Rhein-Pfalz-Kreis
Keine nackten Nikoläuse: Von Engpässen und explodierenden Kosten
Warenknappheit. Lieferschwierigkeiten? Hat und kennt Daniel Haslberger nicht. „Nein“, sagt der Inhaber der Konditorei Christmann in Waldsee, „wir haben keine Lieferschwierigkeiten“. Alles, was die Konditorei an Zutaten für Torten und feines Gebäck benötigt, ist in ausreichender Menge vorhanden. „Wenn man wie wir seine Zutaten in der Region kauft, dann ist man nicht von Lieferketten abhängig“, begründet er. Allerdings seien die Zutaten in letzter Zeit viel teurer geworden, was ihn schon Anfang des Jahres dazu bewogen hat, nach über zehn Jahren, die Preise zu erhöhen.
„Wir müssen uns daran gewöhnen, für Qualität mehr zu zahlen“, findet er. „Das Bäckereiensterben liegt nicht an der Konkurrenz durch große Betriebe, sondern daran, dass man vom Gewinn nicht mehr leben kann.“ Mit Lieferproblemen hat Haslberger aber trotzdem zu kämpfen. Im Moment sei es schwer, Kartons für die Torten und das Gebäck zu bekommen. Bei einigen Spezialgrößen sei das ganz besonders schlimm. Der Lieferant habe ihm erklärt, dass Amazon alles an Verpackungen wegkaufe.
Verpackungen werden knapp
Tatsächlich ist es auch die Beschaffung von Verpackungen, die Johannes Sprengart von der Patisserie Sprengart in Dudenhofen am meisten Probleme bereitet. Es dauere mitunter extrem lang, bis Papiertüten, Kartonagen und Folien geliefert werden. Da er rechtzeitig bestellt hat, müssen die Schoko-Nikoläuse diese Jahr nicht nackig im Regal stehen. Auch die Zutaten für die süßen Verführungen, die er fertigt, sind alle vorhanden. Dass er im Bereich Feinkost im Moment auch nicht alles geliefert bekommt, was er bestellt, sieht er eher gelassen. Die Feinkost-Produkte bezieht er ausschließlich aus Frankreich. „Wer mit Franzosen handelt, muss wissen, dass nicht immer alles kommt“, sagt er. Das sei auch schon vor der Pandemie der Fall gewesen.
Zu schaffen machen aber auch ihm die Preissteigerungen. Im Moment koste das Fruchtmark aus Frankreich rund 40 Prozent mehr. Das verwendet Sprengart zum Beispiel für seine Sorbets. Der Lieferant begründe das mit Ernteausfällen und gestiegenen Transportkosten. Schon im vergangenen Jahr seien die Preise für Haselnüsse explodiert. Ganz extrem sei das auch bei den Vanillestangen. Vor einigen Jahren hat Sprengart noch 100 Euro für das Kilogramm gezahlt, nun sind es 450 Euro. Diese gestiegenen Kosten, verbunden mit höheren Personalkosten durch die anstehende Erhöhung des Mindestlohns, seien ein großes Problem für Betriebe. „Da wird sich in Zukunft einiges ändern, denn mit einem ,Weiter so’ sind die Kosten einfach nicht mehr zu erwirtschaften.“
Mehl wird teurer
Tüten und Kartons hat Hans-Peter Berizzi, Geschäftsführer der Walter-Mühle in Böhl-Iggelheim, in ausreichender Menge. Getreide auch, obwohl die Ernte schlecht war. Leere Mehlregale in den Supermärkten wird es also nicht geben. Aber es wird teurer, darauf müssten sich die Kunden schon mal einstellen. Bäckereien und Konditoreien bekommen das jetzt schon massiv zu spüren, Endverbraucher werden das wohl zum neuen Jahr merken. Für die Preissteigerung gebe es mehrere Gründe, erklärt Berizzi. Zum einen habe sich der Getreidepreis fast verdoppelt, zum anderen seien die Kosten für Gas und Strom explodiert. „Die Energiekosten machen bei einer Mühle einen sehr hohen Anteil aus“, erklärt Berizzi. Dazu kämen steigende Dieselpreise, die die Auslieferung des Mehls verteuern.
Angst vor leeren Plätzchentellern braucht man dieses Weihnachten nicht haben. Egal ob man selber backen möchte oder beim Bäcker, Konditor oder in der Patisserie kauft. Angst vor einem leeren Geldbeutel ist da möglicherweise schon eher berechtigt.