, nur fünf oder sechs Vorschläge in die engere Auswahl und die Prüfung zu nehmen?“, fragt etwa Jürgen Creutzmann (FDP). Er könnte sich vorstellen, dass die Kreis-Gremien diese Vorauswahl treffen. „Haben wir die Kompetenz, Standorte für eine Verwaltung beurteilen zu können?“, erwidert Peter Christ (CDU). Für Körner wäre es eine Möglichkeit, mit dem Architekturbüro eine stufenweise Prüfung zu vereinbaren, sodass am Ende wirklich nur die geeigneten Grundstücke in den Topf kommen. Aber klar ist für den Landrat auch: „Wenn die Stadt sagt, dass jedes Grundstück wichtig ist, kommen wir als Kreis nicht umhin, alle prüfen zu lassen.“ Körner möchte sich nicht vorwerfen lassen, vorab bereits eine Option ausgeschlossen zu haben. „Wir brauchen die Prüfung, um sagen zu können, dass wir nicht aus dem Bauch heraus entschieden haben“, sagt er. Denn sollte eine Kreis-Gemeinde den Zuschlag für das neue Kreishaus erhalten, muss das Gesetz geändert werden – aktuell ist der Sitz des Landrats Ludwigshafen. Und diese Änderung beschließt das Land. Alle Gespräche – mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion oder auch dem Innenministerium – hätten ihm gezeigt, dass die übergeordneten Gremien keine „strittigen Entscheidungen“ wollten. Es soll eine einvernehmliche Lösung her. Der Landrat lässt sich weiter nur bedingt in die Karten schauen, wo er das neue Kreishaus bauen möchte. Ihm gehe es darum, das Projekt „richtig abzuwickeln“. Sprich: Sich nicht angreifbar zu machen. Der Kopf soll und muss über das Herz siegen. Es sind vielmehr die Zwischentöne, die Aufschluss über seine Gedankenwelt geben. „Wir können nicht einfach entscheiden, einen Bauantrag in Mutterstadt, Schifferstadt oder Limburgerhof zu stellen“, sagt Körner. Und das klingt nun doch sehr nach der „Mitte des Kreises.“