Dannstadt-Schauernheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kita-Neubau: Grüne sprechen von Fehlplanung

Für die Kita soll ein Teil des Außenbereichs an der Kurpfalzschule geopfert werden.
Für die Kita soll ein Teil des Außenbereichs an der Kurpfalzschule geopfert werden.

Da es nicht genügend Betreuungsplätze im Dorf gibt, muss die Ortsgemeinde drei weitere Kita-Gruppen schaffen. Das möchte sie mit einem Neubau bei der Kurpfalzschule tun. So hat es die Ratsmehrheit entschieden. Diese Entscheidung kritisieren die Grünen nochmals im Nachgang an die Sitzung – der Standort sei einfach der falsche.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Grünen im Nachgang an eine politische Sitzung noch mal gesondert äußern und ihre Argumente darlegen, warum sie gegen den Kita-Neubau bei der Kurpfalzschule sind. Dabei beharren sie besonders auf folgenden sieben Punkten.

Enge Zufahrt: Die einzige Zufahrt zur neuen Kita erfolge über ein Nadelöhr: die Kreuzung Haardt-, Kant- und Kurpfalzstraße. Sie alle seien an dieser Stelle eng und schwer einsehbar, die Voraussetzungen für einen gefahrlosen Ablauf des Verkehrs folglich schlecht, argumentieren Almut Schaab-Hehn und Ralf Klein, die Vorsitzenden des Gemeindeverbands Dannstadter Höhe von Bündnis 90/Die Grünen.

Furcht vor Verkehrschaos

Elternverkehr: Die Verkehrssituation sei ohnehin schon problematisch und werde sich durch das Vorhaben noch verschärfen. Denn die benachbarte Kita Sonnenschein im ehemaligen Hauptschultrakt der Kurpfalzschule besuchten derzeit bereits 100 Jungen und Mädchen plus 40 Hortkinder. Dazu kämen dann mindestens 75 Kinder in der neuen Kita – bei einer eventuellen Erweiterung auf sechs Gruppen bis zu 150. Und das alles vor dem Hintergrund steigender Schülerzahlen, der bevorstehenden, vorübergehenden Unterbringung der Schauernheimer Grundschüler in der Kurpfalzschule und verbunden mit dem jeweiligen Hol- und Bringverkehr der Eltern. Darüber hinaus werde der Verkehr in der Haardtstraße bald durch Baustellen beeinträchtigt: für die neue Kita sowie für das geplante Rückhaltebecken. „Das Verkehrsproblem wurde auch im letzten Schulträgerausschuss äußerst kritisch gesehen“, schreiben die Grünen.

Parken: Für den Kita-Neubau würden die Parkmöglichkeiten auf der Haardtstraße wegfallen, dafür sollten Parkbuchten rings um die Kita entstehen. Diese seien jedoch auch für die Anwohner gedacht. „Da stellt sich die Frage, wo Eltern sowie Erzieherinnen parken sollen“, monieren Schaab-Hehn und Klein und kommen zu dem Schluss: „Aus verkehrspolitischer Sicht schätzen wir das Bauprojekt als Fehlplanung ein.“

Warum keine Kita in Schauernheim?

Unfaire Verteilung: In Dannstadt gebe es vier Kitas mit 16 Gruppen, in Schauernheim nur eine mit vier Gruppen. Eine zusätzliche Kindertagesstätte in Dannstadt verstärke diese Schieflage bei den Betreuungsangeboten noch und benachteilige die Schauernheimer Eltern. „Eine faire und ausgeglichene Ortsentwicklung sieht anders aus“, finden die Grünen.

Naturopfer: Für den Kita-Neubau bei der Schule werde ein Teil des Naturrasenplatzes sowie alter Baumbestand geopfert, der mit seinem Mikroklima den Klimawandel für die Kinder erträglicher hätte gestalten können, sagen Schaab-Hehn und Klein.

Schulbedürfnisse: Da die Schauernheimer Grundschule in die Kurpfalzschule ausgelagert werde, sei es kein gutes Zeichen, die Sport- und Bewegungsmöglichkeiten einzuschränken und den Sportplatz der Schule zu halbieren.

Alternative an der Kleinen Wolke

Alternative: Die Grünen werben weiter für ihren Vorschlag, die benötigten Gruppen bei der Kita Kleine Wolke in der Weinbietstraße bereitzustellen. Entweder provisorisch als Containerlösung, bis in Schauernheim ein Areal für eine Kita gefunden wäre. Oder: Die Kita Kleine Wolke um drei Gruppen zu erweitern. So wie es die Kommune mal vorhatte, bis die CDU die Idee mit der Kita bei der Schule vorstellte. Selbst der Ausbau Kita Kleine Wolke ist den Grünen zufolge wesentlich günstiger als der geplante Neubau, der voraussichtlich 2,75 Millionen Euro kosten wird.

Wie sie zu dieser Einschätzung kommen, ist unklar. Denn auf Nachfrage der RHEINPFALZ teilt Ortsbürgermeisterin Manuela Winkelmann (CDU) mit, dass Architekt Michael Klee drei mögliche Ausbauvarianten der Kita Kleine Wolke ausgearbeitet hatte. Deren reine Baukosten reichten von 1,7 bis 2,45 Millionen Euro. Dazu kämen etwa noch Ingenieurleistungen sowie Kosten für die Innenausstattung. Je nachdem, für welche Variante sich der Rat entschieden hätte, wäre die Erweiterung der Kita Kleine Wolke die Gemeinde also ähnlich teuer oder sogar noch teurer zu stehen gekommen.

Kommentar: Fragwürdige Idee

Die neuen Kita-Gruppen lieber bei der Kita Kleine Wolke in der Weinbietstraße zu schaffen, würde das Problem nicht lösen, sondern verlagern und dann eben dort die ebenfalls schon schwierige Verkehrs- und Parkplatzsituation verschärfen. Denn neben der Kita befinden sich eine Apotheke, eine Bäckerei, ein Obst- und Gemüseladen, in der Nähe eine Physiotherapie- und eine Arztpraxis sowie ein Restaurant. Zudem findet hier freitags der Markt statt. Das alles bedeutet viel Kunden- und Lieferverkehr. Wie die Lage für die Kinder hier sicherer sein soll als an der Kurpfalzschule, wenn noch zusätzliche Elterntaxis anrollen, bleibt das Geheimnis der Grünen. Dass sie sich nun um Parkplätze für Eltern sorgen, verwundert sehr, da Almut Schaab-Hehn einst selbst sagte: „Es gibt einen Rechtsanspruch auf Kita-Plätze, nicht auf Parkplätze.“ Zu Recht weisen sie und Ralf Klein zwar auf die Belastung der Anwohner in der Haardtstraße hin. Was aber ist mit den Anwohnern der Kita Kleine Wolke? Nicht zuletzt erscheint ihre provisorische Lösung nicht kinderfreundlich. Die läuft nämlich auf Container hinaus, und zwar solange, bis die Gemeinde – vielleicht – eines Tages ein geeignetes Grundstück in Schauernheim kaufen und darauf eine Kita bauen kann. Das würde selbst im besten Fall mehrere Jahre dauern. Manche Kinder würden wohl ihre gesamte Kita-Zeit in einem Container verbringen.

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