Rhein-Pfalz Kreis Kamerunschaf hält Behörden in Atem

Dieses Kamerunschaf will sich einfach nicht einfangen lassen. Es wird umso scheuer, je mehr Menschen hinter ihm her sind.
Dieses Kamerunschaf will sich einfach nicht einfangen lassen. Es wird umso scheuer, je mehr Menschen hinter ihm her sind.

Ein vor Wochen ausgebüxtes Kamerunschaf scheint in Bobenheim-Roxheim Gesprächsthema Nummer eins zu sein. Seit Tagen kann man es auf den Feldern zwischen der Bobenheimer Siedlung und dem Wormser Flugplatz sehen, wo Reste einer Karottenernte liegen. Dort an der Landesstraße könnte es den Verkehr gefährden. Weder dem Eigentümer noch Behörden, Feuerwehr und Tierrettung ist es bisher gelungen, das braune Schaf einzufangen. Jetzt soll ein Betäubungsgewehr zum Einsatz kommen.

„Im Schnitt bekommen wir drei bis vier Anrufe am Tag“, sagt Etienne Riebel vom Bobenheim-Roxheimer Ordnungsamt. Es sind Anrufe von Bürgern, die der Verwaltung Hinweise auf den aktuellen Aufenthaltsort des Tiers geben wollen. Riebels Chef, Frank Unvericht, berichtet von erfolglosen Versuchen, das Schaf wieder in die Herde eines Roxheimer Landwirts zu bringen. „Den letzten Einsatz hatten wir am Montagnachmittag“, sagt Unvericht. Selbst mit Blasrohr und Betäubungspfeil habe es nicht funktioniert. Derzeit versuchten Helfer des Wormser Gnadenhofs, das Schaf mit Futter zu locken. Gleichzeitig laufe beim Veterinäramt das Genehmigungsverfahren für eine Betäubung mittels Gewehr. Vermutlich lasse sich das Tier nur so einfangen. Kai Neiheiser, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Bobenheim-Roxheim, berichtet auf Anfrage der RHEINPFALZ, warum seine Leute am Montagnachmittag nicht auf den Anruf eines besorgten Bürgers bei der Rettungsleitstelle reagiert haben: „Ich musste diese Anfrage ablehnen, denn es ist keine originäre Aufgabe der Freiwilligen Feuerwehr, entlaufene Schafe einzufangen. Wir müssten für einen solchen Einsatz Wehrleute von ihrem Arbeitsplatz wegholen, was einen Verdienstausfall verursache. „Wir retten nur Tiere, die sich sichtlich in einer akuten Notlage befinden, und die sehen wir hier nicht“, sagt der Wehrleiter. „Das Tier ist offensichtlich gesund und munter und permanent am Fressen.“ Da es sich in Höhe des Flugplatzes und zuweilen auf Wormser Gemarkung aufhält, war allerdings schon die Wormser Berufsfeuerwehr im Einsatz – ohne Erfolg. Michael Sehr von der Berufstierrettung Rhein-Neckar ist ziemlich verärgert und berichtet: „Das Schaf ist durch die vielen sogenannten Rettungsversuche selbst ernannter Tierschützer mittlerweile so scheu geworden, dass es bereits auf einer Distanz von 50 Metern die Flucht ergreift, wenn man sich ihm nähert.“ Das kann Ordnungsamtsmitarbeiter Etienne Riebel bestätigen: „Hier springen Hinz und Kunz herum, und meinen, sie müssten Schafe einfangen. Das ist der Sache aber nicht dienlich und macht alles nur noch schwieriger. Wir bitten die Bevölkerung ausdrücklich, das zu unterlassen.“ Derzeit wartet man im Rathaus auf eine Genehmigung für den Einsatz des Distanzbetäubungsgewehrs. Dafür zuständig ist das Veterinäramt des Rhein-Pfalz-Kreises. Michael Sehr von der Tierrettung Rhein-Neckar: „Die Rechtslage ist bei uns so, dass dieser Betäubungsschuss nur von einem Tierarzt abgegeben werden darf.“ Etienne Riebel ist überzeugt, dass man das entlaufene Tier nur so wieder ins Gehege zurückbringen kann. Aber so ein Betäubungsschuss ist nicht ohne. Riebel: „Das Tier fällt ja nicht gleich um, sondern es kann bis zu 20 Minuten dauern, bis das Betäubungsmittel wirkt. Es ist also darauf zu achten, dass das Tier nicht in unzugängliches Gelände läuft.“ Deshalb habe man den Einsatz einer Drohne vorbereitet, mit der man das betäubte Tier schnell lokalisieren könne. Doch auch dafür muss eine Genehmigung eingeholt werden. Etienne Riebel: „Sollte der Einsatz in einem Zwei-Kilometer-Radius um den Wormser Flugplatz geschehen, was derzeit zu vermuten ist, bedarf es einer Erlaubnis der Flugsicherungsbehörde.“ Kamerunschafe stammen aus Westafrika und zählen zu jenen Schafarten, die nicht geschoren werden müssen. Es handelt sich um ein äußerst robustes und anpassungsfähiges Landschaf, das oft zur Beweidung eingesetzt wird. Das Fleisch der Tiere, die ausgewachsen ein Gewicht von 50 bis 60 Kilo erreichen, ist schmackhaft. Wann und wie Kamerunschafe nach Europa kamen, lässt sich schwer sagen. Vermutlich haben Seefahrer die ersten Exemplare über das Mittelmeer transportiert.

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