Mutterstadt
Jubiläum bei Seniorenresidenz: Kusshände aus der Rikscha
„Wir brauchen etwas Besonderes, denn wir haben auch besondere Menschen.“ So beschreibt Alexandra Ries, Leiterin der Mutterstadter Pro Seniore Residenz, die Vorgabe zur Feier des 25. Geburtstags der Einrichtung. Sie wollte einen „Knaller“ für ihre 80 Bewohner organisieren und ist über die Aktion hoch erfreut. Und deshalb steht sie da, die schwarzlackierte dreirädrige Rikscha mit knallrotem Verdeck. „Sie lieben es“, sagt Ries. Nun können die Senioren, ohne selbst strampeln zu müssen, zwischen zwei Touren durch Mutterstadt wählen.
Auf Besichtigungsfahrt
Die erste davon führt von der Residenz zur protestantischen Kirche, an der Toranlage vorbei zum Alten Rathaus und schließlich durch die Luitpoldstraße zurück zum Ausgangspunkt. Von dort aus geht es auf der zweiten Tour vorbei am Café Elisabeth zum Palatinum und weiter zum Jüdischen Friedhof, um dann die Gaststätte „Zur Linde“ und das heutige Haus der Vereine zu passieren, die katholische Pfarrkirche St. Medardus noch mitzunehmen und schließlich den Wasserturm zu erreichen, die letzte Station vor der Rückkehr. Für jeden Fahrgast gibt es einen Tourenplan, der Fahrer hat Zusatzinformationen zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten parat. Ein Stopp für ein Eis sei auch drin, ergänzt Organisatorin Ries. Die Rikscha-Aktion sei ein Teil des Mottos „25 Jahre Pro Seniore Residenz“, das sich wie ein roter Faden durch das ganze Jahr ziehe, sagt die Heimleiterin. Ob auf Torten, als Handarbeit oder als ausgesägtes Schild, beim Bingo oder im Erzählcafé, überall drehe es sich um die Zahl 25. Auch beim Gedächtnistraining stelle man sich die Frage: Was habe ich mit oder vor 25 Jahren gemacht? Eine Modenschau sei für die zweite Jahreshälfte geplant.
Abwechslung und Ablenkung
„Das Lenken ist ganz anders als beim Fahrrad“, sagt die Leiterin des Sozialkulturellen Diensts, Claudia Vonhaz, die zusammen mit zwei weiteren Kollegen den Rikschafahrer-Job übernommen hat. Daher habe es zuvor eine Probefahrt gegeben. Inzwischen ist sie die Touren schon mehrmals gefahren. „Jetzt bin ich Profi“, sagt sie und lacht, „es macht riesig Spaß zu fahren.“ An Bord hatte sie zuletzt die 80-jährige Ursula Gedaschke und die 79-jährige Hildegard Berg. „Ich bin schon so lange kein Fahrrad mehr gefahren“, blickt Gedaschke zurück. Obwohl sie früher mit dem Rad zur Arbeit gefahren sei, habe sie mit 60 Jahren damit aufgehört, da sie sich nicht mehr sicher gefühlt habe. „Eine schöne Abwechslung“ sei die außergewöhnliche Ausfahrt.
Als Ablenkung von schlimmen Gedanken, die sie ansonsten momentan quälen, sieht ihre Mitfahrerin die Tour. Ihre Freude dabei geht so weit, dass sie Anwohnern von ihrer Rikschabank aus fleißig gewinkt und Handküsschen geschickt hat. „Besonders den jungen Männern“, fügt die Seniorin schmunzelnd hinzu. Für gute Laune ist an diesem Nachmittag der Sänger Kalli Koppold mit Liedern zum Mitsingen und Schunkeln zuständig. Einige der älteren Damen und Herren schwenken die Löffel, mit denen sie ihren „Mutterstadter Eisbecher“ essen, im Takt.
Nach drei Tagen geht die Rikscha an den Mainzer Verleih zurück. Die Erinnerungen, die ihre Gäste damit in Verbindung bringen, werden ihnen bleiben. Für Alexandra Ries steht fest: „Eine Rikschafahrt wird es definitiv wieder geben, auch ohne Jubiläum.“