Bobenheim-Roxheim
Kieswerk im Heiligensand will Abbaufläche und Baggersee vergrößern
In dem als Vorrangfläche für Rohstoffabbau ausgewiesenen Gebiet ist eine Erweiterung um 7,6 Hektar nach Norden und Osten hin geplant. Zusammen mit der bereits genehmigten Abbaufläche würde ein 13 Hektar großer Baggersee entstehen. Hinzu kämen etwa zwei Hektar Ausgleichsflächen entlang der neuen Gewässerufer. Wie beim bestehenden Betrieb sollen Kies und Sand in einer Tiefe von maximal 13 Metern abgebaut werden. Die Rohstoffe sollen mit einem elektrischen Saugbagger am Seegrund aufgenommen und mit Wasser vermischt durch Rohre zur Aufarbeitung im Werksgelände am Silbersee transportiert werden.
So steht es in der Umweltverträglichkeitsstudie, die ISP, Pächter der Gebrüder Willersinn GmbH & Co. KG, anfertigen lassen musste. Denn in Nachbarschaft des betreffenden Gebiets befinden sich jene Natur- und Vogelschutzgebiete, die auch von einer Bebauung der Silbersee-Halbinsel Scharrau tangiert würden. Welchen hohen Rang diese Schutzgebiete haben, wurde kürzlich deutlich, als das Oberverwaltungsgericht den Silbersee-Bebauungsplan der Gemeinde gekippt hat.
Biotope müssen vernetzt bleiben
Die Gutachter eines Römerberger Büros für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung kommen zu dem Schluss, dass das Vorhaben sich mit den Schutzzielen verträgt, sofern bestimmte Maßnahmen zur Vermeidung und Verminderung von Belastungen ergriffen werden. Dazu gehören der Erhalt der Biotopvernetzung, Abraumarbeiten nur außerhalb der Brutzeit, und die biologische Baubetreuung sowie eine Folgenutzung der Abbaustätte nur für den Arten- und Biotopschutz. Es sind sowohl Steilufer als auch eine Flachwasserzone vorgesehen.
Nach Angaben der Kreisverwaltung haben zehn Behörden, vier Verbände und zwei Privatleute zu den Plänen Stellung genommen. Eine mündliche Erörterung fand im Juli nicht öffentlich in der Bobenheim-Roxheimer Jahnhalle statt. „Die Einwendungen waren naturschutzfachlicher, bodenschutzrechtlicher und wasserwirtschaftlicher Art“, teilt die Kreisverwaltung auf Anfrage mit. Vor allem was den Naturschutz betrifft, seien nun Ergänzungen beziehungsweise Nachbesserungen notwendig, besonders für das Gebiet Bobenheimer Altrhein.
Verbände wegen Amphibien besorgt
Das geht wohl auf den Einwand des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Einvernehmen mit den Verbänden Nabu und Gnor zurück. Denn wie die BUND-Kreisvorsitzende Doris Stubenrauch auf Anfrage berichtet, droht dem Gebiet eine Grundwasserabsenkung um bis zu 16 Zentimeter. „Das bedeutet: Der Bobenheimer Altrhein könnte trocken fallen. Das wäre für dieses Topgebiet des Amphibienschutzes katastrophal.“ Laut Stubenrauch haben das Kieswerk, seine Planer und die zuständige Kreisbehörde zugesichert, dass an diesem Punkt nachgebessert werde.
Der nächste Schritt in dem Verfahren ist nun laut Verwaltung die Prüfung der Einwände auf Machbarkeit. Das werde einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Möglichkeit, in einem kleinen, unkritischen Teil des Plangebiets mit dem vorzeitigen Bau zu beginnen, werde geprüft. Von Verbänden und Behörden sei dazu die grundsätzliche Bereitschaft zur Zustimmung signalisiert worden.
Gemeinde hat nicht Stellung genommen
Die Gemeinde Bobenheim-Roxheim hat in dem Verfahren nach Angaben des Bauamts keine Stellungnahme abgegeben. Das Vorhaben von ISP war einmal öffentliches Thema, und zwar im September 2018 im Hauptausschuss. Damals hatte eine Biologin vor allem die Ausgleichsmaßnahmen vorgestellt. Eine Diskussion gab es in der Sitzung nicht.
Nach Angaben der Bauabteilung hat der Gemeinderat Ende Juni in nicht öffentlicher Sitzung den Verkauf eines Ackergrundstücks beschlossen, das für die Erweiterung des Auskiesungsbereichs gebraucht werde. Weder die rheinland-pfälzische Gemeindeordnung noch die Hauptsatzung der Gemeinde sähen die Beteiligung des Gemeinderats bei überbehördlichen Planfeststellungsverfahren vor, so Bauamtsleiter Thomas Krauß. Weil aber Michael Voll (CDU) kürzlich im Gemeinderat die Informationsfrage aufwarf, kündigt Krauß an, in Zukunft über die Schritte in solchen Verfahren zu informieren.
Kürzlich abgeschlossen wurde das Planfeststellungsverfahren für die Kiesausbeute und die Herstellung eines 15 Meter tiefen Baggersees in der östlich des Silbersees gelegenen Gewanne Bonnau. Die Genehmigungsbehörde hat das Vorhaben der Firma Gebrüder Willersinn für zulässig erklärt und den Abbau der Rohstoffvorräte bis Ende 2050 befristet. In diesem Verfahren hat die Gemeinde laut Krauß als „Geschäft der laufenden Verwaltung“ eine positive Stellungnahme abgegeben.