Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kolumne aus dem Corona-Homeoffice: Auszeit mit Gaskocher und Schlafsack

Heißa hoppsasa: Auf dem Trampolinkissen dürfen Kinder Corona mal vergessen.
Heißa hoppsasa: Auf dem Trampolinkissen dürfen Kinder Corona mal vergessen.

Wir haben uns eine Auszeit gegönnt vom Homeoffice, vom immer noch stattfindenden Homeschooling und davon, das richtige Kind zur richtigen Zeit in die richtige Betreuungseinrichtung zu schicken. Kurzurlaub vom Corona-Wahnsinn sozusagen. Lokalpatriotisch, wie es Werbekampagnen des Landes Rheinland-Pfalz von uns verlangen, haben wir dafür noch nicht einmal die Grenze des Bundeslands überschritten. Wir haben das nur eine Dreiviertelstunde entfernte Gerbach im Donnersbergkreis angesteuert. Mit Zelt.

Seit fast 18 Jahren habe ich nicht mehr von einer Isomatte aus auf Zeltplanen gestarrt. Aber die Kinder sind Feuer und Flamme für den Plan, den wir mitten im Lockdown mit einer befreundeten Familie geschmiedet haben. Schon eine Woche bevor wir aufbrechen, schlafen sie in ihren heimischen Betten in den neu gekauften Schlafsäcken und verknoten ihre Finger im dunklen Zimmer, damit im Taschenlampenlicht Schattenfiguren an der Wand entstehen.

Wie putzt man mit Maske seine Zähne?

Ich dagegen bin skeptisch. Zimmerservice statt Gemeinschaftsdusche behagen mir eigentlich mehr. Aber ich gönne den Kindern das Abenteuer. Und so stürmen sie den Campingplatz mit Freudenschreien, hüpfen bis zur Erschöpfung auf dem dort vorhandenen Trampolinkissen, toben durch See und Fluss, bis ihre Lippen blau anlaufen, und verschlingen abends gierig die auf dem Campingkocher zubereiteten Nudeln mit Soße, als sei es ein Gourmetessen.

Ist das ein Idyll, in dem Corona nicht existiert? Nicht ganz. Auch auf dem Campingplatz prangen überall die Schilder, die zu Abstand mahnen und dazu anhalten, die Waschräume nur mit Maske zu betreten. Meine siebenjährige Logikpolizistin erkennt sofort den Schwachpunkt: „Wie soll ich mit Maske Zähne putzen?“

Ein bisschen Pandemiealltag muss auch im Urlaub sein. Ansonsten könnte man schließlich die Regeln verlernen. Für uns Eltern ist der Zeltausflug im Übrigen weniger entspannt. Klamme, stickige Zeltnächte in denen Kinderfüße einen unvermittelt im Gesicht treffen, sind einfach schwierig. Ich hätte in den nächsten Ferien gerne wieder ein richtiges Bett. Die Kinder dürfen von mir aus auf dem Balkon campen. Aber Zimmerservice gibt es dann nur für mich. Dafür öffne ich die Hotelzimmertür auch gerne mit Maske.

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