Rhein-Pfalz Kreis
Keine Frühjahrsmüdigkeit vorschützen
Freiheit für Bücher
Vielleicht erinnern Sie sich noch, liebe Leserinnen und Leser. In der vorangegangenen Ausgabe der „Landsichten“ ging es bereits um Bücher. Ein offenbar guter Geist hatte es gut gemeint mit den Fußgönheimern und auf einer Ruhebank gegenüber des Bürgerhauses Bücher zum Schmökern ausgelegt. Nun, auch diesmal ist dem Autoren dieser Zeilen wieder ein Buch an einer ungewöhnlichen Stelle in die Augen gesprungen. Ob der Geist diesmal allerdings gute Absichten hatte? Die Stelle, an der das Buch abgelegt worden war, lud jedenfalls nicht großartig zum Verweilen und Genießen der ersten Frühlingssonne ein. Gefunden habe ich das Buch auf der Umrandung des Hochbeets hinter der Gemeindebibliothek Mutterstadt. Immerhin, es war wenigstens im Dunstkreis von Artgenossen. Doch was veranlasste den Leser oder die Leserin, das Buch einfach wegzulegen und seinem Schicksal zu überlassen? Vielleicht war der Titel ja Programm und man hatte sich in dem Werk getäuscht, war enttäuscht von der Handlung und entschied sich so für die dauerhafte Trennung. Möglicherweise gibt aber auch der Stempel auf dem Buch einen Hinweis: Mängelexemplar. Waren diese Mängel am Ende zu viel? Immerhin war das Werk dafür im Preis reduziert. Völlige lückenlose Aufklärung werden wir wohl nie liefern können. Allerdings scheint sich im mittleren Rhein-Pfalz-Kreis ein neuer Trend abzuzeichnen: Büchern ihre Freiheit zu geben und anderen damit eine Freude zu machen. Zum Wohle der Bücher wäre es aber sinnvoller, sie in eine Bücherzelle zu bringen.
Endlich Frühling
Dass es draußen warm genug ist, um es sich mit einem guten Buch auf einer Bank bequem zu machen, ist auch ein Zeichen dafür, dass wir den Winter allmählich hinter uns lassen. In den Gärten recken die ersten Blumen des Jahres ihre Köpfe aus dem Boden. Und wer genau hinsieht, erkennt schon die sprießenden Blätter an den Bäumen. Dafür muss ein anderer dran glauben: Ein mannshoher Schneemann, komplett mit Hut, Schal und Besen wurde im Seniorenstift zur Dannstadter Höh verbrannt, um die kalte Jahreszeit für dieses Jahr für beendet zu erklären. Mit musikalischer Begleitung des Musikvereins Hochdorf und der Gesangsvereine aus Schauernheim und Fußgönheim verabschiedeten sich Bewohner und Besucher des Seniorenstifts vom Winter. Einen „Riesenerfolg“ nannte Heimleiter Michael Sauder die Premiere der Winterverbrennung. Traditionell zu Beginn der Abenddämmerung wurde die Figur aus Strohballen auf der Piazza vor dem Seniorenstift entzündet – unter fachkundiger Aufsicht der Feuerwehr Dannstadt-Schauernheim. Vor allem für die kleinen Besucher war einiges geboten: Eine Bastelecke, eine Schnitzeljagd und ein kleines Karussell hatte das Team organisiert. So lassen sich die ersten warmen Tage doch gebührend einläuten.
Spargelträume
Wer am Meer wohnt, macht berauschende Fotos vom Meer. Wer in den Alpen wohnt, lichtet bizarre Bergpanoramen ab. Und wer im Gemüsegarten Deutschlands wohnt, der drückt eben auf den Auslöser, wenn er einen Acker sieht – zumal wenn er so idyllisch daliegt wie dieses Spargelfeld in der Abendsonne nach einem Regentag. Manfred Hahn aus Mutterstadt hat uns dieses Foto geschickt und es hat uns sehr gut gefallen. Und irgendwie Lust gemacht auf die leckeren Stangen. Tja, und wenn jetzt schon der Winter verbrannt ist und Bücher die Frühlingssonne genießen, wollen wir Spargel auf dem Teller haben. Spargel, der zum Teil noch friedlich unter den Folien schlummert, wo er es warm hat und gedeiht.
Die ersten Stangen werden in der Pfalz bereits gestochen. Wohlfühltemperatur für den Spargel ist jedoch erst, wenn man nachts keine Bettdecke braucht, so lautet eine alte Bauernregel, die uns einst Theo Beck verraten hat. Der Dudenhofener Landwirt hat auch eindrücklich bewiesen, welch harte Arbeit es ist, Spargel zu stechen. Wenn also auf dem fotogenen Spargelacker bei Mutterstadt die Folien gelüftet und der Erntehelfertrupp für uns das köstliche Gemüse ans Tageslicht befördert, sollten wir dankbar sein – wir müssen ihn nur schälen, kochen und genießen.
Ein Genuss, der obendrein noch gesund ist. Die entwässernde Wirkung des Spargels ist gut gegen Bluthochdruck, und bei 13 Kilokalorien pro 100 Gramm ist er prima für die schlanke Linie. Schon der Urvater aller Ärzte, der Grieche Hippokrates, wusste den Spargel zu schätzen. In der Antike waren es jedoch die Römer, die das Stangengemüse kultivierten. Es existiert sogar eine Anleitung zum Spargelanbau im Garten aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus.
Nach Deutschland kam der Spargel im Übrigen erst im Mittelalter, wobei er damals noch nicht als Gemüse, sondern tatsächlich als Heilpflanze bekannt war. „Asparagus officinalis” war im amtlichen Arzneibuch vermerkt, musste also in Apotheken vorrätig sein. Erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts entstanden die ersten Spargelanbaugebiete. Die Erde im Rhein-Pfalz-Kreis eignet sich dort dafür, wo sie trocken und sandig ist. Spargel ist eine mehrjährige Staude, bei der nur der unter der Erdoberfläche liegende Wurzelstock überwintert. Jährlich im Frühjahr treibt er mehrere Sprossen aus, die als Spargel geerntet werden. Biologisch gesehen ist Spargel also ein Stängelspross der Spargelpflanze. Ein Stängelspross, der einfach saugut schmeckt. Dazu ein leichter Weißwein und der Spargel-Frühlings-Traum ist quasi perfekt. Mit Schinken, Schnitzel, Lachs, Kartoffeln – oder einfach solo mit etwas zerlassener Butter. Egal.
Spargelservice
Neben dem weißen wird bei uns auch grüner Spargel angebaut. Der wird im Gegensatz zum weißen überirdisch geerntet. Um ihn zu stechen, reicht ein einfaches Küchenmesser. Und man muss grünen Spargel nicht schälen. Für den schnellen Spargelhunger hier einfaches Rezept: Spaghetti mit grünem Spargel und Mascarpone. Die Zutatenmenge richtet sich nach den Mitessern. Da haben sollte man: Spaghetti, grünen Spargel, Mascarpone, Olivenöl und Knoblauch.
Und so geht’s: Spaghetti kochen, etwas von dem Nudelwasser auffangen. Spargel klein schneiden und in Salzwasser bissfest kochen. Knoblauch in Olivenöl anschwitzen und die Spargelstücke dazugeben. Den Mascarpone zum Spargel geben, schmelzen lassen und die Spaghetti unterheben. Wenn die Soße zu dick ist, etwas Nudelwasser dazugeben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, fertig!