Rhein-Pfalz-Kreis
Kirchengemeinden in Geldnöten
Warum die Gemeinden in die finanzielle Misere geraten, erklärt Dekan Frank Aschenberger von der Pfarrei Heiliger Christophorus Waldsee, zu der die fünf Gemeinden Altrip, Limburgerhof, Neuhofen, Otterstadt und Waldsee gehören. Geld für die Gemeinden gibt es aus drei Quellen. Eine ist der Anteil an Kirchensteuern, den das Bistum weiterleitet. Eine andere sind Spenden und Kollekten. Die dritte und einzige relativ stabil gebliebene Einnahmequelle ist die Ortskirchensteuer, die anhand der Grundsteuer den Kirchengemeinden direkt zufließt.
Dass Spenden und Kollekten seit einem Jahr massiv einbrechen, liegt auf der Hand: Gottesdienste finden im Moment gar nicht statt und wenn doch, dann mit deutlich weniger Teilnehmern. Diejenigen, die noch kommen, geben zwar mehr als früher, trotzdem brachen Spenden- und Kollekteneinnahmen in der Pfarrei Heiliger Christophorus im vergangenen Jahr um über 60 Prozent ein. „In den kleineren Gemeinden unserer Pfarrei reichen die Kollekten der Gottesdienste nicht mal dafür, den Organisten zu zahlen. Noch nicht einmal an Weihnachten“, macht Aschenberger klar.
Viel weniger Geld zur freien Verfügung
Ähnlich massiv ist der Einbruch bei den Schlüsselzuweisungen. Das ist der Anteil der Kirchensteuer, den eine Kirchengemeinde zur freien Verfügung bekommt. Davon wird finanziert, was man für die Gottesdienste braucht, Kerzen und Messwein zum Beispiel. Dazu kommt unter anderem noch der Anteil an Strom, Wasser und Heizungskosten, der durch Kirchenstiftungen nicht abgedeckt ist, ferner die Miete und Nebenkosten für das Pfarrbüro wie Telefonkosten, Internet, Verbrauchsmaterial. Bezahlt werden davon außerdem Reinigungskräfte, Hausmeister, nicht refinanzierte Sachkosten für die Kitas, Organisten und Kirchenchöre, Zuschüsse für Messdieneraktionen und Aktionen in der Gemeinde.
Diese Schlüsselzuweisungen machen nur einen ganz kleinen Teil dessen aus, was Arbeitnehmer an Kirchensteuer zahlen. Nach Angaben von Bistums-Sprecher Markus Herr bekommt die Gemeinde von 100 Euro eingenommener Kirchensteuer 2021 gerade mal 4,40 Euro als Schlüsselzuweisung. Im vergangenen Jahr waren es noch 7,60 Euro. Um das zu verstehen, muss man wissen, was mit den Kirchensteuereinnahmen passiert.
Und dann noch die Kürzung des Bistums
Rund 55 Prozent der Kirchensteuereinnahmen bekommt die Kirchengemeinde – allerdings nicht direkt aufs Konto, sondern etwa als Dienstleistungen. Beispiel: Das Bistum übernimmt Verwaltungsaufgaben und bezahlt die Seelsorger. Zieht man das alles ab, blieben bisher 30 Prozent der Kirchensteuereinnahmen übrig für die Finanzierung der Kirchengemeinden. Bezahlt werden damit vor allem fixe Posten wie Personalkosten für Pfarrsekretärinnen, einen Teil der Personalkosten für Erzieherinnen, ein Teil der Baukosten für Kitas und kirchliche Gebäude. Was dann noch übrig bleibt, sind die Schlüsselzuweisungen. Und die werden aus zwei Gründen drastisch reduziert.
Zum einen brechen die Kirchensteuereinnahmen massiv ein. Gründe dafür sind Kirchenaustritte, aber auch die Tatsache, dass die Babyboomer-Generation langsam ins Rentenalter kommt und so weniger Kirchensteuer zahlt. Auch die Corona-Pandemie spielt da mit rein, denn wer weniger verdient, zahlt weniger Steuern.
Zum anderen kürzt das Bistum, wie angekündigt, den Anteil an Kirchensteuereinnahmen, den die Kirchengemeinden direkt bekommen, um fünf Prozent. Statt 30 Prozent bekommen die Gemeinden nur noch 28,5 Prozent. Die Fixkosten bleiben aber die gleichen. Die einzige Stellschraube sind also die Schlüsselzuweisungen.
Ein Kuchengleichnis
Wer es jetzt noch nicht so recht verstanden hat, für den hat Aschenberger das Kuchengleichnis parat: „Stellen Sie sich vor, jedes Jahr gibt’s einen großen Kuchen (die Kirchensteuereinnahmen), der zehn Kilo wiegt. Davon bekommen Sie für Ihre Familie 30 Prozent, also drei Kilo ab (der Anteil für die Kosten der Pfarrei). Von dem bekommt die Verwandtschaft zwei Kilo ab (die Fixkosten). Dann bleibt für Sie noch ein Kilo Kuchen übrig (die Schlüsselzuweisung). In diesem Jahr wiegt der große Kuchen jedoch nur noch neun Kilo und der Kuchenspender gibt Ihrer Familie davon auch nur noch 28,5 Prozent ab. Das sind dann rund 2,6 Kilo. Die Verwandtschaft besteht aber nach wie vor auf ihre zwei Kilo und für Sie bleibt damit nur noch ein gutes Pfund übrig. Der Kuchen an sich wird also kleiner, der Anteil für die Familie wird kleiner, aber die Tanten und Onkel essen so viel wie immer.
In Zahlen bedeutet das für die Pfarrei Heiliger Christophorus: 2020 gab es 206.000 Euro planmäßige Schlüsselzuweisungen, 2021 sind es noch 107.000 Euro. Darüber hinaus rechnet die Pfarrei mit 21.500 Euro Spenden und Kollekten (vor Corona waren es 55.000 Euro) und 25.000 Euro Ortskirchensteuer.
Die absoluten Zahlen zeigen: Nach den zugegeben fetten vergangenen Jahren – was die Kirchensteuereinnahmen betrifft – haben jetzt die mageren Jahre begonnen. „Und in Zukunft wird es nur noch magere Jahre geben“, sagt Aschenberger.