Rhein-Pfalz Kreis Keine leichte Disziplin

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Ludwigshafen. Ein Samstag, sieben Gemeinden, neun Termine: Clemens Körner (CDU) macht Wahlkampf. Der Landrat will Landrat bleiben und deshalb stellt er sich vier Stunden auf die Straße. Leute anquatschen, Flyer und Kugelschreiber verteilen. Ein anstrengender Job. Punkt fünf auf seiner Liste verspricht immerhin, dass es etwas Gutes zu essen gibt.

Da werden es die Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl in Ludwigshafen besser haben. Wahlkampf im Spätsommer – Kindergeburtstag. Sich bei schmuddeligem Februarwetter samstagmorgens die Beine in den Bauch zu stehen, ist da schon eine ganz andere Nummer. Zum Glück ist Clemens Körner nicht so verfroren. Und nicht empfindlich. Denn wenn man sich den Bürgern stellt, muss man auch mit Kritik rechnen. „In Altrip hab’ ich mir anhören müssen, dass ich auf dem Plakat vor acht Jahren weißere Zähne hatte.“ Peng. Die Leute werden teilweise sehr persönlich. Das kann aber auch seine guten Seiten haben. Etwa wenn bekennende SPD-Wähler einem CDU-Mann auf die Schulter klopfen und erklären: „Ich wähle Dich.“ Es gibt dann noch die Bürger, die gar nicht verstehen, warum der Landrat jetzt eigentlich so oft auf der Straße steht, es dann aber ganz nett finden, ihn direkt mit ihren Problemen konfrontieren zu können: Sie fordern Parkverbote, bemängeln das Fehlen von Toiletten neben Bushaltestellen oder wünschen Aufklärung in Sachen Baurecht. „Für die bin ich einfach der Landrat und kein Kandidat“, sagt Körner. Wenn er dann erklärt, warum er eigentlich unter dem christdemokratisch orange-weiß-gestreiften Schirm steht, sind sie bass erstaunt: „Der Landrat muss selbst Flyer verteilen?“ Muss er, sagt der Dudenhofener, der am 5. März für eine zweite Amtszeit gewählt werden möchte. „Ich kann nicht einfach andere Leute auf die Straße stellen und für mich werben lassen. Da muss ich schon selber ran. Ich will ja Landrat werden.“ Es ist sein achter Wahlkampf: viermal hat er als Ortsbürgermeister in seiner Heimatgemeinde kandidiert, zweimal hat er für sich als Verbandsbürgermeister in Dudenhofen geworben und zum zweiten Mal ist er für die Mission Landrat unterwegs. „Nimmt man noch Bundes- und Landtagswahlen dazu, kann ich von mir behaupten, einen guten Teil meines Lebens an solch einem Stehtisch verbracht zu haben.“ Körner lacht. Es macht ihm ja Spaß, mit den Leuten im Landkreis in Kontakt zu kommen. „Früher hatten sie aber mehr Zeit für einen Plausch“, stellt er fest. Auch in Maxdorf huschen viele schnell an dem Stand vorbei, den er sich mit Paul Poje teilt, der als CDU-Kandidat für die Verbandsbürgermeisterwahl wirbt, die ebenfalls in zwei Wochen ansteht. Körner und Poje machen sich ihre Gedanken. „Ist Demokratie zu selbstverständlich geworden?“, fragt Körner. Und er fragt es auch dieser Tage immer wieder sein Publikum, wenn er eine Rede hält. Gerne zitiert er aus Barack Obamas Abschiedsrede, der die Menschen warnte, sich in ihre „Blasen“, also abgeschlossene Welten, zurückzuziehen, und nur Informationen zuzulassen, die zu ihrer Meinung passten. Dann kommen zwei zurück, die eben nur gewunken hatten. Sie haben ihre Brötchen und nun Zeit für ein Gespräch. Als sie weiterziehen, linst Körner auf die Uhr. Hunger? „Gleich“, sagt er und grinst. Um 12 will er in Hochdorf sein. Da feiert die CDU Schlachtfest. Danach geht es nach Heßheim zur Seniorenfasnacht, dann nach Schifferstadt zum Ringen, schließlich für eine Pause nach Dudenhofen – ehe das Abendprogramm startet ... |btw

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