Rhein-Pfalz-Kreis / Ludwigshafen
Katretter-App: Mittlerweile 845 freiwillige Helfer
Mit überschwänglichem Lob soll man ja im Allgemeinen vorsichtig sein. Im Zusammenhang mit der Katretter-App haben die Verantwortlichen aber in der Tat allen Grund, zufrieden zu sein. Seit gut einem Jahr gibt es die App, mit deren Unterstützung Ersthelfer alarmiert werden, um zusätzlich bei einem Notfall zu helfen und auch um wertvolle Minuten zu überbrücken, die vergehen, bis Rettungswagen oder Notarzt vor Ort sind.
845 Helfer gibt es mittlerweile, informiert Robin Klamm, Referatsleiter für den Brand- und Katastrophenschutz bei der Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises. Die Kreisverwaltung war federführend bei der Initialisierung der App. „Es ist bewundernswert, wie viele freiwillige Helferinnen und Helfer sich bereits bei Katretter registriert haben und aktiv dabei sind“, freut sich Landrat Clemens Körner (CDU) in einer Pressemitteilung der Kreisverwaltung. Der Einsatz verdiene höchsten Respekt.
Großes Gebiet abgedeckt
Das Besondere in diesem Fall: Die App alarmiert bei Notfällen im gesamten Einzugsbereich der Einsatzleitstelle in Ludwigshafen. Diese deckt neben dem Rhein-Pfalz-Kreis und dem Landkreis Bad Dürkheim auch die Städte Ludwigshafen, Frankenthal und Neustadt ab, ein Gebiet, in dem rund 620.000 Menschen leben. „In Rheinland-Pfalz ist es nicht normal, dass alle Kommunen das gleiche Alarmierungssystem haben“, erläutert Stefan Bruck, Chef der Ludwigshafener Berufsfeuerwehr. Auf deren Gelände in Ludwigshafen ist die Einsatzleitstelle untergebracht.
Zu über 2000 Einsätzen sind die Helfer mithilfe der App seit 1. November 2023 bereits gerufen worden. In rund 70 Prozent der Fälle sei laut Kreisverwaltung auch ein Helfer zum Einsatzort gelangt und habe Erste Hilfe geleistet. Das ist ein Abdeckungsgrad, mit dem sowohl Robin Klamm als auch Stefan Bruck zufrieden sind.
„System funktioniert“
Die erste Alarmierung überhaupt ging dabei auch an Mario Hohenegger. Der Dudenhofener ist Notfallsanitäter beim Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes Vorderpfalz und ist bei Einsätzen mit dem Rettungshubschrauber der BG-Klinik in Oggersheim an Bord. Er weiß also aus seiner beruflichen Erfahrung heraus, dass es im Ernstfall auf jede Minute ankommen kann.
„Der erste Einsatz war auch in Dudenhofen. 300 Meter Fußweg von zu Hause“, erinnert sich Hohenegger. Und tatsächlich sei es gleich um eine Reanimation gegangen. Sechs, sieben Minuten hätten die Ersthelfer versucht, den Patienten wiederzubeleben, bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes. „Wenn die Ersthelfer nicht gewesen wären, hätten diese Minuten gefehlt. Das System funktioniert“, betont er. Dass der Patient dann einige Tage später im Krankenhaus verstorben sei, sei nicht abzusehen gewesen.
Eindringlicher Ruf
„Das Ziel ist es, das therapiefreie Intervall so kurz wie möglich zu halten“, sagt Stefan Bruck. Und Mario Hohenegger ergänzt: „Jede Minute Kreislaufstillstand senkt die Überlebenschance um zehn Prozent.“ Als sich die App zum ersten Mal auf dem Smartphone gemeldet habe, habe er schon gemerkt, dass etwas anderes sei. „Der Ruf ist schon eindringlich. Ich bin dann auch gleich losgerannt.“
Drei Katretter werden laut Robin Klamm bei den entsprechenden Notrufen alarmiert. „Vier Hände zum Wiederbeleben und ein Helfer für die Einweisung, falls die Rettungskräfte zum Beispiel in einem Mehrfamilienhaus in den vierten Stock müssen.“ Die Helfer sind dabei in drei Kategorien unterteilt, wie Klamm weiter erläutert – medizinisches Fachpersonal, Helfer von Feuerwehren oder Technischem Hilfswerk, die regelmäßig Schulungen in Erster Hilfe bekommen, und Leute, die zum Beispiel Ersthelfer in Betrieben sind oder „nur“ einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht haben.
Sie müssen bei einer Alarmierung ihren Einsatz bestätigen. Darüber wird die Einsatzleitstelle informiert und gibt diese Informationen weiter, etwa an den Alarmierer oder den Rettungsdienst. Alarmiert werden die Helfer nur bei bestimmten Notfällen, in denen die Schlagwörter „Bewusstlosigkeit“ und „Kreislaufkollaps“ fallen.
Nachsorge gewährleistet
Bei Bedarf gibt es für die Ersthelfer, die über die Katretter-App alarmiert werden, auch eine Nachsorge. „Die Leute werden ja in der Regel in ihrem privaten Umfeld eingesetzt. Bisher ist es so, dass sie mit einem guten Gefühl aus den Einsätzen rausgegangen sind. Wir bieten aber eine psychosoziale Notfallbetreuung an“, betont Robin Klamm.
Fünf, sechs Katrettereinsätze habe er mittlerweile gehabt, sagt Mario Hohenegger. „Nicht alle waren so spektakulär wie der erste Einsatz“, sagt der Dudenhofener. Zweimal sei es um einen Kreislaufkollaps gegangen. Einmal sei ein Patient bewusstlos gewesen. „Bis ich da war, war er allerdings schon wieder aufgewacht.“ Aber es sei auch schon vorgekommen, dass jede Hilfe zu spät gekommen sei.
Und ja, es habe auch schon Alarme gegeben, bei denen niemand reagiert habe, meint Robin Klamm. Bei Notfällen im Pfälzerwald etwa, der ja zum Teil auch zum Einzugsgebiet der Einsatzleitstelle gehört. „Es ist eben nicht immer gerade ein Katretter wandern“, meint Klamm. Das Ziel sei es, noch mehr Menschen als Helfer für die Katretter-App zu gewinnen. Zum einen, damit der Erreichungsgrad noch höher wird, zum anderen, damit die Belastung für die einzelnen Helfer reduziert werden kann.
Verbessertes Routing
Nachgebessert worden ist bei der App seit der Inbetriebnahme auch. „Beim Routing war voreingestellt, dass die Helfer mit dem Auto kommen“, erklärt Robin Klamm. Das sei mittlerweile geändert worden. Man könne sich jetzt aussuchen, ob man eine Route als Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer brauche. „Oft wird die Navigation auch gar nicht gebraucht, weil die Leute ortskundig sind.“
Bis zum Ende des ersten Quartals hoffen die Verantwortlichen, dass die Marke von 1000 Helfern geknackt wird. Zukunftsmusik ist noch, dass in ganz Rheinland-Pfalz die Katretter-App im Einsatz ist. Unabhängig davon versuche man, den Kreis der Helfer zu erweitern, meint Stefan Bruck. Vorstellen könne man sich eine Kooperation mit dem Kreis Germersheim und mit Mannheim.
Ebenfalls Anfang 2025 wolle man die Katretter online zu ihren Erfahrungen befragen und dabei auch hören, was noch besser laufen könne. Mario Hohenegger hat dazu schon einen Vorschlag: „Es wäre gut, wenn man ein Verzeichnis der Defibrillatoren im öffentlichen Raum hätte. Das kann im Ernstfall helfen.“ Doch dafür gebe es leider keine zentrale Datenbank, sagt Stefan Bruck. Die Schwierigkeit sei dabei auch, ergänzt Robin Klamm, dass man nicht wisse, ob die jeweiligen Gebäude offen seien. „Aber das Thema ist präsent.“
Das Feedback, dass Verwaltung und Helfer bislang bekommen haben, sei durchweg positiv, berichtet Robin Klamm. Sowohl Helfer als auch Angehörige hätten sich schon positiv geäußert. „Die Leute sind immer froh, dass jemand da ist, und dankbar“, sagt Mario Hohenegger.
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