Rhein-Pfalz Kreis Kalter Regen, heiße Themen

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Dannstadt-Schauernheim. Es ist ein trister Tag auf dem Dannstadter Wochenmarkt. Das Wetter gibt sich alle Mühe, auch dem letzten Bürger die Laune zu vermiesen. Drei bedröppelte Gestalten stehen derweil im RHEINPFALZ-Zelt und fürchten, dass sie keiner besuchen wird. Doch weit gefehlt! Dazu gibt es hier viel zu viel zu erzählen: über den Verkehr, fehlende Bankautomaten, den Zustand des Alten Friedhofs und tückische Fahrradwege zum Beispiel.

Kurz vor zehn in Deutschland. Der Himmel hat seine Schleusen geöffnet und fieser Bindfadenregen treibt die Dannstadter vor sich her. Mit eingezogenen Köpfen und zusammengekniffenen Augen hasten sie über den Marktplatz, erledigen ihre Geschäfte und verschwinden dann gleich wieder. „Ihr habt euch einen schlechten Tag ausgesucht“, ruft einer herüber. Eine andere macht wenigstens kurz Halt und meint: „Mit gefällt es hier in Dannstadt. Vielleicht hilft euch das ja!“ Dann ist sie wieder weg. Es werden schon erste Notfallpläne geschmiedet, als mit einem Mal alles besser wird. Erst eilt eine Frau herbei, die dieses Jahr Probleme mit dem Umbestellen der Zeitung für die Urlaubszeit hatte. In ihrem Kielwasser folgen zwei weitere – und zack! stehen vier Leute am Stand. Es gibt heißen Kaffee, und harte Themen kommen auf den Tisch. Oder vielmehr: spitze. Scharfe. Gaby Fußer ist gekommen, um zweierlei anzubringen. Sie freut sich, dass es in Dannstadt jetzt einen Radweg gibt – Punkt eins. Eines stört sie aber – und das ist Punkt zwei: „Sobald man den Ort verlässt, egal in welche Richtung, liegen da Scherben rum.“ Vergangene Woche hat sie sich so einen Platten eingehandelt. Das sei zwar kein spezifisches Dannstadter Problem und sie wisse auch nicht, was man dagegen tun kann, aber zur Sprache bringen will sie es dennoch. „Vielleicht reicht das ja, damit ein paar Leute weniger ihre Flaschen wegwerfen?“ Das mit dem „zur Sprache bringen“ hat für Hans-Jürgen Tillner bereits funktioniert. Er war 2015 bei der „Redaktion vor Ort“ in Dannstadt und hat sich über einen verwahrlosten aufgegebenen Spielplatz in der Weinbietstraße beklagt. „Kurze Zeit später ist da alles sauber gemacht und zurückgeschnitten worden. Seitdem wird der Platz halbwegs in Reihe gehalten.“ Ein neues Ärgernis wird sicher nicht so schnell behoben: Tillner vermisst seine Postbank-Filiale. Die wurde Anfang des Jahres geschlossen und jetzt hat er gelegentlich Schwierigkeiten, an Bargeld zu kommen. Die nächste Filiale ist in Mutterstadt, der nächste Automat in Birkenheide – gerüchteweise jedenfalls. Auch alles andere als schnell behoben: Das Problem mit einem rund 50 Zentimeter dicken Baumstamm, der laut Gerhard Felber seit mindestens einem Jahr in einem Graben Im Spieß zwischen der Autobahn und dem Fußballplatz liegt. „Das ist ja schön, dass die Leute vom Gewässerzweckverband nach dem Hochwasser hergekommen sind, um die Gräben auszuputzen“, meint er. „Aber was bringt das denn, wenn da ein Baum drin liegt und mindestens zwei Quadratmeter Ablauffläche sperrt?“ Mit Grünzeug gibt es in Dannstadt-Schauernheim auch an anderer Stelle Probleme: auf dem Alten Friedhof sowie auf dem Aldi-Kreisel. „Beides völlig zugewuchert“, befindet Paul Weber. Vor allem auf dem Friedhof sei es übel: „Das ist kein Friedhof mehr, das ist ein Zustand!“ Gerlinde Braun, die im Gemeinderat sitzt, stellt das nicht in Abrede, hat aber eine Erklärung parat: „Der Bauhof ist personell nicht so reichlich bestückt. Gleichzeitig müssen die Angestellten allerdings immer mehr Aufgaben übernehmen.“ Die Pflege von Friedhof und Kreisel sei daher an Fremdfirmen gegeben worden – was aber offenbar nicht immer so gut funktioniere. Ein weiteres großes Thema ist der Verkehr im Ort: Marta Müller etwa hat wenig Vergnügen daran, durch die Hauptstraße zu fahren. Die „dicken Brummer“ dort findet sie bisweilen beängstigend. Zur Ampelkreuzung müsse sie wohl nicht mehr viel sagen, die Probleme dort seien ja bekannt. „Und sie schaltet oft so blöd, dass nur zwei Autos rüberkommen“, ergänzt die Dannstadterin. Mit der RHEINPFALZ ist sie zufrieden, selbst ihr Sprachwissenschaftler-Bruder bescheinige ihr ein vergleichsweise hohes Niveau. Eine andere Leserin stört der zu große Sportanteil. Sie hat auch den Eindruck, dass die Ausgabe immer dünner wird. Daneben kritisiert sie die vielen Richtigstellungen: „Wenn ich die übersehe, bin ich falsch informiert.“ Ebenfalls nervig ist es aus ihrer Sicht, nach den Familiennachrichten und Traueranzeigen aus der Landauer Gegend suchen zu müssen, aus der sie ursprünglich stammt. Im Online-Angebot gestalte sich das oft schwierig. Dann entschwindet sie flugs in den Regen, um ihren Markteinkauf zu erledigen. Beate Kettner wohnt ihn Hochdorf-Assenheim. Trotzdem freut sie sich über die provisorische Ampel in der Hauptstraße beim Getränkehandel Franck, „auch wenn absehbar ist, dass sie wieder wegkommt“. Grundsätzlich tun ihr die Kinder leid, die auf dem Weg zu Schule oder Kita die viel befahrene Straße überqueren müssen. Sowohl in Dannstadt-Schauernheim als auch in ihrem Dorf würde sie daher mehr Fußgängerüberwege begrüßen. „Ich weiß, dass dafür ein gewisses Verkehrsaufkommen nötig ist, aber die Schulwege sollten einfach sicher sein“, sagt Kettner. Sonst dürften sich die Verantwortlichen nicht wundern, wenn Eltern ihre Sprösslinge allen anderslautenden Aufforderungen zum Trotz in die Schule fahren.

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