Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kiosk am Nachtweideweiher: Treffpunkt der Entspannten

Bananenpflanzen im Topf und Markisen für schlechtes Wetter: Michael Galambos vor seinem Kleinod.
Bananenpflanzen im Topf und Markisen für schlechtes Wetter: Michael Galambos vor seinem Kleinod.

Seit dem Sommer 2023 gibt es am Nachtweideweiher einen neuen Pächter für den Kiosk. Der Ort ist seitdem nicht mehr wiederzuerkennen. Für die Gemeinde ist es ein Glücksfall, auch weil der Pächter sich über den normalen Kioskbetrieb hinaus engagiert.

Die Bäume am Ufer des Nachtweideweihers wiegen hin und her. Ein kräftiger Herbstwind schüttelt ihre Kronen durch. Doch an einem der letzten Tage im September hat die Sonne noch mal ein Wort mitzureden – dank ihr ist ein Treffen mit Michael Galambos an seinem Arbeitsort möglich. Es ist später Vormittag und Galambos sitzt auf einer Bierbank, windgeschützt unter dem Vordach seines Kiosks. Vor ihm der Laptop, daneben ein Becher Kaffee. Der 46-Jährige zündet sich eine Zigarette an. Die Saison ist nun vorbei, Zeit zum Reflektieren.

Vor etwa anderthalb Jahren hat er einen Pachtvertrag mit der Gemeinde Bobenheim-Roxheim über den Kioskbetrieb am Nachtweideweiher geschlossen. Heute sitzt da ein Mann, der seine Entscheidung nicht bereut zu haben scheint. „Die Gäste, die hierherkommen sind entspannt, diese gute Laune steckt an“, sagt der Bobenheim-Roxheimer, der noch etwas müde wirkt. Von Mai bis September war er je nach Wetterlage dienstags bis sonntags zwischen 12 und 22 Uhr im Einsatz, um Gäste zu bedienen. Trotz des wetterbedingten Auf und Ab in dieser Saison sei die Anzahl der Gäste im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Zu Spitzenzeiten habe er täglich mit bis zu sechs Aushilfen gearbeitet.

Mittlerweile kann er auf ein Team von rund zehn Personen zurückgreifen, wenn er Unterstützung für den Kiosk mit dem Namen N8weide benötigt. Fast alle seine Helfer, vor allem junge Menschen, sind aus Bobenheim-Roxheim. Die ansteckende gute Laune der Weihergäste gebe ihm die Energie, das tägliche Programm durchzuziehen – in der Hauptsaison arbeite er oft sechs bis sieben Tage am Stück. An Ausschlafen ist trotz der späten Öffnungszeiten nicht zu denken. Vormittags trifft man Galambos oft im Großhandel, wo er einkauft, um Vorräte aufzustocken.

Er hat es, auch mit Unterstützung der Gemeinde und von Freunden, geschafft, aus dem unscheinbaren Kiosk einen farbenfrohen Treffpunkt für ganz verschiedene Menschen zu machen. Vormittags seien in der Hauptsaison meist Rentner am Weiher, nachmittags Eltern mit ihren Kindern, und nach Feierabend schaut der eine oder andere noch für ein Getränk vorbei. Tagsüber regele mancher Gast auch schon mal Dienstliches – Steckdosen und W-Lan sei Dank, kann hier mit dem Laptop gearbeitet werden.

Zumal Galambos inzwischen Markisen angeschafft hat, die vor zu viel Sonne auf dem Monitor und zu viel schlechtem Wetter schützen. „Das ist wie ein Beach Office“, scherzt ein Spaziergänger, der um die Mittagszeit öfter hier ist. Das Außengelände ist nicht wiederzuerkennen, seitdem Galambos es übernommen hat. Dahinter stecken jede Menge Arbeitseinsätze. Für seine Angelleidenschaft – Galambos hatte eine Zeit lang ein Angelsport-Fachgeschäft im Ort – hat er deshalb zwar kaum noch Zeit. Doch er scheint in seiner neuen Rolle aufzugehen.

Zehn Jahre hat Galambos in der Sektkellerei Schloss Wachenheim gearbeitet, hat dort seine Ausbildung und ein Duales Studium im Bereich Marketing absolviert. Angefangen im Vertrieb, wechselte er später ins Marketing und war dort nach eigenen Angaben unter anderem für Veranstaltungen zuständig. Dem folgten Jahre, in denen er sich einen Online-Shop für Angelbedarf aufbaute und parallel im Außendienst als Handelsvertreter für Angelbedarf arbeitete, dort jedoch viel mit dem Auto unterwegs war. Vor etwa anderthalb Jahren erklärte er der RHEINPFALZ: „Wenn man so viel mit dem Auto unterwegs ist, weiß man, was Heimat bedeutet.“ Es sieht aus, als wäre er angekommen.

Ab Oktober hat sein Kiosk zwar nicht mehr regelmäßig geöffnet, dennoch steht einiges auf der Kreidetafel, die hinter seinem Rücken hängt: In Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen, unter anderem mit Johannitern, Pfadfindern oder auch dem Sportclub, gibt es an jedem Sonntag im Oktober einen Kuchenverkauf für die Vereinskassen. Galambos stellt die Location, den Rest machen die Vereine. Für den 19. Oktober ist ein Pfälzer Abend geplant, am 16. November wird, nicht zum ersten Mal, ein Wildschwein gegrillt. Dieses werde in diesem Jahr aus Nordbayern kommen, aufgrund der gerade grassierenden Afrikanischen Schweinepest.

Ist das Herbstprogramm durch, kehrt bis zum Jahreswechsel etwas Ruhe ein. „Ich brauche das, um wieder Energie zu tanken“, sagt der Pächter. Wintervorbereitungen, Reparaturen und Planungen für das kommende Jahr werden ihn trotzdem beschäftigen. Wenn die neue Saison startet, könnte das mit einem Beachvolleyball-Turnier geschehen. Das schwebt Galambos vor, wenn er an das in Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung realisierte Beachvolleyball-Feld denkt, das sich seit Kurzem hinter dem Kiosk befindet.

Eine Bereicherung ist sein Unterfangen für die Gemeinde auch deshalb, weil er als Mitglied des Gewerbevereins an den Höhepunkten im Kalender teilnimmt. Er hat sich unter anderem beim Gondelfest, der Kerwe und bei der Serata Italiana mit kulinarischen Ständen eingebracht. Zur Fußball-Europameisterschaft war er eine der wenigen öffentlichen Anlaufstellen im Ort, an denen Fans die Spiele der deutschen Nationalmannschaft sehen konnten.

Eines möchte er bei all seinen Aktivitäten jedoch nicht: Live-Musik am Weiher. Einzige Ausnahme: Zu Saisonbeginn und -ende tritt die Sängerin Marion La Marché auf.

Das Beachvolleyball-Feld ist mithilfe der Gemeinde realisiert worden.
Das Beachvolleyball-Feld ist mithilfe der Gemeinde realisiert worden.
Dornröschenschlaf: So sah die Hütte aus, kurz bevor Michael Galambos sie übernahm.
Dornröschenschlaf: So sah die Hütte aus, kurz bevor Michael Galambos sie übernahm.
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