Lambsheim-Hessheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kinder- und Jugendberatung: „Wer ist für mich da?“

Schulstress, Liebeskummer oder Ärger mit den Eltern: Kinder und Jugendliche brauchen in der Corona-Krise vermehrt jemanden, der
Schulstress, Liebeskummer oder Ärger mit den Eltern: Kinder und Jugendliche brauchen in der Corona-Krise vermehrt jemanden, der zuhört.

Kinder spüren jeden Tag die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Nicht nur wegen Masken und Tests im Schulalltag, sondern auch Zuhause in den Familien. Carmen Wendel berichtet, wie sich das in der Kinder- und Jugendarbeit zeigt.

„Corona hat auch 2021 stark geprägt“, blickte Jugendpflegerin Carmen Wendel im Sozialausschuss der Verbandsgemeinde (VG) Lambsheim-Heßheim zurück. Die Offene Kinder- und Jugendarbeit in der VG umfasse sowohl die Betreuung in den Jugendräumen, als auch die Kinder- und Jugendberatung. Der Bedarf danach ist laut Wendel im vergangenen Jahr gestiegen. Mehr E-Mails und viele Anrufe, die manchmal Stunden dauern: „Die Jugendliche haben sich vermehrt an mich gewandt, weil sie nicht wussten, mit wem sie noch sprechen können.“

Konflikte in den Familien würden durch die Pandemie verstärkt, sagte Wendel, weil in Homeoffice und -schooling alle weniger Freiräume hätten. Der Druck, der durch Existenzängste, Geldsorgen oder auch Überstunden entstehe, werde dabei immer mehr auf die Kinder übertragen. „Psychische und physische Gewalt in Familien nimmt zu. Und die Kinder fragen sich: Wer ist für mich da, wenn es die eigene Familie nicht sein kann?“, erzählte die Jugendpflegerin und verwies darauf, dass der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung mit den Kindern und Jugendlichen ein langwieriger Prozess sei. Man arbeite mit anderen Fachstellen wie psychologischen Diensten und Jugendberatungsstellen zusammen. Dass wegen Kindeswohlgefährdung das Jugendamt eingeschaltet werden muss, kommt laut Wendel innerhalb der VG selten vor. „Wir wollen den Menschen Anlaufstellen anbieten, ohne dass sie groß auf Termine warten müssen.“

Öffentlichkeitsarbeit ausgebaut

Die Öffentlichkeitsarbeit der Offenen Jugendhilfe, die Ende letzten Jahres im Sozialausschuss in der Kritik stand, haben die Jugendpfleger laut Wendel ausgebaut. „Wir haben erkannt, dass dort ein Defizit war“, sagte sie und verwies auf entsprechende Kanäle in den sozialen Medien. „Wir sind auf Instagram und Facebook – auch in Gruppen – aktiv, weil das gute Plattformen sind, um Jugendliche zu erreichen.“ Auch die Internetseite sei aktualisiert worden, und Eltern, die Bekanntmachungen lieber analog im Amtsblatt lesen, könnten die Angebote an ihre Kinder weitergeben.

Wegen der wiederkehrenden Lockdown-Phasen waren die Jugendräume im vergangen Jahr jedoch mehr als sechs Monate geschlossen. Die Jugendpfleger haben die Zeit genutzt, um die Räume zu modernisieren und umzugestalten. In Lambsheim wurden Theke und Couch erneuert, es wurde gestrichen und digital aufgerüstet. In Beindersheim sind Herd und Couch neu. In Bezug auf Heuchelheim sprach Wendel von einem „kleinen charmanten Jugendraum“, der mit aktuellen Gesellschaftsspielen ausgestattet wurde. In Großniedesheim, wo auch schon Ferienprogramme veranstaltet wurden, sind Couch und Tisch ausgetauscht worden.

Ferienprogramm trotz Pandemie

In den Sommerferien wurde ein Programm für 16 Kinder und Jugendliche angeboten, um ihnen mit kleineren Ausflügen und Bastelaktionen „ein gewisses Maß an Normalität in der Pandemie zu vermitteln“, wie Wendel sagte. Nach den Ferien wurden die Jugendräume wieder geöffnet. Gerade wegen all der Unsicherheiten, die die Corona-Krise mit sich bringt, haben die Jugendpfleger Wendel zufolge vermitteln wollen: „Wir sind da.“ Seit vergangenem Herbst setze man voll auf Kontinuität, Verbindlichkeit und Verlässlichkeit.

Dennoch sei es schwierig und brauche Zeit, die Kinder und Jugendlichen an die Angebote zu binden. Corona erschwere zusätzlich Pädagogik und auch das Miteinander in den Jugendräumen. „Die Kinder werden am Eingang zuerst nach dem Impfstatus gefragt und dann nach ihrem Namen“, beschrieb Wendel die Situation. Diese Entwicklung sei „ein bisschen komisch“ , in ihren Augen ist ein wenig die Toleranz verloren gegangen. Die Jugendpfleger versuchen demnach gegenzusteuern, indem sie das Miteinander und gesellschaftliches Denken in den Vordergrund ihrer Arbeit stellten. „Wir wollen den Kindern auch während dieser Zeit schöne Momente anbieten.“

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