Fussgönheim RHEINPFALZ Plus Artikel Klein, aber fein – in der Bücherei finden vor allem Kinder zum Lesen

Seit knapp zwei Jahren leitet Gina Maragliano die Bücherei.
Seit knapp zwei Jahren leitet Gina Maragliano die Bücherei.

Die Fußgönheimer Gemeindebücherei ist ein Kleinod auf dem Land. Seit 1948 gibt es sie, und bis heute schaffen es die Ehrenamtlichen, vor allem Kinder für Bücher zu begeistern.

Die Bibliothek – das ist „nur“ ein großer Raum im Rathaus, prall gefüllt mit Büchern, mit einem Tisch zum Spielen und Basteln für Kinder und einem kleinen Schreibtisch für die Mitarbeiterinnen. „Man weiß nie, was während der Öffnungszeiten los ist, manchmal kommen in drei Stunden nur drei Leute, manchmal ist der Raum die ganze Zeit voll“, erzählt Gina Maragliano, die seit Januar 2022 die Bücherei leitet. Die Chemielaborantin, die inzwischen Hausfrau und Mutter ist, war während der Elternzeit häufig mit ihren Kindern hier, um Bücher zu Vorlesen zu suchen. Irgendwann habe die damalige Leiterin Simone Seel-Ehrhardt sie gefragt, ob sie ihre Stelle übernehmen möchte. Und Gina Maragliano hat ja gesagt. Mit Katja Bößhenz betreut sie seitdem die Bücherei.

Geöffnet ist an zwei Nachmittagen pro Woche jeweils für drei Stunden. Das sei aber nur ein Teil der Arbeit, betont Gina Maragliano. Einmal im Monat kommen für vier Stunden die Fußgönheimer Grundschüler in die Bücherei. Die Büchereileiterin sucht dann mit den Kindern Bücher aus, und es wird gelesen. Außerdem organisiert und betreut das Bücherei-Team Veranstaltungen. Derzeit beliebt sind die Krimi-Dinner für Erwachsene. „Die kommen sehr gut an“, berichtet Gina Maragliano. Und dann gibt es da noch genügend Organisations- und Verwaltungsarbeit.

In der Pandemie habe sich die Anzahl der Nutzer und der Besuche deutlich reduziert, erzählt Gina Maragliano. Doch seit vergangenem Jahr gehe es wieder aufwärts. 103 Nutzer sind registriert, davon hätten sich 33 im vergangenen Jahr neu angemeldet. 1570 Besuche wurden 2023 gezählt und 3158 Bücher verliehen. Etwa zwei Drittel der Besucher seien Jungen und Mädchen bis zwölf Jahre.

Comics für den Einstieg

Zu ihnen gehört die zehnjährige Neila. Sie komme oft in die Bücherei, meistens mit Freundinnen, heute sei sie aber allein, erzählt das Mädchen. „Wir haben zuhause genug Bücher“, sagt Neila, trotzdem leihe sie sich immer wieder welche aus. Außerdem komme sie gern zu den Bastelaktionen, die meist zusammen mit dem Förderverein für Kinder und Jugendliche angeboten werden. Auch gibt es Mal-Wettbewerbe und eine Dorfrallye für Kinder in den Sommerferien.

„Das ist total toll, das habe ich auch gelesen“, sagt Gina Maragliano und zeigt einem Jungen, der unschlüssig durch die Regalreihen läuft, ein Buch. Er sei mit der Schule das erste Mal in die Bücherei gekommen, inzwischen schaut er öfter vorbei und will sich nun das erste Mal ein Buch ausleihen.

Gina Maragliano ist es ein Anliegen, Kinder mit Büchern vertraut zu machen, deshalb sind ihr die Vormittage mit den Grundschülern sehr wichtig. Aber die Anzahl der Grundschüler hat zugenommen, mittlerweile reiche der Platz nur noch für die Hälfte der Klassen, so dass jede Klasse nur noch alle zwei Monate die Bücherei besuchen kann. Gina Maragliano bedauert das, doch ihr Stundendeputat gebe nicht mehr her. Bei den Klassenbesuchen muss sich jedes Kind ein Buch ausleihen. Die Büchereileiterin fragt die Kinder, was sie mögen, empfiehlt ihnen Bücher. „Kinder, die nicht lesen und denen nicht vorgelesen wird, gebe ich oft erst einmal einen Comic“, erzählt sie. Jungs könne man zum Beispiel mit den Bänden aus der Minecraft-Reihe gewinnen.

Nutzer dürfen sich Bücher wünschen

Bücher zum Vorlesen sucht das Ehepaar Külker, das gern ihren Enkeln vorliest. „Wir finden hier immer etwas, vor 30 Jahren sind wir schon mit unseren Kindern gekommen“, erzählt das Ehepaar. Damals war Siegrun Reifenstein die Leiterin, 29 Jahre lang, bis 2015 hat sie sich um die Bücherei gekümmert.

Wenn Gina Maragliano neue Kinderbücher bestellt, achtet sie stets darauf, dass sie die Fortsetzungen zu Reihen kauft und die Wünsche der jungen Leser erfüllen kann. „Die sagen deutlich, was sie wollen“, so ihre Erfahrung. Für Erwachsene gibt es in der Bücherei überwiegend Romane. Sachbücher wie Kochbücher oder Bücher zu den Themen Psychologie, Gesundheit und Gartengestaltung werden vier Mal pro Jahr ausgetauscht und neue beim Landesbüchereizentrum ausgeliehen. Zwei Regalreihen an „Ladenhüter“, diese Heimatkunde-Bücher, seien im vergangenen Jahr aussortiert worden. Die Präferenzen ändern sich eben, aber die Bücherei bleibt hoffentlich noch viele weitere Jahrzehnte bestehen.

Noch Fragen?

Die Gemeindebücherei Fußgönheim in der Amtsstraße 10 ist dienstags von 15 bis 18 Uhr und donnerstags von 16 bis 19 Uhr geöffnet und unter Telefon 06237 925729 erreichbar.

Das Bücherei-Team hat den großen Raum im Rathaus liebevoll eingerichtet, einmal im Monat schauen die Schulkinder vorbei.
Das Bücherei-Team hat den großen Raum im Rathaus liebevoll eingerichtet, einmal im Monat schauen die Schulkinder vorbei.
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