WALDSEE
Katholische Kita vor ungewisser Zukunft
Der Träger einer Kita bestimmt das Konzept, übernimmt die Verwaltung, zahlt Sachkosten und 10 Prozent der Personalkosten. Die restlichen 90 Prozent Personalkosten finanziert der Kreis. Alles zusammen sind das nach Information von Thomas Ankner von der Regionalverwaltung des Bistums Speyer rund 150.000 bis 200.000 Euro pro Jahr. Im Moment ist der katholische St. Elisabethenverein noch Träger der Kindertagesstätte, doch dem droht, auch aufgrund der überalterten Mitgliederstruktur, die Insolvenz. Die Kirchengemeinde würde zwar die Betriebsträgerschaft übernehmen, aber nur, wenn sie sich nicht um das Gebäude kümmern muss. Dabei geht es nicht nur um den Erhalt des Gebäudes, innerhalb der nächsten sieben Jahre sind aufgrund des Kita-Zukunftsgesetzes Umbauten nötig. Und die kann die Kirchengemeinde nicht stemmen, auch nicht mit Zuschüssen der Ortsgemeinde.
„Es wäre unser allergrößter Wunsch, die Betriebsträgerschaft zu erhalten. Der Gesellschaft würde sonst ein ganz hohes Gut verloren gehen“, machte Pastoralreferentin Barbara Jung-Kasper den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses der Ortsgemeinde Waldsee in dessen jüngster Sitzung deutlich. Den Kindern würden durch religionspädagogische Angebote im Alltag christliche Werte, allen voran Nächstenliebe vermittelt.
Nun wünscht sich die Kirchengemeinde, dass die Ortsgemeinde Waldsee die Baulast oder die Gebäudeträgerschaft übernimmt. So ist das zum Beispiel in Altrip geregelt: Dort hat die Ortsgemeinde das Gebäude der katholische Kita zum symbolischen Preis übernommen und es kostenlos der Kirchengemeinde, die die Trägerschaft hat, zur Verfügung gestellt. In Otterstadt hat die Ortsgemeinde die Baulast für die vom Kindergarten genutzten Räume übernommen, und die Betriebsträgerschaft ist vom St. Elisabethenverein an die Kirchengemeinde übergegangen.
Fraktionen sind skeptisch
Auf den ersten Blick scheinen die Bauausschussmitglieder von dieser Idee alles andere als begeistert. Obwohl von mehreren Seiten betont wurde, wie gut eine Trägervielfalt und wie schön eine christliche Wertevermittlung sei, tendiert man durch die Fraktionen zu der Meinung: „Wer bestellt, zahlt.“ Also: Wer das Konzept bestimmen will, soll sich auch um das Gebäude kümmern. Genau das kann die Kirchengemeinde aber nach ihren Angaben nicht. Richtig sei zwar, dass die Kirchengemeinde Vermögen hat, erklärte Jung-Kasper, aber das sei in Stiftungen zweckgebunden und dürfe nicht nach Belieben verwendet werden. „Das eine ist nicht dafür da, um das Loch des anderen zu stopfen“, sagte sie. Ähnlich sei das ja auch bei der Bürgerstiftung Waldsee, erklärte Ortsbürgermeisterin Claudia Klein (CDU).
Wenn aber kein Geld mehr da ist, muss die Kita schließen. Für die Ortsgemeinde Waldsee wäre das nicht gut, denn aufgrund des Rechtsanspruchs muss sie Betreuungsplätze für Kinder schaffen. „Was ist für Sie günstiger: die Baulast zu übernehmen oder eine komplett neue Kita zu bauen?“, fragte Ankner die Ausschussmitglieder. Darüber müssen sich nun die Fraktionen Gedanken machen.