Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kolumne aus dem Corona-Homeoffice: Was man als Hauslehrerin noch alles lernen kann

Dank der Corona-Krise weiß „Hauslehrerin“ Vera Barth jetzt, dass Schmetterlinge mit den Füßen riechen.
Dank der Corona-Krise weiß »Hauslehrerin« Vera Barth jetzt, dass Schmetterlinge mit den Füßen riechen.

Endspurt vor den Osterferien. Ich habe meine hoffentlich letzte Woche als dauernörgelnde, ständig triezende, alles besser wissende Hauslehrerin hinter mich gebracht. Die Kinder dürfen mich jetzt gerne wieder Mama statt Fräulein Rottenmeier nennen.

Dabei werden mir die Schulaufgaben sogar ein wenig fehlen. Dank ihnen weiß ich jetzt, dass Schmetterlinge mit ihren Füßen schmecken können. Seitdem stelle ich mir ständig vor, wie es wäre, mit Zungen an den Füßen durch unser Haus zu wandern. Bei den aktuell zweifelhaften hygienischen Bedingungen daheim eine durchaus gruselige Vorstellung.

Kind 1 ist gut im Aufschieben von Pflichten

Kind 1 hat sich seinem Schicksal inzwischen mehr oder weniger ergeben und erledigt seine Aufgaben meist ohne vorherige theatralische Wutanfälle. Das Prokrastinieren, also das zwanghafte Aufschieben von Pflichten, beherrschen aber auch schon Siebenjährige. Mein Favorit unter den Ersatztätigkeiten: Statt die eigenen Schulaufgaben abzuarbeiten, entwirft die Ältere für Kind 2 aufwendige Arbeitsblätter. Inklusive anschließender drakonischer Benotung. Kind 1 wird, wenn die Schulen wieder öffnen, dem Stoff also hinterherhängen, dafür kann meine vierjährige Tochter dann lesen und rechnen.

In puncto Digitalisierung sind wir in der vergangenen Woche ein gutes Stück vorangekommen. Kind 1 hat jetzt ein virtuelles Klassenzimmer, lernt über eine App das Einmaleins. Erledigte Aufgaben können in eine Online-Schulbox zur Korrektur hochgeladen werden. Homeschooling 4.0. Das Problem? All das beschäftigt nicht nur Kind 1, sondern auch mich.

Stoppschild an der Bürotür

Denn eigenständig kann meine Grundschülerin die Angebote nicht nutzen. Allein schon deshalb, weil sie dafür meinen Laptop braucht. Sie wissen schon, das Ding, mit dem ich eigentlich arbeiten sollte. Aber seien wir ehrlich: Meinem Lohnerwerb gehe ich nur noch nach, wenn meine Töchter sich in einem anderen Bewusstseinszustand befinden. Sprich, wenn sie schlafen oder fernsehen.

Kein gemaltes Stoppschild an der Tür meines Arbeitszimmers ist groß genug, als dass die Kinder nicht doch in eine Telefonkonferenz hineinplatzen und fragen: „Was gibt’s zum Mittagessen?“ Ich hätte im Vorfeld genauer definieren sollen, wie so ein Notfall aussieht, der es erlaubt, mich beim Arbeiten zu stören. Mein Fehler. Vielleicht sollte ich doch auf Vollzeit-Fräulein-Rottenmeier umschulen. Die habe ich in den „Heidi“-Filmen nie parallel in einer Telefonkonferenz hängen sehen. Und als Hauslehrerin hätte ich jetzt auch wirklich Ferien.

Mutter zweier Töchter: Vera Barth.
Mutter zweier Töchter: Vera Barth.
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