Rhein-Pfalz Kreis Königin der Vorleser

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Maxdorf. In der Schulbibliothek des Lise-Meitner-Gymnasiums Maxdorf könnte man an diesem Donnerstagnachmittag eine Stecknadel fallen hören. Ruhe und gespannte Erwartung füllen den Raum. Gleich beginnt der Regionalentscheid des bundesweiten Vorlesewettbewerbs.

Auf den Stühlen sitzen die Sechstklässler Nina Schneider, Alexej Seibel, Zoe-Denise Ziller und Julia Gerlach. „Keiner wird heute verlieren. Ihr seid als Schulsieger alle schon Gewinner. Wir wissen alle, dass ihr gut lesen könnt“, sagen die betreuenden Lehrerinnen unisono. Heute geht es in zwei Leserunden um den Einzug in die nächste Runde, den Bezirksentscheid. Das Los entscheidet, dass Zoe-Denise (Realschule plus Böhl-Iggelheim) als Erste liest. Sie hat sich für einen Fantasy-Roman von Thea Harrison („Das Lied der Harpyie“) entschieden. Der Zeigefinger ihrer rechten Hand schiebt sich über die Buchseiten, vorsichtig und mit Bedacht liest sie knapp drei Minuten, solange hat jeder der vier Schüler in der ersten Runde mit seinem Buch Zeit. Etwas ernst blickt Alexej vor sich hin. Er hat den Klassiker „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ dabei und erklärt für die Zuhörer kurz die Geschichte. Dabei muss er tief durchatmen: „Ich bin so nervös.“ Dann beginnt der Schüler der Realschule plus Bobenheim-Roxheim zu lesen. Versunken in die Geschichte vergisst er sogar die Zeit: „Ist sie schon rum?“, fragt er mit Blick zu den Lehrerinnen. Seit 1959 veranstaltet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels den Vorlesewettbewerb. Und das für alle Schulformen. Gelesen wird vom schulinternen Wettbewerb bis hin zur Bundesebene. Dann ist Julia an der Reihe. An der Wand hinter den Schülern hängen bunte Plakate, gebastelte Buchrezensionen: von „Gregs Tagebuch“ und „Harry Potter“ über „Die Glücksbäckerei“ bis hin zu „Ronja Räubertochter“. Die Schülerin vom Paul-von-Denis-Gymnasium Schifferstadt hat die Geschichte „Königin des Sprungturms“ gewählt. Die Gespräche zwischen den um die besten Sprünge wetteifernden Mädchen liest sie mit viel Einfühlungsvermögen. Schließlich ist in der Geschichte gerade eines der Kinder gestürzt und hat sich verletzt. Zum Abschluss der ersten Runde kommt Nina an die Reihe. Als Schülerin des Lise-Meitner-Gymnasiums hat sie Heimspiel. Nina kreuzt die Füße, die in bunten Turnschuhen stecken. Sie beginnt mit ihrer Textstelle aus „Mit Elefanten spricht man nicht“ von Tanya Stewner. Erstmal Pause. Die Mädchen lassen sich von ihren Freundinnen umarmen, flüstern sich aufgeregt ein paar Worte zu. Nicht jeder der vier Vorleser ist mit seiner Leistung völlig zufrieden. Es gibt einen letzten aufmunternden Klaps und weiter geht’s. Dieses Mal ist es ein unbekanntes Buch. Reihum lesen die Vier aus „Der Tag, an dem ich cool wurde“. Danach hat die Jury die Wahl. Nach Informationen des Deutschen Buchhandels nehmen an den regionalen Entscheiden der Städte und Landkreise rund 7000 Schüler der sechsten Klassen in Deutschland teil. Mit rund 600.000 Teilnehmern jährlich ist der Vorlesewettbewerb Deutschlands größter Lesewettstreit. Länger als die angekündigten zehn Minuten braucht die Jury, um sich für den besten Vorleser zu entscheiden. Darin sitzen: Christiane Sommer (Schulbibliothek Maxdorf), Rosemarie Strubel von Thalia in Mannheim, Nadine Mehner (Stadtbibliothek Ludwigshafen) und Inge Kohlbacher vom Maxdorfer Buchladen. „Ihr habt es uns nicht leicht gemacht“, sagt Sommer. Als sie Julias Namen nennt, ist die Freude bei der Sechstklässlerin groß. Sie schlägt sich die Hände vors Gesicht und strahlt. Nach Meinung der vier Frauen hat sie am flüssigsten und deutlichsten gelesen, die Betonung der Wörter richtig gesetzt und das Tempo gut dosiert.

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