Rhein-Pfalz Kreis Kontroverse um Bedarf für Jugendarbeit

Während die Ortsgemeinde Heßheim keinen Bedarf mehr für ein klassisches Jugendzentrum sieht und der Kleinniedesheimer Bürgermeister die offene Jugendarbeit nun ebenfalls infrage stellt, versichert Jugendpflegerin Carmen Wendel: „Jugendräume sind nicht out.“ Dem Sozialausschuss der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim hat sie über die Angebote berichtet.
Weil das Jugendpflegerteam 2016 zu dritt war (Carmen Wendel, Sabine Feickert und Christian Bach-Härdle) habe man Kindern und Jugendlichen ein vielfältiges Angebot machen können und neue Besucher in den Jugendräumen gewonnen. Bemerkenswert sei, dass ehemalige Jugendraumbesucher inzwischen ihre Kinder dorthin brächten. Das Ansehen der Jugendtreffs habe sich in den vergangenen Jahren verändert, berichtete Carmen Wendel. Sie seien keineswegs nur eine Anlaufstelle für Kinder, die mit sich nichts anzufangen wissen. „Wir bieten nicht nur Spiele, Abhängen und Chillen an“, so Wendel. Es würden auch persönliche oder familiäre Probleme besprochen. Sabine Feickert nannte ein Beispiel für ihre Jugendarbeit: Als Kunsterzieherin biete sie kreative Tätigkeiten ohne Vorgaben an, die sich positiv auf den Alltag der Kinder auswirkten. Sie förderten die Selbstorganisation, um ein Projekt durchzuziehen, und zwar vom Konzept über die Mittelbeschaffung bis zur Ausführung. Vorteilhaft war laut Carmen Wendel die Fusion der Verbandsgemeinde Heßheim mit der Gemeinde Lambsheim. Dadurch sei bisheriges Kirchturmdenken abgebaut worden: „Die Kinder pendeln, sie besuchen auch die Jugendräume in anderen Ortsgemeinden.“ Nach Lambsheim kämen sogar Kinder aus Kleinniedesheim – im Sommer mit dem Rad oder Bus, im Winter würden sie von den Eltern gefahren, die zum Teil dablieben und mitunter mitbastelten. An der Osterspaßwoche und der sechswöchigen Sommerferienfreizeit hätten jeweils 16 Kinder aus allen Ortsgemeinden teilgenommen. Wendel: „Bedarf für diese Angebote ist also da, wenn auch nicht in übergroßem Maße.“ Während die Herbstferienaktion ebenfalls erfolgreich gewesen sei, soll das Abenteuerwochenende nicht mehr stattfinden. Im vergangenen Jahr hätten sich nur zehn ehrenamtliche Betreuer für 80 Kinder gemeldet. Damit sei bei der Aufsicht ein „gewisses Niveau“ nicht mehr zu halten. Die Jugendpflegerin thematisierte kurz die unterschiedliche Auslastung der generell gut ausgestatteten Jugendräume. Es kämen zwischen zwei bis zwölf Kindern. Die Altersstruktur liege meist zwischen sechs und zwölf, in Beindersheim nähmen sogar 19- und 20-Jährige teil. Im Winter werde der Großniedesheimer Jugendraum von nur acht Kindern angesteuert, weil der Weg dahin ab 16.30 Uhr nicht mehr beleuchtet sei. Dagegen platze der Treff im Sommer mit bis zu 25 Besuchern fast aus allen Nähten. In Großniedesheim nutzen laut Wendel auch Flüchtlingskinder das Angebot. In Kleinniedesheim kämen zwischen drei und sechs Nutzer, darunter Kinder mit Migrationshintergrund und aus schwierigen Verhältnissen, bei denen Einzelförderung und Gespräche im Vordergrund stünden. Ortsbürgermeister Ewald Merkel (FWG) kommentierte den schwachen Zuspruch in Kleinniedesheim so: „Das ist mir auf Dauer zu wenig.“ Die Sach- und Personalkosten mit 10.000 Euro jährlich seien doppelt so hoch wie die Förderung der Vereine mit 700 Mitgliedern. Er frage sich, ob es nicht besser sei, den Kindern die Beiträge für den Gesang- oder Sportverein zu bezahlen. Carmen Wendel rechnete vor, dass ein Zehntel der geschätzten 40 Kleinniedesheimer Kinder im Alter zwischen sechs und elf Jahren das Angebot in Anspruch nähme: „Es rentiert sich für jedes einzelne Kind, das kommt.“ Auf den Hinweis, dass auch in Heßheim die Jugendarbeit anders geregelt sei, konterte Wendel: „Warum kommen dann Kinder aus Heßheim zu uns in den Nachbarort? Weil es in Heßheim nichts gibt.“ Weil die folgende Diskussion zwischen Bodo Voll (FWG) und der Jugendpflegerin auszuufern drohte, wurde sie vom Ausschussvorsitzenden Michael Hack (CDU) gestoppt: „Jede Gemeinde darf über ihre Jugendarbeit selbst entscheiden“, sagte er.