Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Kinderhospiz: Zwei Trauer- und Familienbegleiter berichten über ihre Arbeit

Werden durch ihre Arbeit oft fast ein Teil der Familien, die sie betreuen: Elke Anton und Christian Woll vom Kinderhospiz Sternt
Werden durch ihre Arbeit oft fast ein Teil der Familien, die sie betreuen: Elke Anton und Christian Woll vom Kinderhospiz Sterntaler.

Eltern müssen ihr Kind zu Grabe tragen. Kinder verlieren ein Elternteil. Das gehört zum Schlimmsten, was ein Mensch erleben kann. Um die Hinterbliebenen kümmern sich in vielen Fällen die Trauer- und Familienbegleiter des Kinderhospizes Sterntaler in Dudenhofen. Die Arbeit mit den Angehörigen beginnt dabei oft schon lange, bevor diese tatsächlich Abschied von einem Familienmitglied nehmen.

Ein Mädchen bemalt einen Sarg mit bunten Farben und hinterlässt mit Fingerfarben ihre Handabdrücke auf einem Kissen, auf dem später der Kopf des Verstorbenen ruhen wird. Ein selbst gestaltetes Erinnerungsdeckchen wird ebenso hineingelegt. Und am Ende sitzt das Mädchen sogar mit einem Lächeln auf dem Sarg, in dem in Kürze der plötzlich verstorbene Vater bestattet werden soll.

Was sich zunächst vielleicht befremdlich liest, ist für Elke Anton ein wichtiger Teil ihrer Tätigkeit. Denn die Gommersheimerin ist Trauerbegleiterin beim Dudenhofener Kinderhospiz Sterntaler. Als solche kümmert sie sich zum einen um Eltern, deren Kind gestorben ist oder dessen Tod bevorsteht, zum anderen aber eben auch um Kinder, die ein Elternteil verloren haben.

Ehrlichkeit ist wichtig

„Wenn ein Kind, dessen Vater oder Mutter verstorben ist, in der Trauerhalle vor einem Eiche-Rustikal-Sarg sitzt, wenn es vor der Bestattung keinen Kontakt damit hatte, dann ist das gruselig“, findet Anton, die Mutter zweier erwachsener Töchter ist. Das liebevolle Gestalten das Sargs gehört für sie deshalb dazu – wenn der Bestatter mitspielt, was nicht immer der Fall sei.

Die Erinnerung an den Verstorbenen möchte sie durch die kleinen Deckchen oder durch abgeschnittene Haarsträhnen wachhalten. Wichtig ist der Trauerbegleiterin und ihren Mitstreitern, ehrlich zu den Kindern zu sein. „Tot sein ist nicht wie einschlafen“, sagt sie. Der Unterschied sei wichtig, sonst bekämen Kinder Angst, ins Bett zu gehen, ergänzt Christian Woll, der ebenfalls zum psychosozialen Team im Kinderhospiz gehört.

Wenn umgekehrt ein Kind stirbt, dann sind Elke Anton und ihre Mitstreiter ebenfalls zur Stelle. Wobei die Trauerbegleiter meist schon vor dem Tod des Kindes Kontakt zur Familie haben. „Wenn ein Kind eine Diagnose bekommt, fängt unsere Arbeit an“, erklärt Woll. „Es geht nicht nur um das Sterben, sondern auch um Entlastung und Begleitung im Vorfeld.“ Denn – und das sei ein häufiges Missverständnis das Kinderhospiz betreffend – Kinder kämen nach der Diagnose einer lebensverkürzenden Erkrankung nicht nur in den letzten Tagen und Wochen nach Dudenhofen. Vielmehr biete das Kinderhospiz Kindern und Eltern die Möglichkeit, sich bei mehrwöchigen Aufenthalten zu erholen und neue Kraft zu tanken, auch wenn es unter Umständen noch Jahre dauert, bis das Kind stirbt.

Vor dem Absturz bewahren

Bei solchen Entlastungsaufenthalten bauen die Trauerbegleiter bereits eine Bindung zu den Familien auf. Gespräche finden einzeln, aber auch in Gruppen statt. So können Familien mit einem schwer erkrankten Kind andere Betroffene kennenlernen, die bereits ein Kind verloren haben. Definitive Antworten auf quälende Fragen könnten die Trauerbegleiter nicht geben, sagen Woll und Anton. Wichtig sei das Zuhören. „Wir stehen links und rechts und schauen, dass die Menschen nicht abstürzen“, beschreibt Woll die Aufgabe der Trauerbegleiter.

Anton, Woll und ihre Kollegen kommen bei ihrer Arbeit in Kontakt mit unterschiedlichen Glaubensvorstellungen. Darauf gehen die Begleiter ein, ohne ihre eigenen Vorstellungen davon, was nach dem Tod geschieht, zu verleugnen. „Die Familien geben uns den Rahmen vor, und wir malen ihn dann gemeinsam aus“, sagt Woll. Ins Kinderhospiz könne jeder kommen, egal welchen Glaubens. Elke Anton findet das gut, auch wenn sie streng katholisch erzogen wurde.

Ihre Tätigkeit als Trauerbegleiterin, für die sie eine zweijährige Ausbildung gemacht hat, begleitet Elke Anton auch in ihr Privatleben. „Das nicht mit heimzunehmen, geht nicht“, sagt sie. „Es ist für mich Wahnsinn, wenn ein Kind vor seinen Eltern stirbt. Das ist einfach nicht in der richtigen Reihenfolge.“ Trotzdem sei für sie jeder Tag ein guter Tag. „Ich fahre immer zufrieden nach Hause, auch wenn ich manchmal weine dabei.“ Denn darin, andere in diesen intensivsten Momenten im Leben zu begleiten, hat Elke Anton ihre Berufung gefunden.

Früher hat die Gommersheimerin als Friseurin gearbeitet – ein Beruf, der sie durchaus einiges gelehrt hat für ihre jetzige Tätigkeit. Denn gutes Zuhören spielt auch dort eine Rolle. Mehr noch waren zehn Jahre in der Telefonseelsorge für den Kinderschutzbund eine gute Vorbereitung. Das Thema, mit dem sie als Trauerbegleiterin zu tun hat, war im Leben von Elke Anton oft präsent: „Ich habe viel mit dem Tod und Sterben zu tun gehabt“, erzählt sie – seien es frühe Todesfälle im Freundeskreis oder in der Familie gewesen. Vor rund 15 Jahren habe sie dann gelesen, dass der Verein Kinderhospiz Sterntaler Familienbegleiter sucht – und sich dafür beworben.

Familien entlasten

Heute ist Elke Anton eine von vier festangestellten Trauerbegleitern beim Kinderhospiz Sterntaler. Die Arbeit wird über Spenden finanziert. Darüber hinaus gibt es rund 30 ehrenamtliche Familienbegleiter. Diese besuchen Familien zum Beispiel zu Hause, entlasten diese im Alltag und kümmern sich um Geschwister von tödlich erkrankten oder verstorbenen Kindern.

Die Trauerbegleiter werden mit der Zeit fast ein Teil der Familien, die sie betreuen – besonders in der letzten Phase im Leben eines Kindes. „Der Moment, wenn der Sarg geschlossen wird, ist immer besonders schwierig“, sagt Anton. Ihre Gefühle in solchen Momenten: Demut und Ehrfurcht. „In der akuten Phase wird es ganz intim“, ergänzt Woll. Er weiß: „Die Erinnerungen der Familie an das Kind werden immer auch mit dem Trauerbegleiter verbunden sein.“

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