Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kommunaler Klimaschutz: Was noch getan werden soll

Fotovoltaik auf Freiflächen oder auf Dächern: Gerade für diese erneuerbare Energie sei die Gemeinde Bobenheim-Roxheim prädestini
Fotovoltaik auf Freiflächen oder auf Dächern: Gerade für diese erneuerbare Energie sei die Gemeinde Bobenheim-Roxheim prädestiniert, meinen Klimaschutz-Fachleute.

Fragen und Antworten: Mit einem auf sie zugeschnittenen Konzept will die Gemeinde Bobenheim-Roxheim in den nächsten Jahren mehr für den Klimaschutz tun. Der dafür zuständige Mitarbeiter der Verwaltung, Yann Pfeifer, hat Ratsmitgliedern und Bürgern kürzlich erläutert, wo die Kommune momentan steht und was sie noch tun könnte und sollte.

Was ist überhaupt ein Integriertes Klimaschutzkonzept für Kommunen?
So ein Papier ist eine Art Fahrplan für künftige Klimaschutzanstrengungen einer Gemeinde unter Einbeziehung ihrer Bürger. Es soll helfen, Deutschlands Ziel zu verwirklichen, den Ausstoß von Treibhausgasen im Vergleich zum Jahr 1990 schrittweise zu senken. In Rheinland-Pfalz soll die Klimaneutralität zwischen 2035 und 2040 erreicht werden. Deshalb bezuschusst das Land die Kosten externer Büros für die Erstellung von Konzepten und die Beschäftigung von Klimaschutzmanagern in den Kommunalverwaltungen mit bis zu 90 Prozent. In Bobenheim-Roxheim war ein Jahr lang Stefanie Klinner damit betraut, dann gab es eine längere Vakanz, bis die Klimaschutzstelle im Januar dieses Jahres mit Yann Pfeifer besetzt werden konnte.

Wie wurde in Bobenheim-Roxheim am Konzept gearbeitet?
Der externe Dienstleister EnergyEffizenz GmbH hat jede Menge Daten verarbeitet, eine Energiebilanz für den Ort erstellt und das Potenzial für Klimaschutzmaßnahmen analysiert. Pfeifers Aufgabe war es, einen Katalog von Maßnahmen zu erstellen, welche die Gemeinde in den nächsten drei Jahren umsetzen will.

Wie viel Energie wird in Bobenheim-Roxheim verbraucht?
Hier wurde das Jahr 2020 betrachtet, weil verlässliche Daten über Verbräuche immer nur mit Verzögerung verfügbar sind und die Corona-Pandemie sowie die Vakanz auf der Klimaschutzstelle für einen gewissen Stillstand sorgten. Die Werte haben sich in den vergangenen vier Jahren vermutlich verbessert. 2020 also wurden in der Gemeinde 173.000 Megawattstunden Energie verbraucht. Davon entfielen 71 Prozent auf die Erzeugung von Strom und Wärme und 29 Prozent auf den Sektor Verkehr. Private Haushalte waren zu 47 Prozent am Gesamtverbrauch beteiligt, der Verkehr zu 29 Prozent und Industrie, Gewerbe und Kommune zusammen mit 24 Prozent.

Was bedeutet dieser Verbrauch für den Treibhausgasausstoß?
173.000 Megawattstunden bedeuten laut Yann Pfeifer Emissionen von 52.700 Tonnen Kohlendioxid (CO2), das seien pro Einwohner 5,2 Tonnen. Der Bundesdurchschnitt im Bilanzjahr lag bei 7,3 Tonnen.

Wo sehen die Fachleute Einsparpotenziale in Bobenheim-Roxheim?
Im Stromsektor könnte die Gemeinde die Fotovoltaik vorantreiben. „Es gibt hier viele geeignete Flächen“, meint Pfeifer, „die könnte man alle zupflastern.“ Auch müsste seiner Ansicht nach die Erzeugung von Windenergie angegangen werden, „weil da der Wirkungsgrad sehr groß ist“. Ein gutes Beispiel ist die Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim, auf deren Boden verschiedene Unternehmen 17 Windkraftanlagen betreiben, die weit mehr Strom erzeugen, als in der VG verbraucht wird. Die Sanierung von Liegenschaften und die energieeffiziente Umrüstung der Straßenbeleuchtung sind ebenfalls sinnvolle Maßnahmen. Im Bereich Wärme liegen der Umstieg auf Wärmepumpen und Wärmenetze nahe. Im Verkehr lauten die Stichworte: Individualverkehr vermeiden und die Nutzung von ÖPNV, Fahrrädern und E-Fahrzeugen forcieren.

Die Gemeinde hat schon einiges auf den Weg gebracht, zum Beispiel die Rathaussanierung, moderne LED-Leuchten oder E-Carsharing mit Stromtankstelle. Welche Handlungsfelder liegen nach Auffassung der Experten noch gänzlich brach?
Die gesetzliche geforderte kommunale Wärmeplanung muss fortgeführt werden, und innerhalb der Verwaltung gibt es derzeit noch kein klimafreundliches Beschaffungswesen und noch kein kommunales Energiemanagement. Es gibt noch kein Konzept, wie man den innerörtlichen Radverkehr stärken kann, aber da gebe es im Gemeinderat unterschiedliche Auffassungen über die Notwendigkeit, sagt Yann Pfeifer. Für Kitas und Schulen könnte man ein Mobilitätsmanagement in Angriff nehmen.

Der Klimawandel erfordert nicht nur technische Lösungen, sondern auch Öffentlichkeitsarbeit und einen Bewusstseinswandel. Wird das im Konzept auch berücksichtigt?
Ja. Yann Pfeifer hat in dem Katalog von Projekten, für die es Zuschüsse gibt, wenn sie innerhalb von drei Jahren angegangen werden, eine individuell für Bobenheim-Roxheim zu entwickelnde Nachhaltigkeits-App notiert sowie Kampagnen für naturnahe Gärten, Artenvielfalt und nachhaltige Lebensmittel in Kitas und Schulen. „Das Thema klimafreundliche Landwirtschaft liegt mir sehr am Herzen“, sagt Pfeifer. „Da würde ich gern mit Landwirten in den Dialog kommen.“

Nach den jüngsten Wahlen in Deutschland und Europa steht zu befürchten, dass das Thema Klimaschutz politisch ins Hintertreffen gerät. Wie kann man dem entgegenwirken?
„Indem wir das Thema am Laufen halten und Wege aufzeigen, wie Klimaschutz umsetzbar ist“, sagt Pfeifer. „Wir müssen deutlich machen, dass es nicht nur um Verzicht geht.“ Er verfolgt einen pragmatischen Ansatz, um „die Leute abzuholen“. Die Öffentlichkeitsarbeit sieht er als wichtiges Aufgabengebiet innerhalb seiner Arbeit als Klimaschutzmanager. Sein Appell: „Wenn alle mehr Aufmerksamkeit für ihre Mitmenschen und die Umwelt hätten, wäre das schon mal ein guter Ansatz.“ Klimaschutz sei eine Gemeinschaftsaufgabe, „die man wollen muss“.

Zur Person

Yann Pfeifer ist 31 Jahre alt und wohnt in Gerolsheim. Er hat einen Masterabschluss in Umweltwissenschaften und in einem Ingenieurbüro gearbeitet, bevor er Mitte Januar in Bobenheim-Roxheim die Stelle des Klimaschutzmanagers antrat.

Klimaschutzmanager Yann Pfeifer.
Klimaschutzmanager Yann Pfeifer.
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