Rhein-Pfalz Kreis Kinderzimmer gegen Urwald tauschen
«Bobenheim-Roxheim.» Manche Schüler fangen nach dem Abitur direkt an zu studieren, andere nehmen sich erst einmal eine Auszeit. Nils Lange aus Bobenheim-Roxheim hat letzteres gewählt. Doch die kommenden elf Monate möchte er sinnvoll nutzen und dabei etwas Gutes tun. Am Sonntag fliegt der 18-Jährige nach Pucallpa in Peru. Dort hilft er in einem vom Bund geförderten Freiwilligenprogramm bei der Aufforstung des Regenwaldes mit.
Das heimische Kinderzimmer in Bobenheim-Roxheim tauscht der Abiturient dann gegen eine kleine Hütte mitten im peruanischen Regenwald. Dort wird er gemeinsam mit einem weiteren Teilnehmer aus Heidelberg für knapp ein Jahr wohnen. Zu den täglichen Aufgaben der beiden Jungs wird die Betreuung eines botanischen Gartens gehören, der auf einer mehrere Hektar großen Fläche abgeholzten Regenwalds entstanden ist. Daneben soll Lange vor Ort auch Führungen für Studenten und andere Gruppen organisieren. „Wir sollen den Menschen dort helfen, ein Umweltbewusstsein zu entwickeln“, erzählt Lange von seinen künftigen Tätigkeiten. Dass sich der 18-Jährige für einen Freiwilligendienst im entfernten Ausland entschieden hat, überrascht seine Eltern nicht. Schon während der Schulzeit engagierte sich Nils Lange vielfältig. So war er nicht nur Schülersprecher am Frankenthaler Albert-Einstein-Gymnasium sondern auch noch bei den Schulsanitätern, in der Schulband und im Chor aktiv. In seiner Freizeit hilft er in der Kleiderkammer des Sozialvereins Kunterbunt. „Und das Fernweh hat mich auch schon früh gepackt“, berichtet er von Urlauben etwa in Island oder Kambodscha. Dass es nun nach Peru gehe, sei eher dem Zufall geschuldet. „Ich habe im Internet einfach das Formular zur Bewerbung ausgefüllt und wurde zum Auswahlseminar eingeladen“, erzählt der 18-Jährige. Organisiert wird die Reise vom Verein ecoselva, der sich dem Erhalt des Regenwalds in Lateinamerika verschrieben hat. „Eigentlich wollte ich eher in die Dominikanische Republik, aber dann durfte ich bei dem Auswahlseminar ein Referat über die Arbeit in Peru halten und da wusste ich, dass ich genau das machen will“, berichtet Lange. An dem Projekt habe ihn besonders gereizt, dass er hautnah mit erleben könne, welche Folgen der westliche Lebensstil andernorts habe. „Ich möchte mir eine eigene Meinung bilden und außerdem wollte ich schon immer einmal den Urwald sehen“, erzählt er lachend. Nils Lange fährt im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit geförderten entwicklungspolitischen Freiwilligenprogramms „weltwärts“ nach Peru. Drei Viertel der anfallenden Kosten in Höhe von 10.400 Euro werden dabei aus Bundesmitteln finanziert, den Rest sollen die Teilnehmer über Spenden einnehmen. Dazu hat der 18-Jährige bereits kräftig die Werbetrommel im Freundes- und Bekanntenkreis gerührt. Auch mit einer Fundraising-Kampagne im Internet hat er bereits Unterstützer gefunden. Um weiter auf sich und seine Aktion aufmerksam zu machen, hat Lange auch einen Blog eingerichtet, auf dem er regelmäßig von seinen Aufgaben in Peru berichten will. Nun heißt es für den Bobenheim-Roxheimer Koffer packen. Am Sonntag geht sein Flug nach Madrid, von dort aus weiter nach Peru. Anschließend folgt eine rund 18-stündige Busfahrt bis zu der Hütte in Pucallpa. Wenn er von der Reise erzählt, strahlt Nils Lange. Er freut sich auf den neuen Lebensabschnitt. Auch wenn er sich dann von Familien und Freunden für fast ein Jahr verabschieden muss, „die Freude überwiegt“, sagt er. Noch Fragen? Wer Nils Lange unterstützen möchte, findet Informationen dazu auf seinem Blog www.tinyurl.com/nils-peru.