Rhein-Pfalz Kreis Kampf gegen Image als „Restschule“
In diesen Wochen ist die jüngste Untersuchung zur voraussichtlichen Belegung der 31 Grund- und zehn weiterführenden Schulen im Rhein-Pfalz-Kreis bis zum Jahr 2040 Thema in drei Ausschüssen und am 4. Dezember im Kreistag. Der Schulentwicklungsplan basiert auf einer 2015 von externen Fachleuten gemachten Prognose, welche die Kreisverwaltung nun jedes Jahr eigenständig neu berechnen muss. Verarbeitet werden unter anderem Geburtenzahlen, Zu- oder Abwanderungen und – sehr schwer vorauszusehen – die Siedlungsentwicklung in den Gemeinden. Die Vorhersagen im neuen Plan lauten: Die Bevölkerung im Landkreis nimmt bis ins Jahr 2026 zu und wird dann langsam rückläufig, bis im Jahr 2036 der Status quo von 2017 erreicht ist. Entsprechend sieht der Verlauf der Kurven für die Schülerzahlen in den Grundschulen sowie in den Sekundarstufen I und II aus. Der Kreis und die Gemeinden als Träger der Grundschulen müssen sich in den nächsten Jahren im Großen und Ganzen also eher darum kümmern, dass in ihren Bildungseinrichtungen genug Platz für die Kinder und das Schulgebäude gut ausgestattet ist. In einzelnen Kommunen hingegen macht sich der Bevölkerungszuwachs nicht so stark bemerkbar wie gewünscht. Die Großniedesheimer Grundschule zum Beispiel wird nach jetziger Prognose weiterhin jahrgangsübergreifend in nur zwei Klassen unterrichten können. Ihr großer Konkurrent ist die Ganztagsschule in Beindersheim. Sorgenkind unter den vom Kreis getragenen Realschulen plus bleibt die in Dudenhofen. Sie steht nach Angaben von Sylvia Gerdon-Schaa, Leiterin der Abteilung Schulen und Bäder im Kreis, gemäß den Leitlinien des Landes auf der Kippe, sobald es keinen Jahrgang mit mehr als zwei Klassen mehr gibt. Die Schule, für die gerade ein Stärkungskonzept erarbeitet wird, ist bei Eltern künftiger Fünftklässler nicht so beliebt. „Ihr hängt der Ruf einer Hauptschule an“, sagt Sylvia Gerdon-Schaa, weil dort überdurchschnittlich viele Jugendliche mit der Berufsreife und nicht mit der Mittleren Reife abgingen. Das schrecke Eltern ab, die für ihr Kind im Allgemeinen einen möglichst hohen Bildungsabschluss wünschten. Die Kreisverwaltung verweist auf jüngste Anmeldezahlen: Zuletzt wechselten nur 32 Prozent aller Viertklässler im Kreis auf eine Realschule plus, fast 53 Prozent gehen auf ein Gymnasium und 14,6 Prozent auf eine Integrierte Gesamtschule (IGS). Aufgabe der Politik und der Schulen vor Ort müsse es sein, „die Attraktivität und das Ansehen der Arbeit der Realschulen plus zu steigern“, meinen die Verfasser des Schulentwicklungsplans. Der Realschule plus in Maxdorf bescheinigt die Abteilungsleiterin einen guten Ruf in den Augen von Eltern, was man an den Anmeldezahlen erkenne und daran, dass dort nur 20 Prozent der Schüler schon nach der neunten Klasse abgehen. Dass der zweite Schulstandort Lambsheim aufgegeben wurde, werde eine weitere positive Wirkung haben, ist sich Gerdon-Schaa sicher. Die Pläne für den Erweiterungsbau in Maxdorf würden am 30. November im Bauausschuss des Kreises vorgestellt. An der Realschule plus in Bobenheim-Roxheim ist die Zweizügigkeit abgewendet, sie steht nicht auf dem Prüfstand des Landes. Und in einer Elternbefragung hat sie laut Kreisverwaltung gute Werte erzielt, wohl auch wegen des Ganztagsangebots, das 80 Prozent der Schüler wahrnehmen. Ein Großteil der Schule soll, wie mehrfach berichtet, neu gebaut werden, weil das wirtschaftlicher ist als eine Sanierung. Es steht so gut wie fest, dass sie danach eine Schwerpunktschule wird (wir berichteten gestern). Ein paar Jahre später soll auch die Realschule plus in Böhl-Iggelheim Schwerpunktschule werden. Dass den Realschulen plus „der Ruf der Restschule nachhängt“, wie es im Schulentwicklungsplan heißt, bestätigen die Anmeldeprognosen für die Einrichtungen mit Sekundarstufe II. Besonders das Schifferstadter Gymnasium wächst und wächst. „Ab 2019/20 wird es dort einen Bedarf von 50 allgemeinen Unterrichtsräumen geben“, verdeutlicht Gerdon-Schaa. Das bedeutet eine Erhöhung der Kapazitäten auf 5,5 Klassenzüge. Im Moment sind es 39 Klassensäle und zwei Container. Mit Investitionen von 10,55 Millionen Euro will beziehungsweise muss der Kreis der Entwicklung Rechnung tragen: Es wird ein naturwissenschaftliches Unterrichtszentrum gebaut, und die frei werdenden Fachräume werden Klassenräume. Die IGS Mutterstadt ist ebenfalls sehr beliebt, dort ist allerdings die Anzahl der Schüler gesetzlich gedeckelt. Das heißt: In diesem Sommer mussten 67 Anmeldungen (2016: 58, 2015: 23) abgelehnt werden. Im Maxdorfer Gymnasium (Lise-Meitner-G8GTS) war die Zahl der Anmeldungen in diesem Jahr erstmals rückläufig. Kein Grund, zum neunjährigen Gymnasium (G9) zurückzukehren, meint die Kreisverwaltung. Was die Salierschule in Schifferstadt, die einzige Förderschule im Kreis, angeht, kann aus dem Schulentwicklungsplan wenig abgeleitet werden. Die Anmeldezahlen folgen in dieser Schulform keinem stabilen Muster und hängen nicht von den Jahrgangsstärken ab, heißt es im Plan. Im kommenden Schuljahr werden 86 Kinder und Jugendliche die Salierschule besuchen. Der Kreis würde sie gern zu einem Förder- und Beratungszentrum weiterentwickeln, sobald das Land den Rahmen dafür geschaffen hat. Ebenfalls festhalten will der Kreis an dem Wunsch, eine zweite Fachoberschule an der Maxdorfer Realschule plus einzurichten. Noch Fragen? Der Schulentwicklungsplan 2017 des Rhein-Pfalz-Kreises ist am morgigen Mittwoch Thema im Schulträgerausschuss. Die Sitzung beginnt um 16 Uhr im Saal A 355 der Kreisverwaltung. Der Plan findet sich auch auf der Internetseite des Kreises, und zwar im Sitzungskalender des Kreistags (Rats- und Bürgerinformationssystem).