Rhein-Pfalz Kreis Johanneswein soll Frieden und Freundschaft bewahren

Pfarrer Andreas Rubel schenkt Klaus Graber einen Schluck Johanneswein ein. Diesmal ist es ein Spätburgunder aus dem Hause Stenge
Pfarrer Andreas Rubel schenkt Klaus Graber einen Schluck Johanneswein ein. Diesmal ist es ein Spätburgunder aus dem Hause Stenger.

Im Mittelalter bestand das Weihnachtsfest nicht aus zwei, sondern aus drei Festtagen und mancherlei Brauchtum. Einen Abglanz davon kann man in der katholischen Pfarrei Heiliger Petrus noch heute alljährlich erleben, wenn am 27. Dezember in Bobenheim-Roxheim der Johanneswein gesegnet und verkostet wird.

Pfarrer Andreas Rubel hat den in der Pfalz nur noch wenig ausgeübten Brauch in seinem Zuständigkeitsbereich neu belebt. In diesem Jahr wartete er mit einem Spätburgunder auf, dessen Erzeuger, der Winzer und einstige Obermessdiener Eric Stenger, am Gottesdienst in der Kirche St. Laurentius teilnahm. Unter dem Tisch, auf dem sich der Wein befand, waren mindestens noch einmal so viele Flaschen aufgereiht, die die Gläubigen zur Segnung mitgebracht hatten und als Johanneswein zu Hause für besondere Anlässe aufbewahren werden. Er soll in erster Linie dazu beitragen, Freundschaft und Frieden zwischen den Menschen zu bewahren. Damit wird in Mitteleuropa seit mindestens 1000 Jahren des Apostels und Evangelisten Johannes gedacht. Pfarrer Rubel schilderte den am 27. Dezember gefeierten Heiligen als sprachgewaltigen Mann, der ohne verletzende oder herabsetzende „Unworte“ ausgekommen sei und die Menschen Eintracht gelehrt habe. Johannes sei zudem als einziger der Jünger Jesu bis zu dessen Kreuzigung in seiner Nähe geblieben. Sowohl im Kreis um Jesus als auch in der Urkirche hat Johannes – nicht zu verwechseln mit Johannes dem Täufer oder jenem Johannes, der die Geheime Offenbarung verfasst hat – eine tragende Rolle gespielt. Zwar soll der Apostel als einziger Jünger eines natürlichen Todes gestorben sein, doch war auch er Anfeindungen und Verfolgungen ausgesetzt. Wie die Legende berichtet, wurde versucht, ihn mit vergiftetem Wein zu ermorden. Er aber sprach ein Gebet über den Becher und trank ihn aus, ohne Schaden zu nehmen. In Weinbaugemeinden etablierte sich daher der Brauch der Johannesweinsegnung. Und Roxheim wie Bobenheim sind von den Tagen Karls des Großen bis weit in die Neuzeit hinein als Weinbaugemeinden belegt. In St. Maria Magdalena Roxheim hat letztmals 1970 Pfarrer Karl Schäffer diese Segnung vorgenommen. Da Kinder und Jugendliche zu Hause keinen Wein trinken durften, nahmen zu Schäffers Zeit meist sämtliche Messdiener der Pfarrei – und das waren über 50 – an dieser Messe teil, denn an jenem Tag machten alle Eltern eine Ausnahme. Die Verkostung von geweihtem Wein war eben „etwas anderes“. Bei der diesjährigen Johannesmesse dagegen dienten gerade mal zwei Ministrantinnen. Die Segnung begleitete Pfarrer Rubel mit einer Lesung aus dem Sirachbuch das Alten Testaments, die mäßigen Weingenuss zur Steigerung der Lebensfreude empfiehlt. Nach der Feier wurden die Rotweinflaschen geöffnet. Mit den Worten „Trinke die Liebe des heiligen Johannes!“ füllte der Priester jedes Glas der Gottesdienstbesucher. Die konnten anschließend im Pfarrheim St. Antonius den Johanneswein zusammen mit gestifteter Hausmacher Wurst weiter genießen.

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