Rhein-Pfalz Kreis Klangkaskaden in der Kultur-Kapelle
«Limburgerhof.»Mitreißende Musik, ein begeistertes Publikum und eine fantastische Akustik, mit der sich das ehemalige Gotteshaus als würdiger Spielort erwies: Die Musiker Luciano Maia und Gabriel Selvage haben als Duo „Balaio de Sons“ auf Einladung des Vereins Ensemble Park Limburgerhof (Enpali) in der Kultur-Kapelle einen Abend geboten, an dem einfach alles stimmte.
„So ein Klangfeuerwerk und ein enthusiastisches Publikum hat unser Kapellchen“, wie Monika Werra die Kultur-Kapelle liebevoll nennt, „in seiner über 100-jährigen Geschichte sicher noch nicht erlebt!“ Werra ist bei Enpali für die Organisation der Veranstaltungen in der Kapelle verantwortlich. Die Begeisterung kam nicht von ungefähr – durfte das Publikum doch echte Stars aus dem Süden Brasiliens erleben. Während Gabriel Selvage ein Meister auf der siebensaitigen, für die brasilianische Musik typischen Gitarre ist, genießt sein kongenialer Partner Luciano Maia am Akkordeon auch landesweiten Ruhm. Zurzeit treten sie international als Duo „Balaio de Sons“ auf. Das bedeutet „Korb der Klänge“, und dieser Korb ist reich gefüllt: Neben Flamenco-Anschlägen machen Samba-Rhythmen die Füße unruhig, und der Walzer kommt in irrem Tempo und reich verziert daher. Und vernimmt das deutsche Ohr da nicht vertraute Klänge? Gewiss. Schließlich ist Brasilien ein Einwanderungsland, und besonders im Süden haben sich ab dem 18. Jahrhundert viele Deutsche niedergelassen. So lässt Selvage zeitweise die Gitarre wie eine Zither klingen, während Maia seiner „Pampiana“ alpenländisch anmutende Klänge entlockt. Man muss kein Fachmann sein, um die Virtuosität der beiden Musiker zu erkennen. Sie lassen ihre Instrumente manchmal gegenläufig, dann wieder gemeinsam und korrespondierend erklingen – wie Gesprächspartner, die sich angeregt unterhalten. „Musik ist in unserer Region sehr wichtig“, sagt Selvage. „Sie ist Kommunikation“. Das ist sie auch in der Kapelle. Denn die Musik von Maia und Selvage ist zwar akademisch-anspruchsvoll mit komplizierten Rhythmen und Tonfolgen; gleichzeitig ist sie im ganzen Körper spürbar. Sie lässt die fröhliche, stets tanzbereite Welt der Gauchos erleben, um gleich darauf zu melancholischen Momenten zu wechseln. Dabei interpretieren Maia und Selvage sowohl traditionelle Stücke als auch Eigenkompositionen. Wer glaubte, nach der Pause sei keine Steigerung mehr möglich, irrte sich gewaltig. Zunächst bewies das Duo auch gesangliche Stärken: Luciano Maia gab den „Erben der armen Pampa“ (Heirderos de pampa pobre) seine Stimme, Gabriel Selvage besang im Lied „Potro sem dono“ (Esel ohne Besitzer) die Freiheit. So, wie sich die beiden auf einem Festival in Rio de Janeiro kennen gelernt hatten, machte auch Musiker Bernhard Vanecek, Mitglied bei Enpali, die Bekanntschaft von „Balaia de Sons“ auf einem Festival. Daraus entstand eine Freundschaft. Vanecek lud „Balaio de Sons“ in die Kapelle ein, diese wiederum baten ihn spontan bei ihrem Auftritt auf die Bühne. Für einen Profi kein Problem – mühelos fand er seinen Solopart auf der Posaune in „Merceditas.“ Nach zwei Zugaben, zu denen alle klatschen, pfeifen und singen durften, bekam Luciano Maia ein nachträgliches Geburtstagsständchen vom Publikum, und als Geschenk des Hauses gab’s für die Musiker Bier. „We love german beer“, bekräftigte Selvages, und auch Maia lässt für einen guten Gerstensaft gerne mal den stets präsenten Becher Mate stehen.